Mario Ewert schrieb:
verfasst am Freitag, den 01.05.2015 um 11:18 Uhr
 

Der Wunsch nach theatraler Behandlung lokaler Themen (zumal im unten von Hr. Stark geforderten globalen Kontext) klingt nachvollziehbar und wünschenswert. Doch braucht ein solch anspruchvolles Verlangen kreative, leistungsfähige Menschen, die es hier(!) anpacken wollen. Solche Typen erwarten - wie anspruchsvolle Pflanzen - auch eine entsprechende Umwelt. Eine Stadt, die sich nur dem Bewahren verpflichtet fühlte, lässt keinen Raum für neues Wachstum. Eine Gesellschaft, deren Grundlage die Verdrängung der Vergangenheit bildet, hat keine Nährstoffe für neues Wachstum. So wachsen die interessantesten Exemplare halt da, wo Klima und Boden gut sind.
Bisher tun immer viele Entscheidungsträger so, als wenn dies nur mit dem Gehalt zusammen hinge. Ist dem denn wirklich so?
In welcher Welt wir leben, entscheiden wir jeden Tag ein wenig selbst, auch in unserem direkten persönlichen Umfeld. Das und nur das, möchte diese verspätete Aufarbeitung lokaler Geschichte - nach meiner Auffassung - verhandeln. Das es hier 25 Jahre gedauert hat, berichtet ja auch etwas. Was sind die Schlussfolgerungen aus jüngerer lokaler Geschichtsbewältigung? Sei ein skrupeloser Egoist und dann versteck dich mit der Beute und lass Zeit vergehen.
Die sich aus derartigen Lehren nährende Folgegeneration darf einem Sorgen machen. - Vielleicht gibt es ja auch einmal eine Fortsetzung des Cottbus Projekts, die uns etwas über das Hier und Jetzt berichtet.

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Michael Philipp Stark schrieb:
verfasst am Montag, den 20.04.2015 um 19:53 Uhr
 

Ach Gott, das wirkte ja wie aus der Zeit gefallen! Eine Reise aus der Wendezeit bis in die Zukunft von Cottbus soll’s sein – ja, aber da will doch keiner mit! Glaubt ihr wirklich, dass das von denjenigen, die angekommen sind in der Gegenwart, irgendeinen interessiert? Die sich engagieren, streiten um die Kommunalfinanzierung kurz vor der Kreisgebietsreform, die Geld machen wollen, vertreiben Spreewaldgurken in China und die „Kreativen“ gründen noch eine weitere „Wilde Barbara“ (gibt noch einige Straßennamen in dieser Stadt, die so eine vertragen!) Warum sollten diese Leute ihre Väter mit „Wahrheitskommissionen“ quälen? Warum ihren Enkelinnen nicht zuhören, statt immer wieder den gleichen Sermon über „Pauschalisierungen“ und „Aber mein gelebtes Leben!“ herunterzuleiern? Warum nicht wenigstens – statt Jugendklischees zu rappen – drei reale Gründe aufzählen, weshalb sie wiederkommen wollen oder meinethalben auch bleiben? Ich hab‘ nichts gegen Geschichte, keinesfalls. Aber nach einem Jahr in dieser Oststadt nichts anderes entdeckt zu haben als den alten Muff und Mief, das ist einfach zu wenig. Als wäre die Zeit seit 89 stehen geblieben! Liebe Theatermacher, globalisiert euch!

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Astrid Gerogk schrieb:
verfasst am Montag, den 20.04.2015 um 09:52 Uhr
 

Was für eine Premiere! Überhaupt: Was für ein Projekt!! Wie nah dran an dem, was mich in den vergangenen Jahre so sehr beschäftigte. Ein besonderer Dank an Michael Becker: Seine Gestaltung des ehemaligen Cottbuser Wohnungsbauchefs ging mir unter die Haut. Ein packender Abend. Danke!

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