Edith Kleiner schrieb:
verfasst am Dienstag, den 05.12.2017 um 23:57 Uhr
 

Zufällig entdeckte ich im Cottbuser Spielplan den "Ritter Blaubart" und eilte, meine liebsten Helden der Komischen Oper (Nocker, Asmus, Schlemm und Enders) in Cottbus wiederauferstehen zu sehen. - Einen großen Dank an den Regisseur für die Idee! - Einen begeisterten Dank an alle Künstler! - Nur ein wenig Erschrecken, daß sogar die kostbaren Vasen aus dem 1. Rang der Inszenierung zum Opfer fielen!!
Habe schon Cottbuser Langschläfer zum Besuch animiert und werde auch mit einem Gast wiederkommen. Hymenäus!!

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Hans-Jürgen Möde schrieb:
verfasst am Montag, den 03.04.2017 um 14:35 Uhr
 

Nach vielen Jahren mal wieder im Theater gewesen. Nicht bereut. Hier eine kleine Zusammenfassung.
MfG HM

Ritter Blaubart
Wovon viele Männer träumen,
Ritter Blaubart ließ keine Gelegenheit versäumen.
Er nahm die Weiber, schlank oder rund
und schloss mit ihnen den Ehebund.
Wenn er bei der einen die Lust verlor,
da nahm er sich die nächste vor.
Scheidung war damals nicht so modern.
In seinen Kreisen sah man das nicht gern.
So griff er denn zu einer List,
dabei half ihm ein Alchimist.
Der Alchimist mischte einen Trank,
wonach die Dame in einen tiefen Schlaf versank.
Der Ritter dachte sie wäre verschieden,
so konnte er sich neu verlieben.
Der Alchimist weckte die Dame auf
und machte mit ihr einen drauf.
Was machte das schon, dass sie gebraucht,
ihr „Können“ hob das wieder auf.
Er ließ die Dame weiter leben
Sie war ihn dafür sehr ergeben.
So waren denn alle froh,
Ritter Blaubart sowieso.
Die Beisetzung fiel üppig aus,
er hatte ja bald eine Neue in seinem Haus.
So trieb er es jahraus, jahrein.
Trotz Schwund war er nie allein.
Der Alchimist nutzte weiter seine List.
Bis ihn dann einst der Tod erwischt.
Jacques Offenbach hat es so beschrieben.
Blaubarts Nachkommen sind geblieben.
Nur den Alchimisten stellten sie kalt.
Das regelt heute ein Anwalt.

31.03.2017 HM

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Helmut Harff schrieb:
verfasst am Donnerstag, den 15.12.2016 um 10:23 Uhr
 

Ich bin Großstädter, ich bin Berliner und ich bin Theaterfan. Da liegt es alles andere als nah, dass ich mich auf den Weg in ein Provinztheater mache. Da ist es auch unwichtig, dass sich das Haus Staatstheater nennt und wohl das schönste Jugendstiltheater des Landes ist. Wovon ich rede? Vom Staatstheater in Cottbus. Ja, das ist schon fast in Polen – zumindest für Ignoranten. Cottbus ist nicht unbedingt der Nabel der Welt, auch wenn die noch kreisfreie Stadt eine Uni beherbergt und einen wunderschönen Weihnachtsmarkt hat.

Doch all das zog mich nicht in die Lausitzmetropole. Mein Ziel war, wie schon gesagt, das Staatstheater. Dort läuft seit kurzer Zeit die Offenbach-Operette „Ritter Blaubart“. Da ich in jungen Jahren acht Jahre an der Komischen Oper als Requisiteur tätig war, kenne ich das Stück so gut, dass ich noch heute weite Passagen auswendig kann. Ich habe rund 200 Vorstellungen der legendären Blaubart-Inszenierung des ebenfalls legendären Gründers, Intendanten und Top-Regisseurs Prof. Walter Felsenstein hinter der Bühne miterleben dürfen. Nun kündigte das Cottbuser Staatstheater an, dieser Inszenierung neues Leben einzuhauchen und das Stück in seiner Fassung der Komischen Oper auf die Bretter der Provinzbühne zu bringen.

Ich machte mich also mit der besten Frau der Welt auf in die Provinz in das Theater. Ich war mehr als skeptisch und auf eine große Enttäuschung eingestellt. Um es gleich zu sagen: Die Enttäuschung blieb aus. Ich kam mir vor, als wenn ich im verkleinerten Zuschauerraum der Komischen Oper sitzen würde. Ich hätte wohl einfach hinter die Bühne gehen und meinen Job als Requisiteur machen können. Die Dekoration, aber auch die Kostüme schienen die von vor Jahrzehnten zu sein. Eine Chorsängerin erinnerte mich sogar an eine längst verflossene Liaison.

Und dann erst das Geschehen auf der Bühne – ich ziehe vor der Regie, dem Orchester, den Solisten, dem Chor und den Kleindarstellern meinen Hut. Auch wenn vielleicht nicht jeder Ton perfekt saß – das kenne ich auch noch aus meiner Berliner Theaterzeit – so war die Spielfreude wirklich ansteckend. Und ich konnte meine Textsicherheit überprüfen.

Eines ist klar, Prof. Felsenstein wird angesichts dieser Inszenierung in Cottbus ruhig in seinem Grab auf Hiddensee liegen oder er schaut voller Wohlwollen von einer Wolke auf das, was da in Cottbus passiert. An alle, die einst an der Komischen Oper den „Ritter Blaubart“ gesehen haben oder die Offenbachs Melodien lieben, eine Empfehlung: Reisen Sie nach Cottbus und besuchen Sie das Staatstheater.

Jetzt genieße ich erst einmal mein Frühstück. Die Musik Offenbachs wird mir noch lange im Kopf rumspuken. Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Gehen Sie mal wieder ins Theater.

www.genussmaenner.de

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Dr. Joachim Saretz schrieb:
verfasst am Mittwoch, den 09.11.2016 um 14:37 Uhr
 

Blau-bärtiger/-blütiger Spaß im Theater
Mit der Premiere von Offenbachs "Ritter Blaubart" bringt das Staatstheater eine tolle Reminiszenz an Felsensteins legendärer Erfolgsinszenierung in der Komischen Oper auf die Bühne. Dabei gelingt Steffen Piontek mit seiner Inszenierung der Spagat zwischen Offenbachs geheimen großen Opernwunsch und einer zeitgemäßen, leicht parodistischen Operette ganz hervorragend, vor allem auch Dank der großartigen Leistungen aller Beteiligten. Bühnenbildner und die Kostümabteilung konnten mal so richtig aus dem Vollen schöpfen. Die Musik, von Ivo Hentschel gesteuert, kam leicht und locker aus dem Orchestergraben, ein Labsal gegenüber dem sonst leider oft doch sehr heftigen Getöse unter anderer musikalischer Leitung. Und die Solisten gaben durchweg ihr Bestes. Frau Constantins Einschätzung (siehe Lausitzer Rundschau vom 7. Nov.) über eine ihrer Meinung nach Fehlbesetzung der Hauptrollen kann ich in keiner Weise teilen. Selbstverständlich war entsprechend dem Grundanliegen der Inszenierung kein jugendlich strahlender Tenor in der Titelpartie zu erwarten, wohl auch nicht erwünscht. Wie Herr Wilde den alternden Möchtegerncasanova mit vollem Einsatz und dezenter Parodie darbot, war schon köstlich. Frau Fischers Boulotte war von einer erfrischend derben und spielfreudigen Komik, dass mit Sicherheit auch Walter Felsenstein seine Freude daran gehabt hätte. Besonders günstig empfand ich den stimmlichen Kontrast der erfahrenen Mezzostimme zum glockengleichen Sopran von Frau Lokaichuk als Fleurette. Und die beiden männlichen Strippenzieher dieses Abends waren mit den Herren Walter und Jäpel souverän besetzt.
Rundum ein gelungener Abend, lediglich zum Beginn des zweiten Aktes mit etwas Leerlauf. Hier wäre eine dramaturgische Straffung angebracht.
Viele Dank für diesen theatermäßigen Spaß. Eine musikalische Klamotte, wirklich theatermäßig mit viel Witz, Fantasie, Poesie und dezenter Parodie geboten.
Und Herr Schüler, sparen Sie sich teure Gäste für die beiden Hautpartien, die kaum passender sein könnten als Ihre hauseigenen Kräfte.

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