Barbara kanter schrieb zu 2. Philharmonisches Konzert 2017/2018:
verfasst am Sonntag, den 22.10.2017 um 22:22 Uhr
 

Selten so enttäuscht wie heute - 2. Philharmonisches Konzert. Orchester und Pianist toll, ansonsten zum Sonntagabend eine Zumutung für Seele und Harmonie-Empfinden. Es gibt genug Chaos in der Welt. Dachte, ich könnte ein bisschen abschalten, mich zurücklehnen und Musik genießen - zum ersten Mal seit meiner Studienzeit (Musik) bin ich vor dem Schlussapplaus gegangen - schade um mein Geld.

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Dr. Joachim Saretz schrieb:
verfasst am Montag, den 17.01.2011 um 17:38 Uhr
 

Napoleons späte Rache an Beethoven -
Fazit eines Konzertbesuches im Staatstheater Cottbus

Auf dem Programm des Sinfoniekonzertes am 16.01.2011 stand u.a. auch Beethovens 3. Sinfonie. Bekanntermaßen widmete Beethoven diese Sinfonie ursprünglich Napoleon, revidierte später dann diese Entscheidung nach Enttäuschungen über die Entwicklung der französischen Revolution und des Usurpators Napoleon.
Nach mehr als 200 Jahren schlug nun Napoleon unbarmherzig zurück und bediente sich dazu des Generals und der Musiker des Philharmonischen Orchesters Cottbus. Beethoven wurde mit dieser Aufführung seiner 3. Sinfonie in aller Öffentlichkeit gemeuchelt.
Aber der Reihe nach.
Das Konzert begann mit dem Versuch dreier leger farbig gekleideter Musiker (Oboe, Bratsche, Cembalo) mit Unterstützung zahlreicher vorwiegend grau/schwarz/weiß gekleideter Musiker mit diversen Instrumenten und eines „Vorturners“ (in Schwarz-Weiß ohne Instrument) die ostbrandenburgische Landschaft musikalisch zu beschreiben; …ohne weiteren Kommentar!
Danach eröffnete sich der musikalische Olymp im Staatstheater.
Mit Mozarts Klarinettenkonzert eroberte ihn Sabine Meyer. Eine derart ausgewogene, musikalisch und in der Tongebung perfekte Interpretation dieses Konzertes dürfte man auch außerhalb von Cottbus nur sehr selten zu hören bekommen. Glücksmomente für jeden Musikliebhaber pur.
Nach der Pause schlußendlich Beethoven. Und bereits mit den ersten Eröffnungsakkorden wurde klar, diesem Beethoven zeigen wir mal wie revolutionär wir heute sind. Ein napoleonischer Geschwindmarsch par excellence. Keine Phase des Besinnens, des Nachlassens. Hier wird durchgerast bis zum Ende, bis zum bitteren Ende. Ruhephasen sind nur etwas für Schwächlinge, musikalisch ausgespielte Melodiebögen sind etwas für romantische Kleingeister. Die heutige Zeit erfordert dynamisches Voranschreiten, schnell, laut, schrill, hektisch. Beethoven blieb leider auf der Strecke. Aber das war wohl gewollt, siehe Napoleons späte Rache. Das leider auch einige Musiker diesem Parforceritt ihren Tribut zollen mußten fiel dann nicht mehr weiter ins Gewicht.
Ob Beethovens Taubheit auch in seinem Musikerhimmel noch anhält? Man kann es ihm eigentlich nur wünschen.

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