Verlauf:

Dr. Joachim Saretz schrieb:

Die Skepsis war da. Mit der Erinnerung an eine grandiosen Orpheus mit M. Bleidorn vor vielen Jahren, diversen musikalischen Crash-Aktionen aus letzter Zeit und einer nur halben „Madame Pompadour“ zum Karneval nun wieder Orpheus mit seiner Euridice. Würde dies gut gehen?
Es ging gut, noch mehr, es war wunderbar. Endlich wurde in unserem schönen Haus des Staatstheaters wieder musiziert, und wie!
Dabei war es ganz einfach. Auf allen Schnickschnack, auf Events und andere „moderne“ Regieeinfälle wurde verzichtet. Man nehme einen versierten Regisseur, exzellente Sängerinnen, die ihre Rollen beherrschen und einen musikalischen Spiritus Rector, der nicht sich selbst, sondern die Musik in den Vordergrund stellt und schon kommt ein großer Opernabend heraus. Zugegeben, ganz so einfach wird es nicht gewesen sein. Die Mühe und die Arbeit, die darin stecken sind zu erahnen. So zum Beispiel das Rollendebüt von Frau Lichtenberg in dieser höchst anspruchsvollen Rolle, welche sie auf beeindruckende Art und Weise gemeistert hat. Die kleinen Konzentrationsprobleme im 3. Akt schmälern den Gesamteindruck in keiner Weise. Beeindruckend auch die musikalische Leitung von Herrn Niemann. In stiller Bescheidenheit genau die passende musikalische Stimmung, durchaus auch mit etwas spröder Barockakustik, aus dem Orchestergraben gezaubert, die zum Orpheus und dem Haus passt. Und dabei gab er den SängerInnen alle Zeit der Welt, die sie nutzen konnten, ihre Stimme in alle Details und Verzierungen der Partie fliessen zu lassen. Dies tat einfach gut und war auch Labsal für den Zuhörer. Und wenn dann noch die Regie (alle reden vom „Regietheater“, hier wurde ganz einfach Regie geführt!) mit einer emanzipierten Euridice eine wohl für barocke Verhältnisse ungewöhnliche Schlusslösung präsentiert war die Welt in Ordnung, das Publikum begeistert.
Ach warum kann Operntheater nicht immer so beeindruckend sein?
PS: Noch eine abschließende Bemerkung. Warum wird eine solche Inszenierung dem Cottbusser Anrechtspublikum vorenthalten? Vorschlag: Die verunglückte „Rusalka“ endgültig aus dem Spielplan nehmen und durch Orpheus mit seiner Euridice ersetzen.