Verlauf:

Torsten R. Karst schrieb:

Ich bin nach der Vorstellung "Im Rücken die Stadt" am letzten Samstag zum sogenannten „Abspann“ geblieben. Leider wollten die meisten von denen, die auch geblieben waren, wohl eher „abspannen“ als diskutieren: Wortmeldungenund Disput plätscherten leise vor sich hin. Trotz des aktuellen Themas resp. Stücks! Für mich überraschend war allerdings die Meinung, die Inszenierung sei mehr allgemeines Gleichnis (für in allen Zeiten übliche Generationenkonflikte oder allbekannten Nachbarschaftsneid) als Zeitdokument. Wie’s scheint, gibt’s in Cottbus keine Töchter, die ihren Eltern oder Großeltern ungeduldig Fragen stellen wie die Studentin Ina im Stück. Beeindruckend, wie Ariadne Pabst das spielt und Sigrun Fischer darauf reagiert und schon deshalb sehenswert das Ganze. Aber gerade deshalb auch ließ mich die Dramaturgie des Stückes dann ratlos zurück: Die Klischees, gegen die die junge Ina anfragt, nämlich die Reduktion der Ost-Geschichten auf „War alles nicht so schlimm“ durch die einen und „War alles Stasi“ durch die anderen, sie dienen dem Stück von Freyer nicht nur als Ausgangsbasis, sondern werden durch das Desinteresse aller Figuren an dem, was wirklich war, bestätigt und geheiligt. Wenden wir uns doch endlich anderen, den wichtigen Dingen zu! - das scheint mir die (traurige) Quintessenz vom Ganzen. Zum Beispiel der Selbstfindung in Asien mit Mann oder der Selbstbesinnung jenseits der Arbeitshatz im abgezahlten Eigenheim oder dem Leiden an der Welt schlechthin oder, vor allem im Alter, dem Alkohol… - Vielleicht gab’s ja auch deshalb nicht mehr Auseinandersetzung beim „Abspann“, weil wir alle gerade erfahren hatte, dass Auseinandersetzung nicht lohnt.
Torsten