Verlauf:

Susanne B. schrieb:

Gestern habe ich im Staatstheater Cottbus die wunderbare Aufführung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" erlebt. Diese Vorstellung war die Reise nach Cottbus unbedingt wert. Die Inszenierung dieses hochaktuellen Stoffes ist gelungen, zwingt sie einem doch keine Meinung auf und lässt Spielraum, sich mit den eigenen Vorurteilen von der islamischen Welt zu beschäftigen. Alle Szenen sind von einer großen Beweglichkeit, Aktion und Flexibilität geprägt, sodass nie Längen aufkommen. Die Sänger und das Orchester schauspielern, singen und musizieren um ihr Leben, allen voran Laila Salome Fischer als entführte Konstanze. Sie macht die Zerrissenheit zwischen Sympathie und Angst in der Begegnung mit Bassa Selim und später Belmonte durch eine atemberaubend echte Darstellung fast schmerzhaft spürbar. Alle gesanglichen Schwierigkeiten werden bravourös gemeistert und die junge Sängerin biete eine bemerkenswerte dynamische Bandbreite bis hin zu wunderbar schmelzenden Pianissimi. Alexander Geller spielt den Belmonte nicht ohne Feinsinn, den hochwohlgeborenen Adligen nimmt man ihm ohne Zweifel ab. Er weiß durch seinen wunderbar lyrischen Tenor in den anspruchsvollen Arien und Ensembles durchaus zu gefallen. Hardy Brachmann brilliert als verschmitzter und stimmgewaltiger Pedrillo und bildet mit der wunderbar patzigen Blonde (Katerina Fridland) ein erfrischendes Buffo-Paar. Ingo Witzke meistert die Monsterpartie Osmin bravourös, schwingt sich von der Tiefe in die Höhe und zurück und bleibt dabei eine physisch präsente Erscheinung. Paul Enke als Gast-Bassa verleiht der Rolle viele Facetten, von irrem Lachen bis hin zu großmütigem Verständnis.

Ein herrlicher Abend im Staatstheater. Berliner, Brandenburger und Cottbuser, eilt in die nächsten Vorstellungen der "Entführung". Hier wird mit Verve und Enthusiasmus gespielt und gesungen!!