Verlauf:

Volkmar Berger schrieb:

„Schuld und Unschuld“ – das Staatstheater Cottbus regt zu diesem Thema eine Diskussion an:

Von außerordentlicher Bedeutung bei der Betrachtung differenzierter Möglichkeiten zu diesem Thema ist vorher zu definieren, für welchen realen Bereich eine Bewertung vorzunehmen ist.
Dabei sind nach menschlichem Ermessen in erster Linie die vorgelagerten Verhältnisse zwischen „Ursache und Wirkung“ sowie „Recht und Unrecht“ zu berücksichtigen, bevor weiterführend die Parallele „Schuld und Unschuld“ ins Blickfeld gerät.

Unbeschadet menschlicher Anschauungen wirken Naturgesetze dialektisch bewertungsneutral.
Aber durch menschliche Einwirkung kann deren Beeinflussung nach dem Prinzip „Ursache und Wirkung“ erfolgen, was erst danach wiederum eine Bewertung nach „Recht und Unrecht“ sowie „Schuld und Unschuld“ zulässt.
Dazu bietet die Gegenwart z.B. für den Bereich „Natur und Umwelt“ unzählige Beispiele, die u.a. durch Beantwortung der jeweils simplen Frage: „Was wäre, wenn...“ projiziert werden würden.
Es erübrigt sich, hier auf gesellschaftlich beeinflusstes „Recht und Unrecht“ usw. hinzuweisen.

Der bewertete Umgang mit dem Begriff „Schuld und Unschuld“ stellt in Verbindung mit „Recht und Unrecht“ seit eh und je eine Demonstration der menschlichen Machtausübung dar.
Die Zuordnung zu realen Ereignissen ist in jedem Fall eine individuelle Anmaßung, die bei anderer Betrachtung auch genau gegenteilig ausfallen kann.
Objektiv bleibt es dabei unbeschadet, ob eine Einzelmeinung vertreten wird bzw. sich in der Zuordnung überwältigende Mehrheiten widerspiegeln.
Prinzipiell ist zwischen „Schuld und Unschuld“ analog wie bei „Recht und Unrecht“ zu bewerten.

Im Verlauf der Zeiten wandeln sich häufig auf Grund veränderter gesellschaftlicher Verhältnisse die individuellen Wahrnehmungen und Beurteilungen. Die Möglichkeiten zwischen den konträren Begriffen zu entscheiden sind entwicklungsgeschichtlich stark sensibilisiert worden.
Eine verbindliche Aussage hierzu stellt in jedem Fall ein machtpolitisches Dogma dar.
Aus menschlicher Sicht sind bei Zeitgleichheit in jedem Fall unterschiedliche Entwicklungsstände bei der Wahrnehmung und Bewertung zu beachten.
Überprüft man weltweit epochal analoge gesellschaftliche Entwicklungsstände an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiteinheiten, ist es leicht, einen Wandel der gesellschaftlichen Aussagen zwischen „Schuld und Unschuld“ (bzw. „Recht und Unrecht“) festzustellen.

Innerhalb eines gesellschaftlichen Systems ist in jedem Fall das Individuum angepasst bzw. wird unterdrückt. Eine Neutralität wäre nur durch eine externe Beobachtung vorstellbar.
Der Bewertungsspielraum zwischen „Schuld und Unschuld“ verhält sich analog.

Alle bisherigen Aussagen lassen unzählige verschiedene Interpretationen zu.
Dialektischen Betrachtungen zwischen „Ursache und Wirkung“ lassen auf subjektive Entscheidungen zwischen „Recht und Unrecht“ bzw. individuelle Empfindungen zwischen „Schuld und Unschuld“ schließen.

Als Fazit aller vorstehenden Aussagen kann man nur den Schluss ziehen, dass sich natürliche menschliche Verhaltensweisen frei von „Schuld und Unschuld“ zeigen und erst durch gesellschaftliche Normen wie z.B „Recht und Unrecht“ bewertbar werden. Die gesellschaftlichen Normen wiederum werden beeinflusst durch den Stand der Erkenntnis und wirken weiter auf die individuellen Wahrnehmungen zu „Recht und Unrecht bzw. zu „Schuld und Unschuld“.

So lange der Erkenntnisprozess zum selben Zeitpunkt verschiedene Deutungen zwischen Realität und Glauben, wie auch zwischen Politik und Realität sowie zwischen „Recht und Unrecht“ zulässt, wird eine zuverlässige Definition von „Schuld und Unschuld“ nicht allgemeingültig möglich und es wird nach wie vor besser und richtig sein, zwischen „Ursache und Wirkung“ zu unterscheiden.

In diesem Zusammenhang sollte der Begriff „Verantwortung“ an 1. Stelle einer Agenda stehen.

Cottbus, 11.03.2016 Volkmar Berger