Verlauf:

Dr. Joachim Saretz schrieb:

Blau-bärtiger/-blütiger Spaß im Theater
Mit der Premiere von Offenbachs "Ritter Blaubart" bringt das Staatstheater eine tolle Reminiszenz an Felsensteins legendärer Erfolgsinszenierung in der Komischen Oper auf die Bühne. Dabei gelingt Steffen Piontek mit seiner Inszenierung der Spagat zwischen Offenbachs geheimen großen Opernwunsch und einer zeitgemäßen, leicht parodistischen Operette ganz hervorragend, vor allem auch Dank der großartigen Leistungen aller Beteiligten. Bühnenbildner und die Kostümabteilung konnten mal so richtig aus dem Vollen schöpfen. Die Musik, von Ivo Hentschel gesteuert, kam leicht und locker aus dem Orchestergraben, ein Labsal gegenüber dem sonst leider oft doch sehr heftigen Getöse unter anderer musikalischer Leitung. Und die Solisten gaben durchweg ihr Bestes. Frau Constantins Einschätzung (siehe Lausitzer Rundschau vom 7. Nov.) über eine ihrer Meinung nach Fehlbesetzung der Hauptrollen kann ich in keiner Weise teilen. Selbstverständlich war entsprechend dem Grundanliegen der Inszenierung kein jugendlich strahlender Tenor in der Titelpartie zu erwarten, wohl auch nicht erwünscht. Wie Herr Wilde den alternden Möchtegerncasanova mit vollem Einsatz und dezenter Parodie darbot, war schon köstlich. Frau Fischers Boulotte war von einer erfrischend derben und spielfreudigen Komik, dass mit Sicherheit auch Walter Felsenstein seine Freude daran gehabt hätte. Besonders günstig empfand ich den stimmlichen Kontrast der erfahrenen Mezzostimme zum glockengleichen Sopran von Frau Lokaichuk als Fleurette. Und die beiden männlichen Strippenzieher dieses Abends waren mit den Herren Walter und Jäpel souverän besetzt.
Rundum ein gelungener Abend, lediglich zum Beginn des zweiten Aktes mit etwas Leerlauf. Hier wäre eine dramaturgische Straffung angebracht.
Viele Dank für diesen theatermäßigen Spaß. Eine musikalische Klamotte, wirklich theatermäßig mit viel Witz, Fantasie, Poesie und dezenter Parodie geboten.
Und Herr Schüler, sparen Sie sich teure Gäste für die beiden Hautpartien, die kaum passender sein könnten als Ihre hauseigenen Kräfte.