Verlauf:

Dr. Joachim Saretz schrieb:

Und zum Schluss hilft nur ein Wodka …

Am Sonnabend nun die mit Spannung erwartete Premiere des neuen Schauspieldirektors im Großen Haus – „Onkel Wanja“. Der Besucher wurde von einem opulenten Bühnenbild überrascht, welches doch eher an ein Fernsehstudio als an eine Theaterbühne erinnerte. Die Hoffnung, dass die mit einer Flügeltür und diversen Durchbrüchen versehene massive Wand als Bühnenvorhang dann mal in den Schnürboden gezogen würde, verflüchtete sich schnell. Ein Kommentator erklärte die Bedeutung der Wand. Also davor das ist „draußen“ und dahinter, das ist „drinnen“. Soweit erst mal klar. „Draußen“ regnete es dann auch mal und „drinnen“ schneite es, wieso eigentlich???
Offen blieb, was war da, wo die Ziegen waren. War das nun noch „drinnen“ oder doch noch weiter dahinter, also wieder „draußen“. Sei’s drum, von meinem Platz aus konnte ich dank der massiven Wand die Ziegen ohnehin nicht sehen und auch das Angebot , meinen Platz zu wechseln, brachte nichts!
Nachdem die Örtlichkeiten dermaßen geklärt waren, begann das eigentliche Schauspiel. Stimmen erklangen - hinter der Wand erst zögerlich, dann auch vor der Wand - verstärkt (vor allem auch digital, wir leben ja im modernen Zeitalter). In einem etwas undefinierbaren Pseudo-Russisch-Dialekt sprach Jeder mit Jedem oder auch mit sich Selbst, aber meist alle gleichzeitig. Das Ganze unterlegt mit ansprechender Pianomusik oder undefinierbaren elektronischen Klängen. Dies hatte den Vorteil, dass man sich als Zuschauer über den Text keine Gedanken machen musste. Er war wohl unbedeutend, so dass die Unverständlichkeit nicht weiter ins Gewicht fiel. Zumindest gab es schöne pantomimisch angelegte Einlagen durch die Schauspieler/-innen, die sich redlich Mühe gaben, keine Langeweile aufkommen zu lassen.
So ging es zwei Stunden weiter, erfreulicherweise mit einer Erholungspause für alle. Als Höhepunkt dann der Scheintod des Professors – untermalt durch Beethovens Mondscheinsonate.
Das Finale immer so weiter und so weiter und so …..
Ja, und dann waren da natürlich noch die Ziegen, also richtig in echt und so, nicht als Pappbühnendeko. Zumindest waren sie gut erzogen. Haben sich nicht mit meckernden Kommentaren in das Bühnengeschehen eingemischt. Vielleicht waren sie aber auch nur sprachlos, angesichts dessen, was sich da vor ihnen, also „drinnen“ und davor „draußen“ so abspielte.
Das war‘s nun mit der neuen Schauspielära, …. war‘s das??



Sehr geehrter Herr Dr. Saretz,
vielen Dank für Ihren Beitrag, dem ich entnehme, dass der Premierenabend für Sie leider keine Herausforderung zur Auseinandersetzung war. Es reichte nur für eine Glosse ...

Vielleicht stoßen Sie mit der ja genau das an, wozu Sie selbst keinen Anlass sehen: eine Debatte! Gern auch über die verwendeten künstlerischen Mittel! Wir werden diese Debatte ab 10.11. vor und nach jeder Vorstellung führen. Der Dramaturg Jan Kauenhowen, so oft wie möglich auch der Regisseur Jo Fabian und in jedem Fall die Schauspielerinnen und Schauspieler der Aufführung suchen das Gespräch mit dem Publikum. Das gehört zur "neuen Schauspielära". Ich würde mich freuen, wenn Sie dazu doch noch Lust und Zeit fänden - z.B. zum "Theatertag" am 10.11., gern aber auch bei jeder anderen Aufführung. Seien Sie unser Gast: in der Vorstellung und im Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd Seidel
Leiter PR/Marketing