Verlauf:

Wolff- R. Achenbach schrieb:

Hallo, habe das Stück zwar nicht gesehen, bin aber wegen der Titten genau Ihrer Meinung. In Bezug auf Oper habe ich außerhalb von Cottbus auch schon seit 20 Jahren ähnliche Meinungen geäußert, aber bisher nicht ein Theater gefunden, daß ein solche Plattform bietet, das spricht gegen Mief!! Und wo Streit, da auch Leben im Theater, das war immer so. Ein bißchen kann man sich auch freuen, provoziert zu werden. Ein bißchen. Und unterschätzen Sie nicht die Minderheit der Hinterseeer..... Liebe Grüße Ihr WRA

Jan Vesper schrieb:

Es ist bitter mitzuerleben, wie schnell sich Cottbus nach dem Filmfestival wieder in eine Kulturwüste verwandelt hat. Die Diskussion um die Pückler-Inszenierung am Staatstheater zeigt, wo diese Region wirklich angekommen ist und was sie mit Visionen und mutigen Interpretationen anzufangen weiß. Wer von diesen nun empörten, scheinheiligen, biederen, mittelmäßig gebildeten Zeitgenossen hat denn ernsthaft versucht Pückler zu verstehen, sich in ihn und seine Zeit hineinzuversetzen? Und was haben die alle von "ihrem" Staatstheater im Jubiläumsjahr erwartet? Ganz klar, eine nette, opulente Pückler-Operette mit Pyramide und Schloss im Bühnenbild. Dazu eine bunte Inszenierung, musikalisch hübsch untermalt, eine Art Aufklappbilderbogen mit dauergrinsenden Schauspielmarionetten. Ja, so war er unser grüner Gartenfürst! Natürlich nicht ganz, das ist schon klar. Doch ein dauergeiler Bock, der möglicherweise nicht mehr so konnte wie er wollte, einer, der sich mit einer exotischen Minderjährigen umgab, ein abgefahrener Freak eben, der mit seiner Zeit haderte, immer wieder auszubrechen versuchte, verzweifelt war und zugleich voller Hoffnung und Lebenslust, so einer war der Fürst zwar auch. Aber auf der Bühne unseres staatlich subventionierten Theaters will man so einen nicht sehen. Das sollte klar sein - in Cottbus! Recht so, holt den Intendanten und den Regisseur vor alle Ausschüsse dieser kulturliebenden Stadt und fordert das viele Steuergeld zurück von diesen Banausen. Lasst sie erklären, was nackte Titten mit unserem imageträchtigen Romantiker aus Branitz zu tun haben. Schickt den Schüler am besten gleich in die Wüste und lasst Hansi Hinterseer auf die Bühne im Großen Haus. Das tut zwar auch weh, allerdings nur einer mittlerweile zu vernachlässigenden Minderheit.
Jan Vesper, radioeins vom rbb