Verlauf:

Johann Klien schrieb:

Na, das sind sie doch, die Cottbuser Zipfelmützen! 4 Paar nackte Brüste, 8 nackte Arschbacken, 1 nackter schwangerer Bauch – schon wackeln sie empört mit den greisen Häuptern und finden, sie hätten Besseres verdient. Ja, was denn nur? Die Brüste waren doch schön. Auch die Backen waren es wert, gezeigt zu werden. Mehr von diesen Backen, mehr davon, hätten wir am Samstag rufen sollen, und ein paar Schwänze dazu. Schwänze fehlten nämlich; jetzt, im Rückblick, fällt es mir auf: Es war ein ganz und gar schwanzloser Abend. Kein Phallus weit und breit, nix von Fruchtbarkeit und Kraft, nur ein Graf in Unterhosen, welche er, wie später auch die Reithosen, einfach nicht runterkriegte. Da hat sich Kresnik wohl von der neusten Pückler-Forschung kirre machen lassen. Die meint entdeckt zu haben, dass der Fürst nicht konnte, wie er wollte. Herr Dr. Saretz, wissen Sie, dass damit alles in einem anderen Licht erscheint? Oder wissen Sie es nicht mehr? Stellen wir uns doch kurz vor, Kresnik habe sich auf den tollen Lausitzer nur deshalb eingelassen, weil er ahnt, was es heißt, nicht mehr zu können, wiewohl man doch ein Leben lang verkündet hat, dass man es kann. Und zwar nicht nur den Frauen (oder den Männern, wie auch immer) beischlafen, sondern auch dem Theater die Politik eintreiben. Und nun, irgendwie und irgendwarum, geht das nicht mehr, wie es bislang ging. Mittendrin ist man immer noch, in Osnabrück (das liegt im Westen) oder in Cottbus (im Osten), dennoch: Irgendwie und irgendwarum ist politisches Theater heute anders und was man selbst „beischlafen“ könnte – man(n) Kresnik zeugt dabei rein gar nichts mehr. Wie eben der Lausitzer Graf rein gar nichts zeugte, außer – Parks. In einem ökologischen Zeitalter sind sie Symbole und in der armen südbrandenburgischen Provinz Hoffnungsträger, eigentlich aber sind sie doch herrschaftlicher Firlefanz. Was sollte einer wie Kresnik daran sympathisch finden, worauf , Herr Saretz, haben Sie eigentlich gehofft?
Johann Klien

Dr. Joachim Saretz; Cottbus schrieb:

Pücklers Utopia - ein Ende auf der Müllhalde?
Am Sonnabend nun endlich die lang erwartete und mit unterschiedlichsten Begleitprogrammen vorbereitete Ehrung des Fürsten Pückler. Nach ausführlicher zu lang währender Würdigung des Jubilars im Rahmen eines Festaktes dann das mit Spannung erwartete Stück "Pücklers Utopia". Ein buntes Spektakel über das Lebenswerk des
Fürsten - laut und kreischend. Ein zweistündiger Parforceritt durch das bewegte Leben Pücklers, mit Satzfetzen, die wenig von Inspiration für Pücklers Träume preisgaben, dafür aber viel Unsinn und Unverständnis, leider auch in der textlichen Artikulation. Die schlussendlich in der Endzeitapokalypse mit dem Inferno von Pücklers Parkträume und dem Versinken im modernen Wohlstandsmüll endeten. Selbst der Versuch, das Publikum theatermäßig zu "veräppeln", mißlang dank der Verweigerung eines nicht namentlich genannten Ensemblemitgliedes auf vier Beinen. Aus der "Veräppelung" wurde doch eher "Dünnsch...", abschließend ja fachgerecht entsorgt auf der Müllhalde.
Pücklers Utopia? Armes Utopia, armer Pückler, armes Staatstheater mit seinem Publikum, armes Cottbus, Alle habt ihr besseres verdient.
Am Sonntag dann Spaziergang durch den im Sonnenllcht herbstlich glänzenden Pücklerpark.
Er war unbeschadet.
Trotz alledem!