Verlauf:

Dr. Joachim Saretz schrieb:

„Madame Pompadour“ als Karnevalsspektakel groß angekündigt begann nach diversen Vorspielen in versteckten und weniger versteckten Ecken des Großen Hauses auf der Bühne mit einem beschwingten Auftritt. Fantasievolle Kostümierungen und eine tolle Bühnenbildidee sorgten für die notwendige Karnevalsatmosphäre und die Musik erklang heiter und beschwingt, bei Bedarf sogar besinnlich aus dem Orchestergraben. Eine wohltuende Abwechslung, muss man doch in letzter Zeit des Öfteren musikalisches Getöse und Chaos bei anderer musikalischer Leitung über sich ergehen lassen. Ein großes Lob an Herrn Niemann, möge er noch möglichst viele musikdramatische Abende leiten. Die Solisten, allen voran Gesine Forberger und der Chor in bester Spiel- und Sangeslaune. Es hätte doch ein rundum gelungener Abend werden können.
Ist es leider nicht! Nach der Pause begann die P. doch erheblich zu lahmen (ich meine nicht die Sängerin). Musikalische Einfälle waren offenbar in der vorangegangenen Karnevalsnacht irgendwo verschüttet oder verloren gegangen, die Handlung trottelt so dahin. Eine Operette lebt von der Musik und wenn diese Mangelware ist, können auch beste Regieeinfälle kaum noch etwas retten. Als nach dem abrupten Abgang der Titelheldin, der doch eher einer Flucht (wovor bloß?) gleichkam, sich der Vorhang senkte und es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis sich die Mitwirkenden zum Schlussapplaus mit musikalischer Begleitung fanden, war auch im Publikum Erleichterung zu spüren, es überstanden zu haben. Blieb nur die Frage: Was machen wir denn nun jetzt mit dem angebrauchten Karnevalsabend?