Verlauf:

Arno Neumann schrieb:

Mir war klar, dass die Regie sich bei Händel etwas einfallen lassen muss, es sei denn, man versucht es à la Berliner Staatsoper in den achtziger Jahren mit einer historisch bis ins Detail peniblen, hoch ästhetischen Darbietung. Doch schon der Publikumszuspruch jetzt in Cottbus ließ Ungewohntes erwarten. Und so war es dann auch. Um es kurz zu machen: Es war ein Glücksfall, ein Musterbeispiel des Heranholens eines historischen Werkes in die Gegenwart, keine im Kostüm hängen bleibende Aktualisierung, sondern ein Aufschließen von der gesellschaftlichen wie menschlichen Substanz her. Da stimmte alles: Die äußere Schäbigkeit der Eingangssentenzen, der Rahmen, der die Handlung historisch erdete, Händels Zeit. Und dann der Kontrast, der schon die Hohlheit signalisierte, mit dem Konsumtempel, in dem die Verführung durch Alcina nur eine der Verführungen ist. Und plötzlich sieht, hört und fühlt man, welch menschlicher Wert, welche Tragik, welch pulsierendes Leben in dieser Zaubergeschichte steckt. Ich musste mir einige Male bewusst machen, dass ich Händel höre und nichts Gegenwärtiges!