Verlauf:

Helmut Harff schrieb:

Ich bin Großstädter, ich bin Berliner und ich bin Theaterfan. Da liegt es alles andere als nah, dass ich mich auf den Weg in ein Provinztheater mache. Da ist es auch unwichtig, dass sich das Haus Staatstheater nennt und wohl das schönste Jugendstiltheater des Landes ist. Wovon ich rede? Vom Staatstheater in Cottbus. Ja, das ist schon fast in Polen – zumindest für Ignoranten. Cottbus ist nicht unbedingt der Nabel der Welt, auch wenn die noch kreisfreie Stadt eine Uni beherbergt und einen wunderschönen Weihnachtsmarkt hat.

Doch all das zog mich nicht in die Lausitzmetropole. Mein Ziel war, wie schon gesagt, das Staatstheater. Dort läuft seit kurzer Zeit die Offenbach-Operette „Ritter Blaubart“. Da ich in jungen Jahren acht Jahre an der Komischen Oper als Requisiteur tätig war, kenne ich das Stück so gut, dass ich noch heute weite Passagen auswendig kann. Ich habe rund 200 Vorstellungen der legendären Blaubart-Inszenierung des ebenfalls legendären Gründers, Intendanten und Top-Regisseurs Prof. Walter Felsenstein hinter der Bühne miterleben dürfen. Nun kündigte das Cottbuser Staatstheater an, dieser Inszenierung neues Leben einzuhauchen und das Stück in seiner Fassung der Komischen Oper auf die Bretter der Provinzbühne zu bringen.

Ich machte mich also mit der besten Frau der Welt auf in die Provinz in das Theater. Ich war mehr als skeptisch und auf eine große Enttäuschung eingestellt. Um es gleich zu sagen: Die Enttäuschung blieb aus. Ich kam mir vor, als wenn ich im verkleinerten Zuschauerraum der Komischen Oper sitzen würde. Ich hätte wohl einfach hinter die Bühne gehen und meinen Job als Requisiteur machen können. Die Dekoration, aber auch die Kostüme schienen die von vor Jahrzehnten zu sein. Eine Chorsängerin erinnerte mich sogar an eine längst verflossene Liaison.

Und dann erst das Geschehen auf der Bühne – ich ziehe vor der Regie, dem Orchester, den Solisten, dem Chor und den Kleindarstellern meinen Hut. Auch wenn vielleicht nicht jeder Ton perfekt saß – das kenne ich auch noch aus meiner Berliner Theaterzeit – so war die Spielfreude wirklich ansteckend. Und ich konnte meine Textsicherheit überprüfen.

Eines ist klar, Prof. Felsenstein wird angesichts dieser Inszenierung in Cottbus ruhig in seinem Grab auf Hiddensee liegen oder er schaut voller Wohlwollen von einer Wolke auf das, was da in Cottbus passiert. An alle, die einst an der Komischen Oper den „Ritter Blaubart“ gesehen haben oder die Offenbachs Melodien lieben, eine Empfehlung: Reisen Sie nach Cottbus und besuchen Sie das Staatstheater.

Jetzt genieße ich erst einmal mein Frühstück. Die Musik Offenbachs wird mir noch lange im Kopf rumspuken. Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Gehen Sie mal wieder ins Theater.

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