Verlauf:

Bert schrieb:

Dem Dank schließe ich mich gern an. Die Lobhymne auf die aktuellen Bezügen scheint mir hingegen unangebracht. Zum Beispiel der erste Auftritt von Egmont: Für mich ist die Dandy- und Playboy-Nummer, die er da hinlegen muss, eine einzige Peinlichkeit. Man ahnt die Absicht und ist verstimmt. Völlig unglaubhaft wird dadurch (und kann im Weiteren für mich auch nicht glaubhafter gemacht werden) die Achtung, die Egmont im Volk genießt. Wenn es die aber nicht gibt, wenn die Bürger von Anfang an nur heucheln, sich selbst und ihren Führern nur etwas vorspielen oder wenn die Regie gerade das zeigen will, weil sie der Meinung ist, dass es glaubhafte charismatische Politiker ebensowenig gibt wie Bürger, die diese Politiker und ihre eigenen Überzeugungen verteidigen, dann braucht man nicht gerade „Egmont“ auf die Bühne zu bringen. – Insofern ist dieser „Egmont“ für mich eher ein Beitrag gegen alles, was sich zur Zeit in Stuttgart ereignet oder sich vor 20 Jahren in Ostdeutschland ereignete, Ausdruck eines intellektualistischen Skeptizismus, der dem Bürger, nur weil der ab und an schlafen muss, gleich das Rückrat herausoperiert. Bert

Frank Marowjak schrieb:

Wir möchten danke sagen für den gestrigen Abend (Egmont am 16.10.2010 – Anm. d. Adm.). Eine sehr schöne Ensembleleistung, bei der uns besonders Amadeus Gollner, Kai Börner, Kathrin Panzer und Roland Schroll gefallen haben. Ein Abend voller aktueller Bezüge, ohne das Goethe „auf den Kopf gehauen“ worden ist. Danke! Danke auch für die Gelegenheit, danach noch Regisseur Bernd Mottl und einigen der Darsteller begegnen zu können. Im Gespräch mit ihnen hat sich für uns vieles noch besser geklärt. Vor allem den Hinweis auf Stuttgart 21, den ein älterer Herr gleich anfangs in die Diskussion einwarf, finden wir sehr treffend. Wer ist der Souverän – die Auseinandersetzung zwischen Alba und Egmont, so wie sie von den beiden Schauspielern ausgetragen worden ist, stellt diese Frage sehr eindringlich für unsere Zeit. Egmonts Argumente sollten allen, die das Sagen zu haben glauben, als Pflichtlektüre vor Kabinetts- und Parlamentssitzungen verordnet werden.
Frank und Elfriede Marowjak, Berlin