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Was für ein Theater!

SCHILLERPLATZ 1 | 03046 COTTBUS

Eine architektonische Skulptur. Ein frei im Raum schwingendes Monument. Ein Tempel der Kunst, umrahmt von Grünanlagen und Brunnen. Ist das Jugendstil? Ist das Eklektizismus? In jedem Fall ist es genial. Und ganz der Architekt: Bernhard Sehring. 

 


DAS NEUE UND DAS GELD

Sehring (1855-1941) wuchs in Dessau auf, studierte in Braunschweig und an der Berliner Bauakademie, verbrachte zwei Jahre in Rom und Italien und baute unter anderem sechs Theater, von denen noch drei erhalten sind: das Theater des Westens (1895/96) in Berlin, das Stadttheater (1901/02) in Bielefeld und das Theater in Cottbus.

Sehring gehörte zu den Architekten, die man fragte, wenn man etwas Besonderes bauen wollte. 1905 beschloss der Magistrat in Cottbus den Bau eines Theaters am Viehmarkt, den er flugs in Schillerplatz umbenannte. Die Bausumme setzte man mit maximal 800.000 Mark fest. Natürlich wurde das Budget nicht eingehalten, weitere 109.000 Mark mussten bewilligt werden. Daraufhin wuchs der Bau planmäßig in die Höhe und konnte am 1. Oktober 1908 eingeweiht werden. Bald darauf merkte man, dass die Räume um die Bühne herum viel zu knapp bemessen waren. Man erteilte Sehring 1910 den Auftrag, hinter der Bühne ein quer liegendes Funktionsgebäude zu errichten, das er durch einen zweigeschossigen Verbindungsbau (1986 aufgestockt) mit dem Theater verband. Kostenpunkt: 120.000 Mark. So kostete das ganze Theater letztendlich nicht 800.000, sondern über 1 Million Mark - der Preis der Genialität.

 

EIN TEMPEL DER KUNST

Sehring war kein Jugendstil-Architekt - noch 1904 wandte er sich gegen „die Verrohung des Geschmacks und sezessionistische Ausartungen". Sein Prinzip war es, Stile verschiedener Zeiten in einem Gebäude aufeinander treffen zu lassen, und dazu konnte auch der Jugendstil gehören.

In Cottbus fällt der Stilkontrast vergleichsweise dezent aus. Die großen Linien des Gebäudes schwingen, innen wie außen, im Jugendstil - Cottbus wollte modern sein, und dies war der damals modernste Stil. Kommt man näher, bemerkt man manche Details, die mit diesem Stil kaum etwas zu tun haben, z.B. kleine Putten auf den Balkonen oder die Sandsteinquader des Erdgeschosses. Interessant ist das häufige Auftreten von Tieren: Löwen lagern als Skulpturen an den Auffahrten, unter den seitlich angebrachten Wandbrunnen und auf dem Dach; Widderköpfe finden sich als kupfergetriebene Reliefs; und auf zwei Säulen, die das Bühnenhaus flankieren, stehen Streitwagen, die von Panthern gezogen werden. Raubkatzen und Böcke sind Attribute des Gottes Dionysos, der auf einem der beiden Wagen steht; den anderen Wagen lenkt seine Gefährtin Ariadne. Dionysos ist nicht nur der Gott des Weines, aus seinen Festumzügen entwickelte sich einst das griechische Theater.

Der andere Schirmherr der Künste, der Gott Apoll, wird durch sein Attribut, die Lyra, repräsentiert, die sich immer wieder als Relief findet. Ägyptisch anmutende Obelisken flankieren die Eingänge und erzeugen zusammen mit den liegenden Löwen und der monumentalen Architektur den Eindruck, man bewege sich auf einen Tempel zu. Wem dieser (Dionysos-)Tempel gewidmet ist, steht hoch über dem Haupteingang zu lesen: „Der Deutschen Kunst".

Im Inneren findet sich die gleiche Mischung: Der Schwung des Jugendstils wird mit Elementen anderer Zeiten verbunden, das Neue mit dem Bekannten, das sich wechselseitig erhöht zu einem gesteigerten Lebensgefühl. Zu diesem Gefühl trägt auch die von Sehring konzipierte Beleuchtung bei: Eine Unmenge nur architektonisch eingefasster Glühbirnen strahlt wie ein Sternenhimmel von den Decken der Foyers und des Zuschauerraums.

Das Äußere ist mit dem Inneren durch wiederkehrende Motive verbunden. Wieder sind die Widderköpfe zu sehen, die Löwen liegen als vergoldete Flachreliefs über den Eingangstüren, und die Panthergespanne bekrönen nun die beiden Proszeniumslogen. In der Mitte des Bühnenportals ein Relief mit antiken Kriegern und Frauen an einem Altar, was erneut auf den Tempelcharakter verweist, sowie vergoldete Reliefs mit einer lachenden und einer weinenden Maske als Symbol von Komödie und Tragödie. Antike trifft Jugendstil, dazwischen lacht der eine oder andere barocke Putto, und trotzdem bildet diese Mischung ein harmonisches Ganzes. Das ist die Kunst des Architekten.

 

GESCHICHTE IM KREBSGANG

Das Wappentier der Stadt Cottbus ist der Krebs, und so ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass der Magistrat fast hundert Jahre brauchte, bis aus dem Gedanken, ein städtisches Theater zu bauen, endlich Realität wurde. Als das Theatergebäude 1908 in ganzer Pracht dastand, verpachtete es der Magistrat erst einmal an ständig wechselnde Direktoren, bis er nach weiteren zwanzig Jahren einsah, dass ein Stadttheater in die Obhut der Stadt gehört, und es vollsubventioniert in die Verwaltung eingliederte.

Den Zweiten Weltkrieg überlebte das Gebäude unversehrt, und das nicht nur aus Zufall, sondern auch dank eines mutigen Befehlsverweigerers. Im letzten Kriegsjahr war das Theater als Munitionslager genutzt worden, und dieses sollte gesprengt werden, als die sowjetischen Truppen näher rückten. Doch nachdem alle Zünddrähte gezogen worden waren, „vergaß" der zuständige Volkssturmmann, den Befehl auszuführen. So konnten die sowjetischen Truppen die Gefahr entschärfen und das Theater sofort wieder in Betrieb nehmen.

Der Betrieb wuchs, brauchte mehr Platz, und zudem musste das Gebäude nach jahrzehntelanger Nutzung endlich einmal aufgefrischt werden. Und wieder bewegte sich der Krebs vor und zurück, bevor das Richtige geschah. 1958, 1968, 1976 und 1979 wurden immer wieder entsprechende Beschlüsse gefasst, 1971/72 eine technische Überholung unternommen, doch die große Renovierung und Restaurierung fand erst von 1981 bis 1986 statt. Verlorenes wurde rekonstruiert, einschließlich der Möbel in den Foyers, das Vorhandene gesäubert und aufgefrischt und das nicht mehr Brauchbare, wie der Bühnenvorhang und die Bestuhlung, ersetzt. Zum Teil neu ist die gemalte, in Blei gefasste Fensterverglasung, die die ursprüngliche Opaleszenzverglasung imitiert. Neu sind auch die Treppen zwischen Foyer im ersten und dem zweiten Rang; die Buffets, die an ihrer Stelle im ersten Rang standen, wurden dafür in die runden Seitenräume verlegt. Und schließlich baute man eine ganz neue Bühnentechnik ein. Was noch zu tun übrig blieb, wurde in einer weiteren Kampagne 2006/07 getan; auch hierbei erhielt der Zuschauerraum wieder eine neue Bestuhlung. So fasst er heute 600 Zuschauer. Weitere Rekonstruktions- und Werterhaltungsmaßnahmen sind bis 2012 geplant.

1992 ernannte das Land Brandenburg das städtische Theater zum Staatstheater. Seit Juli 2004 ist das Staatstheater Cottbus mit den Brandenburgischen Kunstsammlungen (heute: Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus) vereint in der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus. Die rechtsfähige Stiftung erhält Zuwendungen vom Land Brandenburg und der Stadt Cottbus. - Womit gewährleistet ist, dass in diesem wunderbaren Haus weiterhin ein qualitätsvolles Programm und fast allabendlich Aufführungen zu erleben sind.
 

 

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors entnommen dem Buch „Historische Theater in Deutschland, Österreich 
    und der Schweiz“ von Carsten Jung, erschienen im Deutschen Kunstverlag, München 2010. 
    Das Buch ist in jeder guten Buchhandlung erhältlich
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