Chopin imaginaire

Ballettabend von Giorgio Madia
Musik von Frédéric Chopin
Uraufführung

Frédéric Chopin war ein Meister der kleinen Form. Seine Walzer, Etüden, Impromptus, Polonaisen oder Nocturnes sind Miniaturen, die auf engem Raum immensen musikalischen Reichtum entfalten, Stimmungen und Seelenbilder zeichnen - und immer staunen lassen. Aus diesem Kosmos wählt Giorgio Madia aus. Zwei Pianisten spielen die Stücke während der Vorstellung live. Damit nimmt Madia die Eigenheit Chopinschen Musizierens in seine Choreographie hinein. Denn Chopin war kein Tastenlöwe, der die Arenen seiner Zeit füllte. Er trat fast nur in Salons vor kleinem Publikum auf. Der intime Charakter seiner Musik korrespondierte mit dem Ort, an dem sie klingend entstand. Komponist und Hörer kannten sich oder lernten sich im Austausch kennen. Madia gibt jedem Werk eine eigene choreographische Entsprechung. Traumbilder entstehen, die in ihrer konkreten Abfolge einander auslöschen und doch präsent bleiben. So wie die im Moment erzeugten Klänge ihr Vergehen in sich tragen, ohne das sie gar nicht wären, und der Eindruck unauslöschlich bleibt, den Chopins Musik hinterlässt. Giorgio Madia, geboren in Mailand, debütierte an der Scala als Tänzer. Mit Maurice Béjart verband ihn eine jahrelange enge Zusammenarbeit als Solotänzer. 1988 ging er in die USA, wo er Solotänzer in Choreographien von George Balanchine, Merce Cunnigham, William Forsythe und vielen anderen war, ehe er mit Rudolf Nurejew eine dreijährige Welttournee unternahm. Eigene Choreographien entwickelt Madia seit 1995, viele wurden mit Preisen ausgezeichnet.

PREMIERE Samstag, 19. September 2009

Besetzung

ChoreographieGiorgio Madia
AusstattungCordelia Matthes
DramaturgieBernhard Lenort
Choreographische AssistenzDirk Neumann, AnnaLisa Canton, Adriana Mortelliti
 
TänzerinVenira Welijan, Jennifer Hebekerl, Denise Ruddock, Inmaculada Marín López
TänzerIstván Farkas, Aslanbek Kotsoev, Christian Schreier, Martin Zanotti
 
Am Klavier Christian Georgi und Jong-Eun Lee

Rezensionen

Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 22.09.02009

„Das am Sonnabend uraufgeführte Ballett ist das vielleicht beste, das in den letzten Jahren am Staatstheater entstand. [...] Madia hat sich sehr genau in die Etüden, Préludes, Bourrees und Walzer hineingehört, die Chopin zu einem der beliebtesten Klavierkomponisten machten. Der gebürtige Mailänder hat hinter den vordergründigen Wechseln von Romantik und Melancholie ironische, humorige, tieftraurige, verspielte, leuchtende Momente entdeckt. Das alles goss er in eine Choreografie, die zwischen Tanztheater, Varieté und klassischem Ballett changiert und dabei immer wieder neue, überraschende, sehr schöne Bilder kreiert. [...] Das Bühnenbild (Cordelia Matthes) mit seinen fünf schwarzen Türen, die später auf zwei reduziert werden, ist eine Metapher des Übergangs zwischen der realen und der Traumwelt."


Martin Stefke, Märkische Allgemeine, 22.09.2009

„Was er [Giorgio Madia, Anmerkung der Red.] hier jedoch - ausgehend von einer Auswahl aus Frédéric Chopins meisterlicher Klaviermusik - mit acht Tänzerinnen und Tänzern an Formen- und Bildsprache auf die Bühne des Großen Hauses zauberte, hat die Niederlausitz in dieser Form und Qualität noch nicht gesehen.
Brillante Ballettminiaturen sind zu erleben, kurze Stücke modernen Tanztheaters, die den Charakter und die Stimmung der heiter-perlenden bis dunkel-drohenden Tonkunst des Komponisten aufnehmen und sich poetisch und fantasievoll zu einem 90-minütigen Theaterereignis fügen. Damit stößt Madia, der lange mit Maurice Bejart und Rudolf Nurejew zusammengearbeitet und in den USA in Stücken so berühmter Choreographen wie George Balanchine, Merce Cunningham und William Forsythe getanzt hat, die Türen zum Verständnis des zeitgenössischen Tanzes weit auf."


Gabriele Gorgas, Lausitzer Rundschau, 22.09.2009

„Der international erfahrene Tänzer und Choreograf zwängt seine Darsteller keinesfalls in ein Korsett - er gibt ihnen Freiheiten, etwas zu wagen, verführt sie zu spielerischen Grenzüberschreitungen, forciert ihr Leistungsvermögen ohne angstvolle Überforderung. Das macht den neuen Ballettabend ‚Chopin imaginaire' absolut sehenswert und kurzweilig, offenbart, dass auch eine kleine Company entsprechend inspiriert sein kann, wenn sie denn nur will und es vermag. [...]
Keine Frage, die Premiere des neuen Ballettabends dürfte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein, denn die Zuschauer sind über anderthalb Stunden aktiv einbezogen in ein Geschehen, das immer wieder neue Seiten aufblättert in der Sichtweise des Choreografen auf die Klavierstücke des so erfolgreichen Komponisten. [...] Die Pianisten Jong-Eun Lee und Christian Georgi hatten das beachtliche Pensum der Werke gemeinsam zu bewältigen und überzeugten auch vierhändig. [...]
Gekonnt fächert Giorgio Madia ein breites Spektrum erzählerischer Möglichkeiten auf, spielt mit Irritationen und Geheimnissen, setzt auf Effekte."

Bildergalerie

Film

CHOPIN IMAGINAIRE Etude No. 10 Allegro con fuoco |  Giorgio Madia

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Meinungen

Ich kann Chopin Imaginaire nur weiterempfehlen. Es ist ein ganz tolles Stück, für jedes Alter. Super!