Frida Kahlo

Ein Tanzstück von Undine Werchau
Musik: cellorazade (Christoph Schenker, Sascha Werchau)
URAUFFÜHRUNG

Frida Kahlo ist wohl die berühmteste und bekannteste Künstlerin Lateinamerikas. Schon zu Lebzeiten eine Legende ist sie längst zum Mythos geworden. Die Faszination dieser Frau liegt neben ihren künstlerischen Werken vor allem in ihrem Wesen – ihrem kompromisslosen Drang nach Leben und Liebe, ihrer Sinnlichkeit, ihrem Optimismus, ihrer Lebensfreude, die sie sich trotz größter Qualen, bis zu ihrem Tod behielt. Wer war diese Frau, die nahezu jedes ihrer Gemälde als Bühne ihrer eigenen Wirklichkeit nutzte? Das gleichnamige Tanzstück rückt den Menschen Frida Kahlo in den Fokus und zeichnet die wichtigsten Stationen ihres bewegenden Lebens von der unbeschwerten Kindheit über ihre exzentrische Ehe mit dem Maler Diego Rivera bis zum seelischen und körperlichen Verfall nach.

PREMIERE Freitag, 19. September 2014

Präsentiert von

Besetzung

ChoreographieUndine Werchau
Bühne und KostümeHeike Mondschein
AnimationSven Rohloff
VideoStefanie Köhler
DramaturgieJacob Steinberg
Choreographische AssistenzDirk Neumann, Denise Ruddock
 
Frida KahloInmaculada Marín López
Diego RiveraRené Klötzer
Fridas Vater/Mexikaner/AmerikanerNiko Ilias König
Fridas Mutter/
Mexikanerin/Amerikanerin
Emily Downs
Fridas Schwester CristinaGreta Dato
TodDenise Ruddock
Alejandro/Mexikaner/AmerikanerJason Sabrou
Cristinas Mann/
Mexikaner/Amerikaner
Stefan Kulhawec

Rezensionen

Die deutsche Bühne online 22.9.2014

Die Kritik finden Sie hier.


Ute Grundmann, Die Deutsche Bühne, 22.9.2014

„Der Tod ist immer dabei. Als versehrte Puppe mit Totenschädel lagert er auf den Kuben des Bühnenbilds. Auf der Bühne ist er eine Frau in orangefarbenem Flatterkleid mit Maskengesicht (Denise Ruddock), der/die die Hauptfigur begleitet, umtanzt, beobachtet. Diese Hauptfigur ist die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907–1954), deren Leben zwischen Kunst, Liebe und Schmerz die Leipziger Choreografin Undine Werchau auf die Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus gebracht hat. […] Als Symbol der Leiden der Malerin (sie erkankte an Kinderlähmung, verunglückte schwer in einem Bus) hat Ausstatterin Heike Mondschein ein Bett auf die Szene gestellt, in dem Frida zunächst mit einer Freundin herumtollt, das aber später zur eindrucksvollen Leidensszene wird. Da knallen zwei Stufenpodeste mit den Tänzern knallend gegeneinander, die Malerin, zunächst wie gekreuzigt im Bett liegend, kämpft mühsam mit und gegen den eigenen Körper. Dazu erklingen nur rhythmische Schläge, während die (für die Choreographie entstandene) Musik des Leipziger Ensembles cellorazade sonst mal sehnsüchtige, mal aggressive, mal gestrichene, mal gezupfte Cello-Klänge einbringt, dazu Geräusche, eine sehnsuchtsvolle Männerstimme, Kindergesang, mexikanisch und deutsch vorgelesene Tagebuch-Texte ein. […] Ob sie nun mit intensiven Bewegungen und Blicken um Diego wirbt, ihm nach der Trennung mit weichen Bewegungen eine Frau in weiß zuführt oder in Amerika (zu Swing-Musik) trotzig mexikanische Rhythmen vertanzt – Inmaculada Marín López ist hin- und mitreißend. Und trotz des allgegenwärtigen Todes gibt es mit den zu Flamenco-Klängen tanzenden Paaren einen versöhnlich-optimistischen Schluss.“


Gabriele Gorgas, Lausitzer Rundschau, 22.9.2014

„Am Wochenende hat das Ballett vom Staatstheater Cottbus nun das Tanzstück ‚Frida Kahlo‘ als Uraufführung herausgebracht. […] Was erfreulich ist an dieser Inszenierung in der gut überschaubaren Kammerbühne – die Choreografin versucht gar nicht erst, das Malen an sich ins Bild zu setzen. Denn solches hat sich auf der Bühne erfahrungsgemäß noch nie glaubwürdig realisieren lassen. Und es gelingt dem Inszenierungsteam auch, das Stück nicht zu überladen mit einer Überfülle der so vielen Ereignisse im Leben und Schaffen dieser Frau. […] Und überhaupt lässt die Ausstattung von Heike Mondschein spürbar sparsam und mit funktionaler Sachlichkeit ausreichend Raum für das bewegte Erzählen, ist auch das begleitende Video von Stefanie Köhler (Animation: Sven Rohloff) eher behutsam eingesetzt. […] Das Publikum fühlt sich deutlich angesprochen. Da gibt es viele Assoziationen – man rätselt und erinnert sich, auch an Filmszenen, spürt die Präsenz der Tänzer. Und ebenso tragen die Klangbilder der Cellisten Christoph Schenker und Sascha Werchau (Ensemble cellorazade), die damit erstmals gemeinsam eine abendfüllende Musik für Tanztheater geschaffen haben, zur Wirkung der Aufführung bei. Besagte Intensität aber stellt sich vor allem dann ein, wenn Inmaculada Marin Lopéz als Frida Kahlo mit reduzierter, auf Wesentliches bezogener Körpersprache ins Spiel kommt. Wie bei jener Szene auf dem Bett, wo die Verletzungen von Körper und Seele sie zum Aufbäumen, zu einem stummen Schrei bringen. Einer der berührenden, magischen Momente der Aufführung.“


Stefan Amzoll, Neues Deutschland, 26./27.9.2014

„Und wiederum eine beachtliche künstlerische Leistung der Ballettsparte in Cottbus. Undine Werchau hat das Stück geschrieben, choreografisch ins Bild gesetzt und inszeniert. Eine junge Frau. Tanzpädagogin in Leipzig. Ihr Stück ist enorm gut anzusehen. Dauer: 90 Minuten. Die ganze Zeit über Anspannung. […] Denise Ruddock tanzt hoch differenziert diesen Tod, der mit dem roten Schleier umhüllt die Bühne betritt, noch bevor die Musik anhebt. Die Glanzrolle hat Inmaculada Marín López, eine Spanierin, Mitglied des Cottbuser Ensembles. An Farbigkeit der Bewegung, des synchronisierten Hineingleitens in die Bewegung der anderen, ihrem Schmerz in eckigen Gesten und Körper-, Hand-, Fußlagen Ausdruck gebend, unübertroffen. Jeder der acht Tänzer weiß sich in der Gruppe gleichberechtigt zu behaupten. Gruppentanz und Soli wechseln. […] Farben bilden die Strukturbausteine. Sie markieren Schicksalsstationen der Protagonistin. Deren Nöte muss hier nicht erzählt werden. Es gibt den mittelmäßigen Hollywoodstreifen »Frida« über sie. Dutzende Bildbände, Bücher, Poster etc. sind auf dem Markt. Die Vermarktung ist immer noch virulent. Wenn Undine Werchau eines nicht wollte und will, dann dieser Vermarktung noch eins drauf zu geben. Ihr Werk steht dem entgegen. Schon, weil es eine ungeheure Schönheit, eine unendliche Menschlichkeit hat. Und weil ihre Arbeit technisch hochstehend ist. Der ganze Bau ist flexibel gehalten. Es gibt ein Oben und Unten. Die stilisierten Häuser, Wand an Wand, mit Balkonen. Bett, Fridas Stätte, in der sie leidet und malt, Fläche, auf der sie sich quält. Die Tänzer haben flinke Beine und Hände. Das Bett rollt plötzlich, steht hoch auf, zeigt auf der Rückseite Bilder der Kahlo. Es wird hin und her geschoben, mal langsam, mal rasend, mal rotierend. Herrlicher Einfall. Ein Gefährt des Lebens und des Todes. […] Mit Hilfe ihrer Intelligenz und Collagefreudigkeit, ihres Sinns für die Szene und für das Musizieren mannigfacher Gefühlslagen konnte Undine Werchau fast ein Wunder auf die Bühne bringen.“


Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 26.9.2014

„Den atemlosen Raum der Kammerbühne füllen die eindringlichen Töne zweier Celli (Musik Christoph Schenker und Sascha Werchau) wenn Immaculada Marín López (Frida) im Eisenbett rückkehrendes Leben andeutet, annimmt, erringt, schließlich gewinnt und den Fuß zum Boden setzt. Erleichtert entspannt sich der Zuschauer. Sie lebt! Und wie sie lebt, diese Frau, die Schmerz bezwingt, ihre Gefühle kraftvoll in Farbe setzt, mexikanisch erdverbunden, die Wollust tauscht mit Mann und Weib und zärtlich liebt. Vier Paare tanzen Familie und Gefährten dieses bewegt-bewegenden Lebens. Choreografin Undine Werchau findet zündende Rhythmik, viel Eckiges, Unverhofftes. Und immer wieder weich ausschweifende Schleifen. Eine so faszinierende Frau, eine fremde Welt wächst dem Zuschauer ins Herz. Ein tänzerisches Wunder. Es tanzen Juan Bockamp als Kahlos Mann Diego Rivera, Denise Ruddock den immer nahen Tod, Greta Dato die Schwester der Malerin, jeweils in mehreren Rollen Venira Welijan, Nico Ilias König, Jason Sabrou und Stefan Kulhawec. Die Handlung bewegt sich auf zwei Etagen (Ausstattung Heike Mondschein) und bedient sich diverser technischer Effekte. Wie bringt Ballettdirektor Dirk Neumann nach zuletzt gar nationalem Lob solche Company zusammen!? Viel Beifall galt dem sauberen Teamwork.“

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