Herzschläge

Choreographien von AnnaLisa Canton, Undine Förster, Jennifer Hebekerl, 
Denise Ruddock, Michael Apel, Marek Ludwisiak, Dirk Neumann,
Oliver Preiß und Christian Schreier
Uraufführung

Noch nie war am Cottbuser Theater ein so breites Spektrum dessen, was Tanz heute sein kann, an einem Abend zu sehen. So unterschiedlich wie die Charaktere und Biographien der Choreographen sind die Handschriften und Mittel, mit denen sie ihre Beiträge gestalten, und so vielfältig ist die Musik, die sie dafür wählen. Zu erleben ist eine Reise durch Stile und Ausdrucksformen vom klassischen Ballett über Modern Dance und Folklore bis zum Hip-Hop, getanzt zu Musik von Komponisten und Interpreten wie Joe Hisaishi, Leonard Cohen, Claude Debussy, Apocalyptica, Ennio Morricone, Missy Elliot und Barbara Thalheim.

PREMIERE 30. April 2011, Kammerbühne

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Interview

 

Dirk Neumann, Leiter des Ballettensembles des Staatstheaters, bietet mit dem Tanzabend „Herzschläge“ Tänzern des Ensembles und Gästen Gelegenheit, eine eigene Choreographie zu erarbeiten. Für viele von ihnen ist es der erste „Seitenwechsel“.

Wessen Herzschläge hören die Besucher dieser Balletturaufführungen?
Sie hören die Herzschläge der Tänzer, die Herzschläge der Komponisten, die Herzschläge der Musiker. Und wir hoffen, dass wir so viel an Emotionen transportieren und hervorbringen können, dass sich die Herzfrequenzen unserer Zuschauer ebenfalls erhöhen.

Von 60 Schlägen pro Minute auf 160?
Wir wollen keinem Fitnessstudio Konkurrenz machen. Wenn wir das Publikum mitreißen können, freut uns das sehr. Doch ist
das mit den Herzschlägen natürlich im übertragenen Sinn gemeint.

Es geht um Furcht, Schrecken, Euphorie und Liebe?
Genau. Um Gefühle, wie jeder sie im Alltag erlebt, mal stärker ausgeprägt, mal als leichten Anflug, häufiger oder nur gelegentlich.

HERZSCHLÄGE ist ein ganz besonderes Ereignis. Sie zeigen zehn Choreographien von zehn Tänzern, die Hälfte von ihnen gehört dem Ballett des Staatstheaters an. Viele der Stücke haben den Reiz des ersten Versuchs. 
Mir schien es an der Zeit, den Tänzern Gelegenheit zu geben, ihre Kreativität zu zeigen und auszuprobieren. Als Tänzer setzt man in aller Regel die Ideen und Vorgaben der Choreographen um. Eigene Vorstellungen von Tanz und Bewegung bleiben dabei auf der Strecke, können nicht entwickelt oder überhaupt erst entdeckt werden. Es findet sich kein Ort, um Anliegen darzustellen, die einem selbst wichtig sind. Im engen Korsett von Proben und Aufführungen haben Tänzer im Allgemeinen weder Zeit noch Räumlichkeiten dafür, auch Ressourcen wie Kostüme bereiten große Schwierigkeiten. Ohnehin beinhaltet der Schritt hin zum Choreographen eine große Umstellung. Ich muss mir über meine Aussage klar werden, über die Mittel ihrer Darstellung. Und ich stelle mich einer Öffentlichkeit jenseits der Sicherheit, die mir das Bewusstsein meiner tänzerischen Fähigkeiten und Grenzen bietet.

Nicht alle Tänzer des Ensembles haben das Angebot angenommen.
Manche haben gesagt, dass sie zumindest im Moment nicht choreographieren wollen. So habe ich auch einige Gäste eingeladen, darunter Undine Förster, die schon oft bei uns getanzt hat; Sylvania Pen, unsere Carmen in „Leidenschaften“ oder Oliver Preiß vom Leipziger Ballett. AnnaLisa Canton hat von allen die meiste Erfahrung, denn sie choreographiert an unserer Bühne für Oper und Operette.

Wie kann man sich den Abend vorstellen?
Die einzelnen Stücke sind maximal 15 Minuten lang, es tanzen zwischen einem und neun Tänzern zu höchst unterschiedlicher Musik. Überwiegend ist moderner Tanz zu sehen, bis hin zum Hip-Hop.

Das Gespräch führte Bernhard Lenort.

Besetzung

Künstlerische Gesamtleitung
ChoreographieAnnaLisa Canton, Undine Förster, Jennifer Hebekerl, Denise Ruddock, Michael Apel, Marek Ludwisiak, Dirk Neumann, Oliver Preiß, Christian Schreier
Ausstattung
Die Ausstattung liegt in den Händen der Choreographen.
 
TänzerinSandrine Berset, Jennifer Hebekerl, Inmaculada Marín López, Denise Ruddock, Venira Welijan
TänzerIstván Farkas, Aslanbek Kotsoev, Marek Ludwisiak, Christian Schreier

Rezensionen

Gabriele Gorgas, Lausitzer Rundschau, 2.5.2011

„Etwas mehr Experimentierfreude wäre bei der liebenswerten, zuweilen aber auch recht braven Uraufführung ‚Herzschläge‘ zu wünschen gewesen. Doch letztlich ist allein schon dieser Schritt bemerkenswert, dass sich Tänzer in der eigenen Bewegungsfindung ausprobieren und gemeinsam mit erfahrenen Choreografen einen Abend bestreiten können. […] Es gibt in dieser Aufführung tatsächlich viele Spielarten von Tanz mit Show, Romantik, Sich-in-Szene-setzen und Gruppendynamik, mit Aufbegehren, Zweikämpfen oder Dreierkonstellationen. Manches dabei lässt auch Biss erahnen […]. Anderes aber bleibt […] eher nett und beliebig. Irgendwie verlangt der Schritt zur Choreografie nicht allein nur das, was man besonders gut kann und wie man sich oder andere gern präsentieren möchte. Wichtig ist die Herausforderung. Und dass die Körpersprache beredt und authentisch ist, jeder seine eigenen Themen und Möglichkeiten herausfindet, und diese auch zulässt. Wie beispielsweise in der kleinen, feinen Choreografie ‚Part II‘, die Oliver Preiß mit Christian Schreier und Julia Grunwald erarbeitet hat. Da ist alles in sich stimmig, spannungsvoll und frei von Schnörkeln. Die beiden tanzen mit schöner Klarheit, und es ergibt sich Markantes allein schon aus der Form, aus dem Innehalten, der Intensität, dem Gefühl für Zeit und Raum.“  

 

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Schade, dass es wegfällt. Hab mich so drauf gefreut.