Le Sacre du Printemps. Frühlingsweihe

Ein Ballett von Lars Scheibner und Jacob Steinberg
mit Musik von Igor Strawinski und einer Klanginstallation von Thomas Sander
URAUFFÜHRUNG

Igor Strawinskis „Le Sacre du Printemps“ zählt zu den spektakulärsten Musikwerken des 20. Jahrhunderts. Mit der Pariser Uraufführung 1913 begann eine neue Ära für Musik und Tanz. Die kompositorischen Strukturen treten in der Klavierfassung für vier Hände, die in der  Inszenierung  live zu hören sein wird, besonders in den Vordergrund. Strawinski wurde inspiriert vom russischen Frühling, der mit unvergleichlicher Wucht und Plötzlichkeit hervorbricht. Im „Sacre“ übertragen spannungsgeladene Rhythmen diese Dynamik auf die Bühne und in den Zuschauerraum. Der Berliner Choreograph Lars Scheibner und sein Team greifen den Gedanken des Neubeginns auf. Im Winter der Apokalypse erhalten einige wenige Menschen die Chance, die begangenen Fehler zu bereinigen und die untergegangene Welt neu zu erschaffen. Acht unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander. Sie erinnern sich ihrer Vergangenheit, teilen ihre Einzigartigkeit und verschmelzen zu einer Einheit. Das Ringen um die gemeinsame Zukunft beginnt!

PREMIERE Freitag, 27. September 2013

Besetzung

Choreographie und InszenierungLars Scheibner
Bühne und KostümeRobert Pflanz
DramaturgieJacob Steinberg
Choreographische AssistenzDirk Neumann, Denise Ruddock
 
TänzerinInmaculada Marín López, Denise Ruddock, Emily Downs
TänzerJuan Bockamp, , Stefan Kulhawec,
 
Am Klavier Saessak Shin und Christian Georgi

Rezensionen

Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 28.9.2013

„Hier [in Cottbus, d. Red.] choreografierte und inszenierte der in Leningrad geborene (also authentische) Lars Schreiber zusammen mit Jacob Steinberg (Dramaturgie) und Robert Pflanz (Bühne, Kostüme) eine kleine, völlig eigenständige Uraufführung für die Kammerbühne. Seine Apokalypse (dunkle Bühne voller Lumpen) stellt sich als Klanginstallation von Thomas Sander in Knarren, Rollen, Fiepen, Stöhnen, Heulen oder Säuseln dar, und Wesen um Wesen windet sich aus dem Chaos. Ein Koffer enthält Geld, das ohne Sinn bleibt an der Grenze zu Sein oder Nichtsein, aber darunter findet sich auch ein wundersames Leuchten, ein Modul, das Odem einhaucht. Die Tänzerinnen Jennifer Hebekerl, Immaculada Marin Lopez, Denise Ruddock und Vanina Welijan und die Tänzer Juan Bockamp, Isvan Farkas, Stefan Kulhawec und Jason Sabrou haben den Untergang überstanden. Schockstarr, verkrampft, eigentlich tot zwar, aber das Leuchten des Moduls und der Klang dieser Welt spenden ihnen Kraft. Der zunächst ungezügelte, dann immer heftigere und genial koordinierte Ausbruch dieser Kraft ist der Sinn des Stücks. Rasende, schlagende, ekstatische Bewegungen laufen mit unglaublicher Präzision und Beherrschung jeder Faser der Körper in Bilder und Szenen hinein, die, kaum erreicht, schon in neues Finden und Erfinden hinüber tasten, tanzen, rasen, wirbeln. Vier Hände spielen die treibende Musik dazu in einer aus Eisen genieteten Welt-Halbkugel: Christian Georgi und als Gast für diese Inszenierung Saessak Shin bearbeiten vierhändig und in hörbarer, aber kaum sichtbarer Meisterschaft den Flügel. Wohldurchdachte Lichtregie verhüllt oder erhellt mystische Szenen dieser Frühlingsweihe in erwachender Stimmung.“


Peter P. Pachl, neue musikzeitung online, 29.9.2013

„Eine laufende Text-Projektion auf einer Halbkugel verweist den Zuschauer auf die Traumebene und auf inhärente Deutungsmöglichkeiten. Der Winter der Originalhandlung wird zu einem Winter der Apokalypse, nach der acht Überlebende die Welt neu erschaffen wollen – ganz ohne Frühlingsopfer, aber auch ohne das Gelingen einer utopischen Idee. […] Die vom Stoff befreite Halbkugel erweist sich als ein metallischer Iglu-Käfig: er beherbergt den Flügel, auf dem Saessak Shin und Christian Georgi Strawinskys Komposition in der Fassung für zwei Pianisten exerzieren. Die Tänzer lauschen zunächst diesen Klängen, besteigen den Igluberg und versuchen vokal gegen die Obstruktion dieser stampfenden Klänge anzukämpfen, entwickeln dann aber aus der Musik doch die Idee und Kraft für eine neue Gemeinschaft. Die Rekonstruktion der vergessenen persönlichen Schicksale der acht Handlungsträger, welche die Choreographie erzählen will, bleibt unklar. Gleichwohl entsteht viel Raum für körpersprachliche Mittel des Tanztheaters.“


Stefan Amzoll, Neues Deutschland, 30.9.2013

„Es ist meine Welt, es ist unsere Welt, die untergegangen ist. Und es ist allemal eine neu zu erschaffende Welt. Bitter ernst und philosophisch ist, was dieses Ballett von Lars Schreiber und Jacob Steinberg zeigen will: Es geht um diese eine Welt in den apokalyptischen Fantasien oder Albträumen, aber nicht um den Untergang der objektiven, physikalischen Welt. Alles, was heranzogen wird, was den Menschen zur Orientierung gedient hat, was ihnen Hoffnung gab im Dunkeln, was sie aufschauen ließ zu ihren Idealen, alles scheint jetzt zerstört, nichts von alledem bietet mehr irgend einen Halt, im Gegenteil, es fällt zerstörerisch auf diejenigen, die einmal daran geglaubt haben, zurück. […] Kann das Experiment des Lebens auf jeder Stufe noch einmal neu beginnen? Es könnte. Dies die Botschaft des eindringlichen Balletts […] Acht getanzte Figuren haben ihre je eigene Charakteristik. Nacheinander betreten sie die Welt, während es um sie herum leise rauscht und pulsiert (Klanginstallation Thomas Sander). […] Alle acht Tänzer agierten bewundernswert auf der Höhe klassischen wie modernen Ausdrucks. Die beiden Pianisten musizierten selbst bei schwierigsten Rhythmen beherrscht und souverän. Das Ende verklammert die losen Bande der Acht wie auf einem Foto zu einem bitter ausschauenden Kollektiv zusammen, in dessen Antlitz die Angst wohnt, welche die heutige Epoche untrüglich bestimmt.“


Volkmar Draeger, Lausitzer Rundschau, 30.9.2013

„Wie hingebungsvoll sich die acht Cottbuser Tänzer den doppelten Wortsinns umkleideten „Sacre“ zu eigen machen, nötigt Respekt ab. Gut 75 pausenfreie Minuten lang halten sie unermüdlich die Spannung und haben in Juan Bockamp sowie dem körperplastischen Jason Sabrou starke Neuzugänge.“

Bildergalerie

Film

Staatstheater Cottbus: »Le Sacre du Printemps« (TRAILER)

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