Und der Haifisch, der hat Tränen

Ein Tanzstück von Sven Grützmacher
Uraufführung

Für den Titel dieses Tanzstücks hat nicht die Moritat von Mackie Messer aus Brechts „Dreigroschenoper“ Pate gestanden, sondern ein Song der Band „Rammstein“. Die Musik dieser Gruppe wird in der Inszenierung eine besondere Rolle spielen, gemeinsam mit Werken von Depeche Mode, John Zorn, dem Kronos Quartet, Laurie Anderson und anderen Komponisten. Sven Grützmacher zeichnet exemplarisch die Entwicklung eines jungen Mannes nach, der sich aus seiner Einsamkeit, dem Gefühl völliger innerer Isolation nicht anders als durch Gewalt befreien zu können glaubt. Die Ereignisse in Winnenden im März 2009 lieferten ihm den Anstoß für ein solches „tänzerisches Psychogramm“. Nicht das Massaker selbst, sondern der Werdegang des Amokläufers interessiert ihn: Victor ist ein Kind der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Widersprüche seines Elternhauses prägen ihn stark: die Fürsorge seiner Mutter, vor allem aber die seelischen Verletzungen, die ihm der Vater zufügt. Freundschaften und die erste große Liebe enden in Enttäuschungen. In den Umbrüchen der 80er und 90er Jahre verdichten sich Victors Ängste zur Existenzkrise, auf die er mit Gewaltphantasien reagiert. Schließlich greift er zur Waffe.

Der Choreograph Sven Grützmacher wurde in Berlin geboren und war ab 1984 Solist im Ballett der Komischen Oper. Seither tanzte und choreographierte er im In- und Ausland. Seit 2005 ist er Direktor des Tanz Theater Trier.

PREMIERE Samstag, 19. März 2011

Präsentiert von

Besetzung

Choreographie und BühneSven Grützmacher
KostümeÄ N N - atelier für WILDES DENKEN
Choreographische AssistenzDirk Neumann, Aslanbek Kotsoev
DramaturgieBernhard Lenort
 
TänzerinJennifer Hebekerl, Inmaculada Marín López, Denise Ruddock, Venira Welijan
TänzerGino Abet, István Farkas, Aslanbek Kotsoev, Marek Ludwisiak, Christian Schreier

Rezensionen

Martin Stefke, Märkische Allgemeine, 28.3.2011

„Victor, das ist ein sprechender Name. Victor, das heißt ‚Sieger‘. Am Ende seines Tanzstückes ‚Und der Haifisch, der hat Tränen‘, das der Choreograf und Direktor des Tanztheaters Trier, Sven Grützmacher, in Cottbus selbst zur Uraufführung gebracht hat, steht der gleichnamige Protagonist jedoch im Regen. Aus dem Himmel der Kammerbühne rauscht dieser minutenlang auf Victor (Christian Schreier) nieder. Dann bricht der Tänzer zusammen und rollt sich auf dem nassen Tanzboden ein wie ein Embryo. […] Christian Schreier tanzt seine Partie eindrucksvoll wandlungsreich und mit enormem Körpereinsatz.“


Volkmar Draeger, Neues Deutschland, 28.3.2011

„Treffend ist die Musik von John Zorn und Depeche Mode bis zum Kronos Quartet, die Grützmacher seiner Bilderfolge unterlegt, auch um ein junges Publikum zu aktivieren. Dem und allen anderen bietet er 70 Minuten lang einen dichten Flor bis ins Akrobatische virtuoser Bewegung, die in ihrer Plastizität, Präzision, Gestik stets der Aussage dient. Kaum je reißt die Spannung ab, die durch dynamische Wechsel zwischen rasantem Tempo und Zeitlupe zusätzlich gewinnt. […] Dass die Compagnie in dem jungen Christian Schreier einen bravourös auftrumpfenden Victor stellen kann, spricht für das wachsende Format des einzigen dem Land Brandenburg verbliebenen Balletts.“


Christiane Freitag, Blicklicht, 04/2011

„Angeregt durch den Amoklauf von Winnenden und die (Lebens-)Geschichte dahinter, zeigt das Tanzstück den inneren und schließlich nach außen dringenden Kampf Victors, der es immer wieder mit Identitäts- und anderen Krisen zu tun hat: […] Sven Grützmacher hat sich damit eines schwierigen und brisanten Themas angenommen und ein Stück geschaffen, das sowohl Interpretationsspielraum offen und Fragen entstehen lässt, aber gleichzeitig eine unglaublich nahegehende Emotionalität auf der Bühne erzeugt. […] Das gesamte Tanzensemble macht mit viel Feingefühl und Können dieses Stück zu einer großartigen Darbietung. Jede Pose, jeder Schritt sitzt und passt und strotzt geradezu vor tänzerischer Stärke […] Wer getanztes Leben sehen will, in dem Rammstein und Ballett eine Liaison eingehen: Es lohnt sich mal wieder ins Theater zu gehen.“


Gabriele Gorgas, Lausitzer Rundschau, 21.3.2011

„Es ist eine höchst komplizierte Aufgabe, und das nicht minder auch im Tanz, auf der Bühne eine Geschichte erzählen zu wollen, wie ein Jugendlicher, ein junger Mann der Faszination von Gewalt erliegt. […] Der Tänzer und Choreograf Sven Grützmacher, seit 2005 Direktor vom Tanz Theater Trier, hat es trotz alledem gewagt, und das mit dem kleinen, feinen, von Dirk Neumann am Staatstheater Cottbus geleiteten Ensemble, ein Tanzstück zu dieser Thematik in der Kammerbühne herauszubringen. Was ganz offenbar den Nerv des Publikums trifft – mit Bravorufen und viel Applaus feiern […] die Zuschauer diese Uraufführung.“

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