3. Philharmonisches Konzert

DARIUS MILHAUD (1892-1974)
Suite Provençale op. 152b

TIMO ANDRES (*1985)
The Blind Banister, Konzert für Klavier und Kammerorchester

DARIUS MILHAUD
Kentuckiana op. 287

STEFFEN WICK (*1981)
Autobiography
Auftragswerk des Staatstheaters Cottbus und der

Uraufführung
In Zusammenarbeit mit

DARIUS MILHAUD
Saudades do Brasil op. 67b

Die drei Werke von Darius Milhaud repräsentieren jeweils Lebenswelten und künstlerische Bezugspunkte des Komponisten. Aufgewachsen in Aix-en-Provence, lebte er 1917/18 in Brasilien und von 1940 bis 1947 in Oakland (Kalifornien). Milhaud kultivierte die in der französischen Tradition häufig anzutreffende Vorstellung des Komponisten als eines Handwerkers im Gegensatz zur Idee des künstlerischen Genies. Er ist hauptsächlich im Zusammenhang mit der „Groupe de Six“ bekannt. Die Suite Provençale entstand 1936. In diesem neoklassizistischen Werk sind zahlreiche Anklänge an Bourrees, Menuette, auch an mittelalterliche Musik zu vernehmen. Für „Kentuckiana“ aus dem Jahr 1948 wählte Milhaud zwanzig Melodien aus dem Gebiet um die Stadt Louisville aus. Saudades do Brasil (Heimweh nach Brasilien) betitelte Milhaud eine zwölfteilige Suite (1917/18). Jeder der Tänze basiert auf einem Samba- oder Tangorhythmus und ist benannt nach einem Viertel beziehungsweise einer Landmarke von Rio de Janeiro oder einer anderen brasilianischen Stadt.

„The Blind Banister“ ist bereits das dritte Klavierkonzert von Timo Andres, der im 3. Philharmonischen Konzert mit dem C.F. Holtmann-Stipendium* ausgezeichnet wird. Das Werk ist ein gutes Beispiel für die Wechselwirkung von Interpretation und Neuschöpfung bei Andres. Er entwickelte es aus der Beschäftigung mit Beethovens zweitem Klavierkonzert. In seinen Worten: „Ich fing an, eine eigene Kadenz zu Beethovens Konzert zu schreiben und verschlang es schließlich von innen nach außen.“

Zu seinem Auftragswerk mit dem Titel „Autobiography" notierte der Komponist Steffen Wick:
„Vermeintlich unbedeutende Momente erscheinen seltsam gedehnt, vormals wichtig geglaubte Stationen fliegen wie im Zeitraffer vorüber. Längst Vergessenes taucht auf und zentrale menschliche Begegnungen ziehen am inneren Auge vorbei. „Autobiography" beschreibt die Lebensgeschichte eines Menschen im Moment der Verdichtung seines Empfindens und Erinnerns: einer Nahtoderfahrung, nach einem schweren Unfall, Sekunden vor einem fatalen Ereignis. Zeit als eindeutig gerichtete, unumkehrbare Konstante wird aufgehoben durch ein gleichzeitiges Erleben von Vergangenheit und Gegenwart. Im Bewusstseinsstrom des Augenblicks durchdringen sich alle Eindrücke und formen sich zur Quintessenz eines ganzen Lebens. Ein sekundenschneller Gedankenblitz gedehnt zur Unendlichkeit."

Timo Andres – Klavier (Gefördert durch ein C.F. Holtmann-Stipendium*)
Philharmonisches Orchester
Dirigent: GMD Evan Alexis Christ

*Das C.F. Holtmann-Stipendium wurde von Dorethee Hennings-Holtmann in Erinnerung an ihren Mann Claus-Friedrich Holtmann gestiftet. Im Sinne des
Kenners und Liebhabers klassischer amerikanischer Musik soll es junge amerikanische und deutsche Musiker bei der Ausbildung ihrer Talente unterstützen.


Freitag, 17. November 2017 & Sonntag, 19. November 2017 | Großes Haus

►Das Konzert wird am 17. November 2017 live vom Deutschlandfunk Kultur übertragen.

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