Anatevka (Fiddler On The Roof)

basierend auf den Geschichten von Sholem Aleichem
mit ausdrücklicher Genehmigung von Arnold Perl
Buch von Joseph Stein
Musik von Jerry Bock
Gesangstexte von Sheldon Harnick
Deutsch von Rolf Merz und Gerhard Hagen

Es ist die spannende Mischung aus Tradition und Neu­anfang, Existenzkampf und Lebenslust, jiddischem Humor und anrührender Tragik, die ANATEVKA zu einem Klassiker des Repertoires macht. Während der deutsche Name des Musicals auf den Schauplatz der Handlung verweist, bezieht sich der Ori­ginaltitel („Fiddler On The Roof“) auf ein Gemälde Marc Chagalls. Der Geiger auf dem Dach ist eine Metapher für den Überlebenswillen unter widrigsten Umständen. In Anatevka, einer Gemeinde in Osteuropa, lebt der Milchhändler Tevje mit seiner Familie in bescheidenen Verhältnissen. Über seine Lage führt er ebenso fromme wie aufmüpfige Zwiegespräche mit Gott. „Wenn ich einmal reich wär“ ist zu einem Hit und Evergreen geworden. Im jüdischen Wohnviertel, dem Schtetl, wird die Tradition hoch gehalten. So beauftragt Tevje eine Heiratsvermittlerin mit der Suche nach Ehe­män­nern für seine fünf Töchter. Doch die haben längst Ent­schei­dungen getroffen und wollen über ihre Zukunft selbst bestimmen. Zeitel, die Älteste, ist mit dem Schneider Mottel Kamzoil verlobt. Und Hodel liebt heimlich den Studenten Pertschik. Tevje ist ratlos: Soll er auf den bewährten Traditionen beharren oder den Bitten seiner Töchter nachgeben? Wäh­rend er bei zweien seiner Töchter traditionelle Hürden zu überspringen vermag, geht ihm der Heirats­wunsch der dritten entschieden zu weit: Chava liebt nämlich den Christen Fedja. Während Tevje noch über diese Fragen nachdenkt, greift die große Politik in das Leben im Schtetl ein. Alle Juden müssen Ana­tevka innerhalb von drei Tagen verlassen. Wieder heißt es einen Ort zu finden, an dem sie bleiben können, in prekärer Lage unaufhörlich um ihre kultu­relle, materielle und körperliche Existenz ringend, am Abgrund wie der Fied­ler auf dem Dach.

Die Inszenierung wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Sparkasse Spree-Neiße,
langjähriger Freund und Förderer des Staatstheaters Cottbus.

PREMIERE Samstag, 17. März 2012

Besetzung

Musikalische LeitungMarc Niemann
Regie und ChoreographieGiorgio Madia
BühneCordelia Matthes
KostümeNicole Lorenz
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieBernhard Lenort
Musikalische AssistenzFrank Bernard, Irene Berlin, Christian Georgi, Andreas Simon, Peter Wingrich
Regieassistenz und Choreographische AssistenzAnnaLisa Canton
ChorassistenzIrene Berlin
 
TevjeKS Jürgen Trekel,
Golde
ZeitelDebra Stanley
HodelMarlene Lichtenberg
ChavaLaura Maria Hänsel
ShrintzeMitglieder des Kinder- und Jugendchores
BielkeMitglieder des Kinder- und Jugendchores
JenteCarola Fischer
MottelHardy Brachmann
SchandelGesine Forberger
PerchikRoland Schroll
Lazar Wolf
MotschachThorsten Coers
RabbiThomas Pöschel
MendelIngo Witzke
AwramDirk Kleinke
NachumMatthias Bleidorn
Oma ZeitelGabriele Lohmar, Christina Teubel
Fruma SaraGesine Forberger
JusselAndreas Jäpel, Ingolf Czerny
WachtmeisterBerndt Stichler
FedjaKai Börner
SaschaMartin Eitner
Ein RusseJens Klaus Wilde, Pawel Piekut
FiedlerFlorian Mayer
 
Damen und Herren des Opernchores
Damen und Herren des Extrachores
Damen und Herren des Ballettensembles
 
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 19.3.2012

„Als spartenübergreifende Produktion des Staatstheaters Cottbus hatte am vergangenen Sonnabend das Musical ‚Anatevka‘ seine gefeierte Premiere. […] Den von Scholem Alejchem besungenen Fiedler Stempenju hatte das Cottbuser Theater mit dem schlechthin umwerfenden Dresdner violinistischen Alleskönner Florian Mayer besetzt. […] Gratulation zum Engagement dieses Künstlers für den Cottbuser ‚Fiedler auf dem Dach‘, er bescherte Theatermomente der seltenen transzendierenden Art. Regisseur und Choreograf Giorgio Madia [schlug, d.Red] leuchtende theatralische Funken […], wo immer es ging. Er ließ Gesine Forberger als Urahnin am Himmel fliegen und singen, als wäre sie Königin der Nacht und Hexe in einer Person. Er machte, dass Tänzer mit Flaschen auf dem Kopf aussahen, als seien sie den skurrilen Fantasien eines Hieronymos Bosch entstiegen, er setzte Jens Klaus Wilde mit einem einzigen Tenorton in Szene, als würde gleich jene legendäre ‚Kalinka‘ folgen, wie man sie vor fast 70 Jahren auf dem Berliner Gendarmenmarkt gehört haben mag. […] Dass Trekel [Kammersänger Jürgen Trekel als Tevje, d. Red.] Sänger ist und nicht Schauspieler gab seinen Szenen musikalische Genauigkeit. Golde, die Frau an seiner Seite, Schauspielerin Heidrun Bartholomäus, war eine wortgewaltige Mutter Courage aus dem jüdischen Dorf. Die Mischung zwischen Sängern und Schauspielern im Kosmos der vielen weiteren Rollen stimmte sehr genau. Der Chor und die Solisten brachten unter Marc Niemanns musikalischer Leitung einen satten Gesamtklang über die Rampe.


Matthias Käther, Kulturradio vom rbb, 19.3.2012

„Giorgio Madia war eine glückliche Wahl des Hauses für diesen Stoff, denn Madia ist Ballettchoreograph. Das brachte zwei Vorteile mit sich: Zum einen war hier Tanzchoreographie und Regie in einer Hand, dadurch wirkte das Stück sehr homogen. […] Madia hat sich von Cordelia Matthes einige offene, betont schiefe Hütten auf die Mitte einer Drehbühne bauen lassen – ärmlich, aber doch wie aus dem Kinderbaukasten, lustig und lebensbejahend. Und wirklich reicht dieses Arsenal völlig aus, um die Geschichte ohne Stockung abschnurren zu lassen. […] Gesungen wurde sehr gut. Und nicht nur das, auch gut gespielt – hier zeigt sich wieder einmal, wie exzellent Musiktheater sein kann, wenn wirklich Sänger und Schauspieler an einem Haus zusammenarbeiten wie am Staatstheater Cottbus. Star des Abends ist ganz klar Kammersänger Jürgen Trekel als Tevje, der fast ununterbrochen auf der Bühne präsent ist. Ein Über-Milchmann gewissermaßen, gewichtig, humorvoll, mit allen Fäden in der Hand und auch schauspielerisch fulminant. Bei allen anderen ist es schwer, sie herauszuheben, weil dies eben eine wirkliche Ensembleleistung war. […] Das Philharmonische Orchester unter Marc Niemann zeigte ein erstaunliches Spektrum an Facetten – diskrete Begleitung in den Melodramen – orgiastisches Auftrumpfen in den Hochzeits- und Traumsequenzen. An dieser Stelle ab ein besonderes Kompliment an den Opernchor des Hauses: Ich liebe diesen Chor. Gut gestimmt, lebhaft, witzig – so wie man sich einen Chor wünscht. Auch hier in diesem Stück ist er absolut umwerfend in jeder einzelnen Nummer, an der er beteiligt ist.“


Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 14.4.2012

„Familie heißt bekanntlich das Überthema der Spielzeit, und in intim Familiäres dringt die Lesart des Regisseurs und Choreografen Giorgio Madia tief ein. Der Gast hat das Ballett ohne jeden Bruch ins Spiel eingebaut, hat die Herrn stark in Szene gesetzt und auch sonst das Bewegen in den Räumen nie dem Zufall überlassen. Als könne man dieses Dorf in zwei hohlen Händen fassen, so kuschelt es sich auf die Drehscheibe und bietet eng verbundene Spielräume (Bühne Cordelia Matthes). Alles deckt warme Grautöne, auch die Menschen (Kostüme Nicole Lorenz), wodurch ihr Reden und Handeln farbig, warm und zutraulich schillert. […] KS Jürgen Trekel a.G. überzeugt in disziplinierter Zurückhaltung schnörkellos und klar als Milchmann, an seiner Seite ist Heidrun Bartholomäus spielgewaltig die starke Frau. Ihre markige Chansonstimmlage hebt sie heraus aus der Männerwelt. Hier führt die Besetzung zu ganz eigener Art und Qualität. Eine schöne Ensembleleistung, viele Einfälle, alles prächtig erzählt, musikalisch von Marc Niemann sauber geführt. Wir erlebten das Stück im laufenden Repertoire. Das Haus war bis ans Dach vollbesetzt und begeistert. Großes Bravo!“

Bildergalerie

Film

ANATEVKA  (FIDDLER ON THE ROOF)

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Meinungen

Habe die Aufführung am 09.03.13 im Hans-Otto-Theater Potsdam gesehen, das Cottbuser Staatstheater hatte dort ein Gastspiel. Ich war überwältigt von der Aufführung, besonders von den Darstellern, die sehr überzeugend gespielt …