Francesco

Ein sinfonisches Bildertheater von Jo Fabian
Musik von Henryk Mikołaj Górecki, Gavin Bryars und John Debney 
URAUFFÜHRUNG

Er war einer der ersten „Aussteiger“ aus dem frühkapitalistischen System: Giovanni Bernardone, genannt Francesco, der aus Assisi stammende Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Als Jugendlicher träumte Francesco noch davon, Ritter zu werden, doch nach ersten Kriegserfahrungen und langer Gefangenschaft zog sich der junge Mann aus seinem bisherigen, privilegierten Leben in die Einsamkeit zurück – er hatte Stimmen vernommen, die seinen Lebensweg als wohlhabender Lebemann mit sicherer Zukunft infrage gestellt hatten – und wartete auf weitere Zeichen, die ihm seinen neuen Weg weisen sollten. Im Jahr 1206 kam es in Assisi zu einem spektakulären Gerichtsprozess gegen Francesco, bei dem er sich öffentlich von seinem leiblichen Vater lossagte und sich einzig zu seinem Vater im Himmel bekannte.

Von nun an führte Francesco freiwillig ein Leben am Rande der Gesellschaft. Er lebte besitzlos in selbst gewählter Armut, überwand seine Abscheu und suchte gezielt die Nähe der Aussätzigen, denen ein Leben in der städtischen Gemeinschaft verwehrt war, deren Nähe er von nun an als „Süßigkeit“ empfand. Francesco gründete mit seinen Anhängern die schnell wachsende Gemeinschaft der „Minderbrüder“ und lebte mit ihnen in strenger Nachfolge der Apostel Jesu. Wie Jesus Christus wollte er allein durch sein Beispiel wirken. Bereits 1209 legitimierte Papst Innozenz lll. die Lebensweise Francescos mündlich. 1228, zwei Jahre nach seinem Tod in Assisi, wurde Francesco heiliggesprochen.

Regisseur Jo Fabian, der zuletzt in Cottbus Philip Glass‘ Kammeroper DER FALL DES HAUSES USHER inszenierte, verbindet auch in seiner neuen Arbeit autonome Elemente der Darstellenden und der Bildenden Kunst mit choreografischen Elementen, Sound- und Lichtdesign zu einem faszinierenden Gesamtkunstwerk. Getragen von der melodiös-kontemplativen Musik der berühmten 3. Sinfonie (der so genannten „Sinfonie der Klagelieder“) des polnischen Minimalisten Henryk Mikołaj Górecki sowie Kompositionen des Engländers Gavin Bryars und des Hollywood-Komponisten John Debney wird der Mensch Francesco und seine konsequente Lebenshaltung in lebenden Bildern von großer, suggestiver Kraft zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Reflexion darüber, was wir wirklich zum Leben brauchen.

 Das Programmheft zu FRANCESCO finden Sie nebenstehend als Download.
    Das Programmheft kann bei/vor der Vorstellung in gedruckter Form käuflich erworben werden. 

PREMIERE Samstag, 19. September 2015

 

  

In Kooperation mit der Europäischen Filmphilharmonie Berlin


Präsentiert von

Besetzung

Regie, Bühne und VideoJo Fabian
Musikalische LeitungEvan Christ
KostümePascale Arndtz
ChoreografieJo Fabian, Annegret Thiemann
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieJan Kauenhowen, Sophia Lungwitz
 
ProduktionsassistenzHauke Tesch
RegieassistenzImmanuel Bartz, Maria Bock
BühnenbildassistenzHans-Holger Schmidt
KostümbetreuungSophie Spindler, Nicole Lorenz
 
Mutter/MariaDebra Stanley
KlaraAriadne Pabst
FrancescoMichael von Bennigsen
Vater/PapstRolf-Jürgen Gebert
Freunde FrancescosKai Börner, Gunnar Golkowski, Amadeus Gollner, Boris Schwiebert
 
Zwei TurnerStatisterie
 
Damen und Herren des Ballettensembles des Staatstheaters Cottbus
Damen und Herren des Opernchores des Staatstheaters Cottbus
 
Es spielt das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus.

Rezensionen

Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 21.9.2015

„Strahlend reines Licht, die Renaissance-Kostüme der Darsteller erstrahlen in klaren Farben, jede Figur hebt sich mit genauen Konturen von ihrem Hintergrund ab. Hell-Dunkel-Effekte erzeugen optische Spannung. Jo Fabians ‚sinfonisches Bildertheater‘ erscheint den Zuschauern als altmeisterliches Gemälde. […] Mit Vogelzwitschern, Muhen und Bähen wurde die Achtung des Franziskus vor jeglicher Kreatur verdeutlicht, seine Demut mit der Pflege von Aussätzigen. Mit ausdrucksstarker Geste klaubt Franziskus, eindringlich Michael von Bennigsen, eine Laus vom Kopf eines Mitbruders und setzt sie in sein eigenes Haar: ein starkes Sinnbild für Franziskus' Weg. […] Auch Henryk Góreckis 3. Sinfonie, die Jo Fabians Bilderwelt genial erhöht und transzendiert, ist von undurchdringlicher Hermetik. Der erste Satz baut sich von einem langsam schreitenden, choralartigen Thema, das die Kontrabässe vorgeben, kanonisch bis zum hellen Violinklang auf. Darüber singt der Sopran eine Marienklage. […] Im zweiten und dritten Satz, ebenfalls langsame Klagegesänge, kreist Goreckis enorm eindringliche, fast übermäßig ‚schöne‘ Musik genauso undurchlässig rauschhaft in sich selbst, die Gesangsverse indes gewinnen an Innigkeit.“


Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 21.9.2015

„Zum Leben, wie Franziskus es versteht, braucht es aber […] eine höhere Idee, eine Vision – in seinem Fall ist es der Glaube. […] Selbstbezogenheit, ein Ich ohne Empathie fürs Du, erscheint hier als Wiege des Untergangs. Fabian erzählt das mit einem wie in Zeitlupe entschleunigten, manchmal ganz eingefrorenen sinfonischen Bildertheater. Es wird mehr dargestellt, als gespielt und nie gesprochen. Die Bühne verwandelt sich dank der Kostüme von Pascale Arndtz zu einem Renaissancegemälde mit lebenden Figuren. Dazu diese minimalistischen, seriellen Kompositionen. Das hat in der Summe etwas Sphärisches, sehr Kontemplatives und fühlt sich ein bisschen an wie Lars von Triers Film ‚Melancholia‘. Die Wirkung entsteht wie im Film durch die Melange von Bild und Musik. Fabian hat dafür Kompositionen von Henryk Mikołay Górecki, Gavin Bryars und John Debney benutzt. Evan Christ verlangt dem Orchester sehr viel Einfühlung ab. Mal ist die Musik auf ein paar Kontrabässe reduziert, dann zerreißt ein Trommelkonzert die meditative Atmosphäre. Und dazwischen der anrührende Gesang von Debra Stanley, vorgetragen wie ein gesungenes Gebet. Klingt kitschig und zu sehr nach Kloster? Egal, ‚Franceso‘ ist etwas höchst Außergewöhnliches. Und etwas, dass das Gemüt bewegt.“


Ute Grundmann, Deutsche Bühne online, 20.9.2015

„Das wirkt mal wie Meditationstheater – wenn Francesco minutenlang in Stille und Stillstand verharrt. Dann wieder werden die Zuschauer mit Emotionen überrollt und überrumpelt. Das liegt vor allem an der Musik des polnischen Komponisten Henryk Mikolay Górecki, die diesen ersten Teil prägt. Es ist seine ‚Sinfonie der Klagelieder‘ von 1976, die vor allem als breiter, weicher Streicherteppich daherkommt, mal dunkel, mal heller und sehnend. Darüber schwebt immer wieder die Stimme der Maria (Debra Stanley mit wunderbar warmem, hellen Sopran), die eine Marienklage singt.“

Bildergalerie

Film

FRANCESCO am Staatstheater Cottbus

Downloads

Unterstützt durch

Meinungen

Das Bühnenbild nach der Pause ist zweigeteilt. Es gibt die irdische, sowie darüber die transzendente Ebene. In deren Mitte hängt Franziskus, gleichsam gekreuzigt, nun ganz christusgleich, nicht nur mit den …