Elektra

Oper in einem Aufzug von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal

Die mykenische Königstochter Elektra will den heimtückischen Mord an ihrem Vater Agamemnon rächen, den ihre Mutter Klytämnestra und deren Liebhaber Aegisth begangen haben. Besessen von dem Gedanken einer blutigen Vergeltung fordert sie von ihrer Schwester Chrysothemis, sich an der Tat zu beteiligen. Aber Chrysothemis fühlt ein unbändiges Verlangen nach Leben, Liebe und Kinderglück, auf das sie in der explosiven Situation am Königshof bisher verzichten musste. Sie lehnt ab und zieht sich zurück. Elektra dagegen schürt die Ängste ihrer psychisch zerrütteten Mutter Klytämnestra, die in ihren Alpträumen den eigenen, im Exil lebenden Sohn Orest als Rächer imaginiert. Die fingierte Nachricht von Orests Tod, die zwei Boten überbringen, lässt die Mutter auf grausige Weise triumphieren. Elektra glaubt, dass sie die Tat nun allein – ohne Schwester und ohne Bruder – vollbringen muss.

Da plötzlich gibt sich einer der beiden Boten zu erkennen: Es ist Orest. Er übernimmt die Blutrache an Klytämnestra und ihrem Gelieb­ten. Dem vergeblich um Hilfe rufenden Aegisth entgegnet Elektra trium­phierend: „Agamemnon hört dich!“ Auf dem Höhepunkt ihres ekstati­schen Freudenrausches und im Taumel des Racheglücks bricht Elektra tot zusammen. Auf der Bühne ein Kammerspiel, monumental im Orchester, beeindruckt das Werk mit seiner „bis an die Grenzen der Harmonik und psychischen Polyphonie" gehenden expressiven Musik. Die Oper ELEKTRA ist erstmalig am Cottbuser Theater zu erleben.

PREMIERE Samstag, 11. Juli 2015

Präsentiert von

Besetzung

Musikalische LeitungEvan Christ
RegieMartin Schüler
Bühne und KostümeGundula Martin
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
RegieassistenzHauke Tesch
Musikalische AssistenzFrank Bernard, Christian Georgi, Bo-Kyoung Kim, André Cipowicz, Andreas Simon
 
ElektraGesine Forberger
KlytämnestraKaren van der Walt
ChrysothemisMaraike Schröter
AegisthJens Klaus Wilde
OrestAndreas Jäpel
Pfleger des OrestIngo Witzke
Vertraute/4. MagdDebra Stanley
Junger DienerHardy Brachmann
Alter DienerJörn E. Werner, Alexander Trauth
Aufseherin/SchleppenträgerinCarola Fischer
1. MagdLucie Ceralová
2. MagdJulie Szelinsky
3. MagdMarissia Papalexiou
5. MagdAnika Paulick, Katerina Fridland
 
Es singen die Damen und Herren der Opernchores.
 
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Clauspeter Koscielny, Orpheus, September/Oktober 2015

„Bekannt ist, dass viele der Berliner Opernereignisse in Cottbus stattfinden. Wie einen einzigen Aufschrei inszeniert Martin Schüler die Strauss-Tragödie ‚Elektra‘, nimmt in der stringenten Personenführung Hofmannsthals Libretto beinahe ‚wörtlich‘ und findet in dem nahezu wollüstig aufspielenden Orchester unter Evan Christ den idealen Verbündeten für einen Opernkrimi mit Risiken und Nebenwirkungen inklusive. Den Tatort beherrscht von Beginn an der überwältigende Totaleinsatz Gesine Forberges. Vokal und darstellerisch beginnt mit ihr ein neues Zeitalter der Elktra-Interpretationen. Karen van der Walt war eine deklamatorisch beklemmend ausführende Klytämnestra mit opulenter Stimme. Für einen weiteren Höhepunkt des Abends sorgte Maraike Schröter, die sich mit einer jugendlich-dramatischzen Chrysothemis vor keinem Höhenflug fürchtet und darstellerisch offenbart, wie viel Aktivität in dieser Schwesternrolle doch steckt. Auch die beiden männlichen Hauptpartien hätten nicht besser besetzt sein können. Wie sich Jens Klaus Wilde immer gezielter ins Charaktertenorfach hinein arbeitet, ist faszinierend zu registrieren, eine so ausgefeilte Studie des Aegisths hat man lange nicht mehr erlebt. Was für lobende Worte kann man noch für Andreas Jäpel finden? Der Orest von ihm verdient den Titel ‚singulär‘! Auch alle weiteren Partien fanden ideale Interpreten, so wie Carola Fischer, die einen mit jedem Wort das Fürchten lernen lässt.“


Jan Daniel Schubert, Sächsische Zeitung, 14.7.2015

„Mit einem großen Werk in beeindruckender Interpretation haben die Cottbuser Theaterleute zum Spielzeitende ihr Publikum begeistert. Ungeteilter Jubel galt Strauss’ „Elektra“, die in einer zwingenden Interpretation und einer rauschhaft ausgelebten Musik in ihren Bann zog. […] Zwischen diesen starken Polen steht als überragendes Zentrum die Elektra von Gesine Forberger. Sie singt, wie sie spielt: rückhaltlos, mit voller Kraft, liebend, verzweifelnd, sich immer neu aufraffend. Leise Zwischentöne zeigt sie insbesondere, wenn sie nicht im Zentrum steht, wenn sie die Verzweiflung ihrer Mutter beobachtet oder die Liebessehnsucht ihrer Schwester." 


Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 13.7.2015

„Es ist kaum zu bestimmen, worin das glänzend grandiose Gelingen dieses schwierigen Werkes in Cottbus hauptsächlich begründet liegt. Vielleicht in der Verteilung der Sänger und Musiker im Raum? Das Orchester, in einer von Strauss autorisierten reduzierten Besetzung mit immer noch 85 Musikern inklusive vollem Blechbläserensemble, saß im Hintergrund der Bühne. Ein akustischer Vorteil also für die Sänger, die keinen Orchestergraben überbrücken und -brüllen müssen. Die Bühne wird bis zur Rampe bespielt und auch die Seitenlogen sind einbezogen, Klang kommt auch von oben. Natürlich wären die günstigen äußeren Bedingungen gar nichts ohne die so wunderbar als Ensemble funktionierenden Cottbuser Sänger, in ihrer aufeinander bezogenen Künstlerschaft gepflegt wie wenige andere Ensembles in Deutschland."


Matthias Käther, Kulturradio vom rbb, 13.7.2015

„Die Idee, das Stück im königlichen Bad spielen zu lassen, in dem einst Agamemnon, Elektras Vater, umgebracht wurde, und wo Elektra jetzt zwischen schmierigen Kacheln halb wahnsinnig herumgeistert, ist schlicht genial. Diese offensive Hässlichkeit des Bühnenbilds, gepaart mit großartigen Kostümen, die im Falle des Königspaars auch schon glamourös sein konnten (hinreißend schleimig und fies: Jens Klaus Wilde als Aegisth im Glitzeranzug), war verstörend und plausibel zugleich. Hier hat Schüler für mich eine seiner packendsten, stimmigsten Regiearbeiten seit langem vorgelegt …"


Andre Sokolowski, Der Freitag, Blogbeitrag, 12.7.2015

„Die Produktion im Ganzen hat eine stark kammermusikalische wie kammerspielartige Austarierung: Das vorzüglich einstudierte Philharmonische Orchester ist hinter das sängerische Personal – hinter dem Herrscherbad – positioniert; es hätte anzahlmäßig sowieso nicht in den Graben reingepasst. […] Evan Christ vermag es, der sehr ungestümen und sehr überleidenschaftlichen Jungkomponisten-Partitur eine fast abklärende Ruhe unter Einbringung gestalterischer „Durchatmungseffekte" zu verleihen. Und auch das – neben der einleuchtenden Inszenierung, wie gesagt – schafft eine irgendwie quellwasserklare Grundsichtung der Dinge; insgesamt."

Bildergalerie

Film

ELEKTRA – Richard Strauss

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Ich habe zwar schon viele Elektra-Inszenierungen gesehen (u.a. in London und Berlin), aber keine Aufführung hat mich bisher so beeindruckt wie die in Cottbus. Das Inszenierungskonzept ist absolut stimmig und …