Der Cottbuser Ring

2003 brachte Martin Schüler RHEINGOLD, den Vorabend der RING-Tetralogie Richard Wagners auf die Cottbuser Bühne. Die Kritik bescheinigte ihm einen „fast konkurrenzlosen Glücksgriff im Regie-Wettrennen der RING-Unternehmungen." (Neues Deutschland 13.5.03).

2013, wenn sich der Geburtstag Richard Wagners zum 200. Mal jährt, soll der COTTBUSER RING komplett sein. In der laufenden Spielzeit steht SIEGFRIED auf dem Inszenierungsplan Schülers - nach der WALKÜRE in der Jubiläumsspielzeit 2008. Charakteristikum der beiden bislang gespielten Teile wie des dritten, bereits konzipierten Teils: die Cottbuser RING-Bühne von Gundula Martin. Sie schafft die Voraussetzung, die szenische Handlung fast kammerspielartig inszenieren zu können, indem das Philharmonische Orchester auf der Bühne platziert wird. Davor agieren die Sängerinnen und Sänger. Die musikalische Leitung des RHEINGOLD hatte Reinhard Petersen übernommen, die der WALKÜRE lag und die des SIEGFRIED liegt in den Händen von Evan Christ.


Um der Frage nachzugehen, wie das gesellschaftliche Unrecht in die Welt kommt und wie Macht funktioniert, griff Richard Wagner auf ältere nordisch-germanische Sagen und Mythen zurück. Seinen aus vier Werken („Das Rheingold", „Die Walküre", „Siegfried" und „Die Götterdämmerung") bestehenden „Ring des Nibelungen" konzipierte er von seinem Endpunkt, der „Götterdämmerung" her, quasi in steter Ursachenforschung.

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RHEINGOLD ist eine Parabel über den Zusammenhang von Besitz, Macht, Liebe und Tod. Einst nur ein ästhetisch schönes Naturphänomen, gerät das Rheingold in den Händen eines skrupellos Besitzgierigen - der auf Liebe verzichtet - zum Zahlungsobjekt und Investitionsmittel. Zu einem Ring geschmiedet, verleiht es maßlose Macht, die jedoch durch einen Fluch pervertiert wird: Der Ring soll seinen Eigentümer permanent nach Besitz gieren lassen und ihm letztlich den Tod bringen. Auf diesen Ring nun bauen Emporkömmlinge und Mächtige gleichermaßen, machen ihn sich gegenseitig abspenstig und stürzen dadurch die Welt in ein Chaos, das an den Rand des Untergangs führt.

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In der nordischen Mythologie sind Walküren weibliche Geisterwesen aus dem Gefolge des Göttervaters Wotan bzw. Odin. Der Name Walküre stammt von den altnordischen Wörtern valr („die auf dem Schlachtfeld liegenden Leichen") und kjósa („wählen") ab. Das altnordische kjósa ist verwandt mit dem deutschen küren. In der „Walküre" küren also die bewaffneten Frauen, Amazonen-Generälen ähnlich, auf den Schlachtfeldern die tapfersten Helden und geleiten sie nach deren Tod in das Kriegerparadies Walhall. Dort sollen die Recken, von „Wunschmaiden" verwöhnt, auf ihren eventuellen Einsatz gegen den aufgerüsteten Alberich warten.

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Mit SIEGFRIED setzt das Staatstheater Cottbus seine semiszenische Inszenierung der Tetralogie fort. Innerhalb der Parabel über den Zusammenhang von Besitz, Macht, Liebe und Tod mutet SIEGFRIED beinahe wie eine märchenhafte Fantasy-Geschichte an und ist dennoch eingebettet in Wagners vielschichtiges Welterklärungsmodell.

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