Amphitryon

Ein Lustspiel von Heinrich von Kleist nach Molière

Merkwürdige Begegnungen und eine Heimkehr der besonderen Art erleben Amphitryon und sein Diener Sosias. Denn Göttervater Jupiter und Götterbote Merkur waren in deren Gestalt schon eine Nacht vor ihnen bei ihren Frauen, Alkmene und Charis. Als nun Amphitryon und Sosias, nach dem siegreichen Krieg über die Athener, ihre Frauen in die Arme schließen, sind sie in höchstem Maße irritiert, dass sie die vorangegangene Nacht schon mit ihnen verbracht haben sollen. Während der Diener Sosias in der direkten Auseinandersetzung mit Merkur am Ende nicht mehr weiß, wer er selber ist, begegnen sich Amphitryon und Jupiter zunächst nicht. Amphitryon fühlt sich von Alkmene betrogen, als sie ihm von der rauschenden Nacht berichtet, und Alkmene ihrerseits von Amphitryon, da er vehement bestreitet, diese Nacht bei ihr gewesen zu sein. Beim Zusammentreffen der beiden Amphitryon-Gestalten meint Alkmene dann sogar, im Göttervater den wahren Ehemann zu sehen. Schließlich gibt sich Jupiter zu erkennen, macht der heillosen Verwirrung der Menschen ein Ende und hinterlässt Amphitryon eine überraschende Prophezeiung. Diese Komödie, die auf äußerst humorvolle Art und Weise zeigt, wie in vertrauter Umgebung das Spiel mit den Identitäten zu Irritation und vollständiger Desorientierung führen kann, wird anlässlich des 200. Todestages von Heinrich von Kleist aufgeführt.

PREMIERE 19. Februar 2011

Besetzung

RegieIngo Putz
AusstattungMirjam Benkner
DramaturgieGuido Neubert
Regieassistenz
 
JupiterJohanna-Julia Spitzer
MerkurBerndt Stichler
AmphitryonThomas Harms
SosiasRoland Schroll
AlkmeneJohanna Emil Fülle
CharisSigrun Fischer
MusikerinSusanne Paul

Rezensionen

Harald Asel, Info-Radio vom rbb, 21.2.2011

„Johanna Emil Fülle, die Alkmene in Cottbus, hat die Bühne über den Zuschauer-Raum schon verlassen, dann wirft sie das ‚Ach’ wie ein Zitat ihrem Mann vor die Füße. Eine Befreite geht davon und lässt die Konventionen, die Erwartungen der Menschen wie die Selbstverliebtheit der Götter hinter sich. Überhaupt dreht sich in dieser Produktion alles um Alkmene - im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf einer schiefen, bisweilen rotierenden runden Ebene, auf dem Präsentierteller also, ist sie weniger ein Opfer als vielmehr die Beobachtende, allmählich Begreifende. Und so scheint sie in sich zu ruhen - sie bewegt ihre Hüften mit dem Diadem, an dem das verräterische J für Jupiter zu sehen ist, wie eine Bauchtänzerin, und sie richtet ihre Anklagen gegen Ende immer gegen beide Amphitryone. Ingo Putz, der Gast-Regisseur, hat ihr einen Jupiter beigesellt, der ebenfalls aus der vorgefertigten Rolle fällt: Johanna-Julia Spitzer - in einer Welt, in der wir uns heute im Netz beliebige Identitäten geben können, ist das Andere der Götterwelt durch Geschlechtertausch dargestellt. Ihr nimmt man die Skrupel ab, dass sie Alkmene für den eigenen Spass benutzt hat. Es ist nicht die Ordnung, die sie wiederherstellen will, sondern ein echtes Verlangen, an die Stelle des Menschen Amphitryon zu treten.“


Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 21.2.2011

„Ihr Jupiter [Johanna-Julia Spitzer, d. Red.] ist höchst sensibel, leicht kränkbar, eitel, total verliebt, zärtlich, von Liebeskummer geplagt und dann wieder unnahbar, und er kann als betrogener Betrüger sehr melancholisch werden. Dieser Jupiter erkennt schon, als er sich nach jener delikaten Nacht von Alkmene (Johanna Emil Fülle) verabschiedet, dass die erlogene Zuneigung kein Glanzstück göttlicher Allmacht, sondern ein Armutszeugnis für überirdischen Egoismus ist. Aufgewühlt, das gebrochene Herz spürend, windet sich Jupiter um seine Niederlage herum, die er zu verschleiern sucht, als er mit biblischen Worten Amphitryon die Geburt des Halbgottes Herkules ankündigt. Thomas Harms lebt in dem Feldherren Thebens jene Ironie aus, mit der Kleist sein Identitätskrisenstück als Lustspiel tarnte. Der Feldherr ist der kleine Mann mit großem Komplex, ein Weltbildzurechtbieger, empörter Zwerg mit aufgeplustertem und am Ende so leicht korrumpierbarem Ego. Harms gibt dem Stück eine Höhe, auf der noch Sigrun Fischer locker mitspielt. Als keifende, verspottete, liebestolle, neunmalkluge, vergeblich aufgetakelte und leicht naive Dienerin Charis ist sie der Glanzpunkt dieser Inszenierung. Und wenn sie singt, dass sich Liebe anfühlt wie ein Bonbon im Mund oder manchmal wie Beton, dann ist das zwar nicht der reine Kleist, wie der Rest des Stückes. Aber trotzdem absolut hinreißend.“


Martin Stefke, Märkische Allgemeine, 3.3.2011

„Regisseur Ingo Putz hat große Leidenschaft inszeniert. Johanna Emil Fülle spielt ihre Alkmene als sehnsüchtig Liebende, Johanna-Julia Spitzer einen ungemein sanften, zweifelnden Jupiter. Zwei Frauen? Ja. Und gerade wegen dieses Kunstgriffs ist die ungewöhnliche Beziehung in Cottbus kein Abenteuer, keine Inbesitznahme, sondern ein großes, ernst zu nehmendes Fühlen, ein Austausch von Zärtlichkeit, ein ewiger Abschied. Das hat etwas Göttliches. [...] Im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus haben der große Donnerer [Johanna Julia Spitzer, d. Red.] und sein Begleiter Merkur (Berndt Stichler) schon etwas Überirdisches. Fast gottgleich wirkt auch die Musikerin Susanne Paul, die am Rande der Bühne auf der E-Gitarre das Geschehen begleitet. [...] Bedeutender als das Göttliche ist in Cottbus allerdings die große Liebe. Einmal entgleiten die Hände von Alkmene und Jupiter einander. Nur noch ihre Fingerspitzen berühren sich, da der Gott sie verlässt, indem er sich rückwärtsgehend von ihr entfernt. Ein Bild entsteht wie aus Michelangelos „Erschaffung der Welt“. Das ist wunderbar, gerade weil auch dieses Spiel Kleists Vorlage vertraut und hinter all der Leichtigkeit und dem Licht stets das ganz große Drama zu erkennen bleibt.“

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