Arsen und Spitzenhäubchen

Kriminalkomödie von Joseph Kesselring
Deutsch von Helge Seidel

Der New Yorker Theaterkritiker Mortimer Brewster verehrt seine beiden Tanten Abby und Martha über alles. Besonders, seit er sich in die Pfarrerstochter Elaine Harper verliebt hat, schwebt Mortimer im siebten Himmel und geht im benachbarten Haus der Tanten ein und aus. Als er jedoch in deren Fens­tertruhe eine Leiche entdeckt, kippt Mortimers Stimmung augenblicklich. Überstürzt versucht er, seinen leicht verrückten Bruder Teddy, der ebenfalls im Hause lebt, in ein Heim für psychisch Kranke einweisen zu lassen, da er ihn für den Mörder hält. Doch die Wahr­heit ist viel schlimmer: Martha und Abby, die in ganz Brooklyn für ihre grenzenlose Nächstenliebe bekannt sind, haben den unbekannten Herren selbst mithilfe eines speziellen Giftcocktails ins Jenseits befördert, in der festen Überzeugung, eine gute Tat vollbracht zu haben. Zu Mortimers Entsetzen ist der unbekannte Tote nicht die einzige Leiche im Hause – immer häufiger nutzen die Tanten Teddys fixe Idee, im Keller des Hauses den Panamakanal graben zu müssen, um die von ihrem irdischen Dasein erlösten Herren verschwinden zu lassen. Als schließlich Mortimers lang verschollener Bruder Jonathan mit seinem seltsamen Freund Dr. Einstein im Haus der Tanten auftaucht, wird die Lage zunehmend brenzliger: Aus dem ungeliebten Jonathan ist inzwischen ein steckbrieflich gesuchter Serienmörder geworden, der ebenfalls ein Versteck für seine letzte Leiche sucht.

Erst nachdem „Arsenic and Old Lace“ drei Jahre lang Erfolge am Broadway gefeiert hatte, verfilmte Frank Capra das Bühnenstück von Joseph Kes­selring mit dem unvergesslichen Cary Grant als Mortimer Brewster. Mario Holetzeck inszeniert diese grandiose Komödie nun zum ersten Mal in Cottbus.

PREMIERE Samstag, 27. April 2013

Präsentiert von

Besetzung

RegieMario Holetzeck
BühneGundula Martin
KostümeSusanne Suhr
MusikHans Petith
DramaturgieSophia Lungwitz
RegieassistenzMatthias Grätz
 
AbbyThomas Harms
MarthaKai Börner
JonathanOliver Breite
TeddyRolf-Jürgen Gebert, Daniel Borgwardt
MortimerJohannes Kienast
Dr. EinsteinHeidrun Bartholomäus
ElaineAriadne Pabst
O´HaraSusann Thiede
Klein, PolizistMichael von Bennigsen
Dr. Harper/Mr. Gibbs/Mr. WitherspoonMichael Becker

Rezensionen

Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 30.4.2013

„[Die Inszenierung] setzt so erbarmungslos geschickt auf eleganten Klamauk und Situationskomik, dass das Publikum von Beginn an aus dem Lachen nicht heraus kommt. […] Wenn die Tanten Harms und Börner sich über ihre Morde freuen, sind die zwei so aufgekratzt, dass man sich auch gruseln könnte. Doch den Grusel inszeniert Mario Holetzeck aus dem Stück heraus. Er legt ihn in Filmsequenzen über den Weltkrieg in Europa, die zwischen den Akten auf den Vorhang projiziert werden. Die Selbstverständlichkeit, mit der zwei alte Tanten über Leben und Tod entscheiden, verliert in der Inszenierung alle Schwärze. Was bleibt, ist der Humor. Was nicht sonderlich schlimm ist, denn heute sind wir so mit krassem Horror vertraut, dass Kesselrings Stück wie ein freundliches Märchen wirkt. Und so wie Holetzeck es zu einem Unterhaltungsspektakel aufpeppt, kann es dem Publikum nur gefallen. […] Johannes Kienast kann als der mit seinem Beruf nicht sonderlich glückliche Mortimer (er ist Theaterkritiker) fast so verzweifelt staunen wie Cary Grant. Wenn er sich in panischem Aktionismus verliert und seine Freundin (Ariadne Pabst) ohne Erklärung immer wieder aus der Tür und der Gefahrenzone zu schieben sucht, zeigt er schön wirre Panik. […] so urkomisch und mimisch-gestisch bewegt, wie Holetzeck und sein furioses Ensemble diese Kriminalkomödie auf die Bühne getanzt haben, habe ich Kesselrings Stück noch nicht gesehen. Wer Sinn für Komik, für Scherz und Satire ohne viel tiefere Bedeutung hat, sollte diese Inszenierung nicht verpassen."


Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 29.4.2013

„Ein kriegerischer Flächenbrand wütet überall. Außer in Brooklyn, New York, im plüschigen Haus von Abby und Martha Brewster. […] niemand käme auf die Idee, dass sie eine Leiche im Keller haben. Dabei sind es bereits zwölf. […] Mario Holetzeck hat Kesselrings Bühnenerfolg am Staatstheater Cottbus inszeniert und hat der Versuchung widerstanden, aus dem amüsanten, schwarzhumorigen Text einen Klamauk zu machen. Die Cottbuser Fassung ist amüsant, die meiste Zeit sogar beglückend, aber nie albern oder flachhumorig. […] Holetzeck schaut auf die Zeit dieses Stückes: 1941. Und fragt mit grotesken, abgehackt animierten Kurzfilmen – die an Monthy-Python-Collagen erinnert – wie politisch korrekt es damals war und es heute ist, wenn man Witze darüber macht, wie harmlos wirkende Menschen zu Killermaschinen mutieren. […] Thomas Harms und Kai Börner sind hinreißend als liebenswert-mordende Tanten, für die es ein Werk der Menschlichkeit ist, einsame Herren mit vergiftetem Holunderwein umzubringen […] So munter-durchgeknallt wie die beiden spielen sie alle: Rolf-Jürgen Gebert als verrückter Neffe Mortimer, Susann Thiede (Sergeant O’Hara) und Michael Becker in seinen vielen Rollen. Der beste Mann auf der Bühne aber ist neben Harms und Börner Oliver Breite, der Jonathan Brewster genauso gibt, wie er mit seinem für diese Rolle angefertigten Gebiss aussieht: monströs, komisch, vom Wahnsinn gepackt.“

Bildergalerie

Film

Staatstheater Cottbus: »ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN« (TRAILER)

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