Das Cottbus-Projekt

Poetischer Theaterabend über eine Stadt von Christiane Wiegand und Harald Fuhrmann
URAUFFÜHRUNG

Diese Schauspiel-Uraufführung lädt zu einer ungewöhnlichen und anregenden Reise durch die jüngste Vergangenheit, die Gegenwart und in die Zukunft der Stadt Cottbus ein. Sie führt das Publikum in kleinen Zuschauergruppen auf verschiedenen Pfaden in sechs Erlebnisräume. Hier trifft es auf unterschiedliche Personen und begleitet diese vom Herbst ´89 über das Hier und Jetzt bis in ihre Zukunft.

In den letzten Monaten sind die Autoren Christiane Wiegand und Harald Fuhrmann in die Stadt hinein gegangen und interviewten zahlreiche Cottbuser aus verschiedensten Generationen.  Aus dem dabei gesammelten Geschichtenmaterial entwickelten sie mit Schauspielern kleine Szenen, die als „Tischtheater“ in Schulklassen, aber auch unter einander unbekannten Cottbusern intensive Gespräche anregten. Aus all diesen Begegnungen ist nun ein Stück entstanden. Es lädt die Cottbuser ein, sich durch die Geschichten aus ihrer Stadt – verwandelt in Theater – gemeinsam zu fragen: „Wie will ich eigentlich in meiner Stadt leben? Welchen Wert hat die Freiheit für mich, damals und heute?“

So erlebt man einen älteren Herrn, der eine neue Form der Vergangenheitsbewältigung erträumt  – eine Frau, die zwischen der Stadt und ihrem Bedürfnis nach Wahrheit in Bedrängnis gerät  – eine ehemalige Gaststättenleiterin, die in der Vergangenheit festgewachsen ist – einen Unternehmer und dessen Sohn, deren Beziehung seit der Wiedervereinigung Schaden genommen hat  – und zwei junge Menschen, die sich fragen, ob es sich lohnt, nach einer Vision für ihre Stadt zu suchen oder sich besser auf und davon zu machen.

Vor dem Beginn dieses Theaterabends wird jeder Zuschauer im Foyer einer geführten Zuschauergruppe zugeordnet.
Alle Gruppen sehen den 1. und 3. Teil gemeinsam und gehen dazwischen verschiedene Wege.
In der Erfrischungsbar laden zwei „echte“ junge Cottbuser zum Entspannen, Erzählen und Austauschen über die Stadt ein.

PREMIERE Samstag, 18. April 2015

Hier finden Sie einen Film-Beitrag von Lausitz-TV

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Besetzung

RegieHarald Fuhrmann
Regiemitarbeit/DramaturgieChristiane Wiegand
Bühne und KostümeOkarina Peter, Timo Dentler
KlanggestaltungHans Petith
Dramaturgische Beratung/ProjektkoordinationBettina Jantzen
RegieassistenzMaria Bock
 
Peter M. Bürgerrechtler und UmweltaktivistGunnar Golkowski
Verena Fuchs JournalistinSigrun Fischer
Wolfgang Fest Unternehmer und
ehemals Mitarbeiter beim MfS
Rolf-Jürgen Gebert
Johannes Fest sein SohnJochen Paletschek
Tanja Linde ehemalige HO-GaststättenleiterinHeidrun Bartholomäus
Juliane Linde ihre TochterAriadne Pabst
Alex ein junger CottbuserMichael von Bennigsen
Larissa eine junge CottbuserinLucie Thiede
Eberhard Noch Rentner, ehemals Ingenieur im Wohnungsbaukombinat CottbusMichael Becker
 
Chor Ensemble
Cottbuser Bürger Monica Ooro, Martin Jainz

Rezensionen

Kulturradio vom rbb, Oliver Kranz, 18.4.2015

„Im Stück werden Peter Models Tagebücher zitiert. Man spürt die Euphorie der Wendetage und die Enttäuschung, als der wirtschaftliche Niedergang einsetzt. Stasi-Offiziere verwandeln sich in Unternehmer – viele Cottbuser werden heute noch wütend, wenn sie daran denken. Das hat der Regisseur Harald Fuhrmann gespürt. Er hat gemeinsam mit der Autorin Christiane Wiegand Menschen in der Stadt befragt – junge und alte, ehemalige Oppositionelle und ehemalige Stasi-Mitarbeiter, Unternehmer und Hartz IV-Empfänger. Im Stück wird das Interviewmaterial dann zusammengefasst […] Diese Szenen werden im Theater in verschiedenen Räumen gespielt. Das Publikum wandert in Gruppen von Ort zu Ort und kann überall neue Begegnungen machen. […] Am Ende treffen sich alle Zuschauergruppen wieder auf der großen Bühne. Jetzt geht es um Zukunftsvisionen. Wird Cottbus veröden und zum Jagdrevier für die jetzt schon in der Lausitz herumstreunenden Wölfe werden oder wird Tourismus einen neuen Aufschwung bringen? Wünsche dürfen auf Zettel geschrieben und in einer Zeitkapsel versenkt werden. Ein Hoffnungsschimmer und vielleicht Material fürs nächste Cottbus-Projekt…“


Lausitzer Rundschau, Lydia und Daniel Schauff, 20.4.2015

„Es geht um große Erwartungen, die auch der Westen nicht erfüllen kann. Mal lustig, mal tragisch, mal bedrohlich. Ein Querschnitt dessen, was die Zuschauer später im Kleinen erleben werden. Die Vorlage für diese kleinen Geschichten, die einzelnen Schicksale, lieferte den Machern und Regisseuren des Abends, Christiane Wiegand und Harald Fuhrmann, die Wirklichkeit. Mehr als 40 Cottbuser haben sie interviewt, sich deren Erlebnisse vor, während und nach dem Mauerfall schildern lassen. […] Es ist ein Experiment, das [die beiden] mit dem Cottbus-Projekt in die Kammerbühne bringen, das mitunter nicht mit Pathos spart. Aber auch Pathos ist wohl ein Teil der Wendegeschichte. Insofern: Experiment geglückt.“


Sächsische Zeitung, Silvia Stengel, 20.4.2015

„Das lohnt sich. Denn auch das Ende des Abends, für das sich alle wieder im Saal versammeln, ist spannend. […] Die Schauspieler haben in den reichlich zweieinhalb Stunden ihr Bestes gegeben, alle waren überzeugend. Und die Cottbuser können auch noch etwas tun. Im Foyer liegen Zettel für die Zeitkapsel. Die will das Theater nach der letzten Aufführung dem Bürgermeister überreichen, mit dem Auftrag, die Zeitkapsel zu vergraben. Vorher wird er sie hoffentlich noch lesen, die Wünsche der Cottbuser.“


Jens Pittasch, Blicklicht 05/2015

„In bekannter Spielform szenischer Miniaturen an verschiedenen Orten wird das Publikum in Reisegruppen aufgeteilt und auf verschlungenen Wegen durch den Gebäudekomplex aus Kammerbühne, Werkstätten und Arbeitsräumen geführt. […] Meine Atemlosigkeit begann mit Sigrun Fischer in der Rolle einer bekannten Cottbuser Journalistin, hier genannt Verena Fuchs. ‚Die Bedrohung‘ heißt das beklemmend-realistische Einpersonenstück im Fastdunkel. […] [Sie] bringt diese Situation, die Gefühle, die Verunsicherung, den Willen der Verena Fuchs so nah, dass das Wechselspiel aus Angst und Kraft bin ins Innerste auf die Besucher übergeht. Ebenso, ergänzt noch um Wut, Resignation und Verzweiflung, ergeht es einem mit Adriane Papst und Heidrun Bartholomäus in ‚Die Chance‘. […] Besonders Adriane Pabst bringt hier die Stimmung in der Kantine (dem Spielort) ins emotionale Beben und die Luft im Raum in Hochspannung. Man kann nicht anders, als mit ihr erschüttert und zerrissen zu sein. […] In umschließenden Teilen […] führt das Ensemble eindrucksvoll in die Ereignisse der Wendezeit und zu einem Ausblick, der Cottbus in seiner angedeutet-finalen Form erspart bleiben wird, wenn Werke wie dieses ‚Cottbus Projekt‘ in die Köpfe und Herzen möglichst vieler Menschen vordringen. Wenn Menschen wie Bürgerrechtler Peter M. mit ihren Idealen und Ideen, ihren Vorstellungen von Veränderung und Weiterentwicklung nicht in der schweigend gehaltenen Brot und Spiele Masse festkleben und von manipulativ-gierigen Mächten – damals und heute – ohnmächtig und klein gehalten werden. Absolut bemerkenswert ist Gunnar Golkowski als dieser Peter M.!“


Neues Deutschland, 24.4.2015

„Dieser Theaterabend ist unkonventionell erdacht und umgesetzt, er kommt unbekümmert leicht und gleichwohl von Nachdenklichkeit getragen daher. Er ist von jungen Leuten hauptsächlich für junge Leute gemacht, schließlich sind sie diejenigen, die die Chance haben, ihre Träume zu verwirklichen. […] Am Ende soll ein Satz der arbeitslosen Gaststättenleiterin Frau Linde (Heidrun Bartholomäus) stehen, ein Imperativ, von dem man sich nur wünschen kann, dass jeder den Mut und die Kraft zu seiner Umsetzung aufbringen möge: »Ich gebe dir einen Rat: Wenn du einen Traum hast - Mach!«“

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