Der Kirschgarten

Komödie von Anton Tschechow
Deutsch von Eugen Ruge

Seit Generationen ist der alte Kirschgarten die Attraktion auf dem Landgut der Familie. Er steht in voller Blüte, als Ljubow Andrejewna nach fünf Jahren aus dem Ausland zurückkehrt. Die Schulden sind soweit angewachsen, dass eine Versteigerung des gesamten Besitzes droht. Ihr Bruder Gajew und die den Haushalt führende Adoptivtochter Warja suchen vergeblich nach Möglichkeiten, Geld aufzutreiben. Da macht der befreundete Kaufmann Lopachin einen Vorschlag: Das Schuldenproblem könne gelöst werden, wenn man das Grundstück in Parzellen aufteile und für Wochenendhäuser verpachte. Dazu müsse der Kirschgarten allerdings abgeholzt werden. Ljubow Andrejewna schiebt eine Entscheidung vor sich her und sucht lieber die ablenkende Gesellschaft ihrer Familie und Freunde. Aber der Termin rückt näher und schließlich ist es Lopachin, der handelt.

Der Regisseur Peter Kupke (Jahrgang 1932) ist den Cottbuser Theaterfreunden inzwischen durch seine erfolgreichen Inszenierungen DER HAUPTMANN VON KÖPENICK und STEINKES RETTUNG gut bekannt. Er bringt nun das letzte Stück des großen russischen Dramatikers Anton Tschechow (1860-1904) in der deutschen Übersetzung von Eugen Ruge zur Premiere. Peter Kupke – viele Jahre durch das Theater Bertolt Brechts geprägt – liest Tschechows Komödie als die Geschichte einer außerordentlichen Frau. Mit psychologischer Genauigkeit erzählt er von Menschen, die sich hoffnungsfroh, verzweifelt, ungeschickt oder unverschämt an kleinen oder großen Lebensillusionen festhalten. Gemeinsam mit seinem Ausstatter Thomas Lorentz-Herting belässt er das Geschehen in der Entstehungszeit  des Stückes um 1903 und fasst den oft skurrilen Humor und die Rätselhaftigkeit dieser vieldeutigen Komödie in sinnliche Bilder, die berühren, amüsieren und vielfältige Facetten von Menschenleben spiegeln.

PREMIERE Samstag, 2. März 2013

Präsentiert von

Besetzung

RegiePeter Kupke
Bühne und KostümeThomas Lorenz-Herting
MusikHans Petith
ChoreographieAnnaLisa Canton
DramaturgieBettina Jantzen
RegieassistenzMatthias Grätz
 
Ljubów AndréjewnaSigrun Fischer
Anja
WárjaJohanna Emil Fülle
GájewOliver Breite
LopáchinThomas Harms
TrofimowOliver Seidel
Simjónow-Pischtschik
Charlótta
JepichódowKai Börner
DunjáschaAriadne Pabst
FirsAmadeus Gollner
Jáscha
 
Der Stationsvorsteher, Der Postbeamte, Gäste, Dienerschaft Statisterie

Rezensionen

Frank Dietschreit, rbb Kulturradio, 4.3.2013

„Tschechow bezeichnet sein Drama von Abschied und Untergang als ‚Komödie in vier Akten‘. Bei Kupke spielt die Komik zunächst eine sehr große, dann, je weiter wir uns dem Schluss nähern, eine immer geringere Rolle: Kupke geht es darum, das Tragikomische aber auch sympathisch Unvollkommene der menschlichen Existenz herauszuarbeiten. […] Die Tonlage ist überdreht und hysterisch, die Bewegungen entarten in tolldreiste Slapsticknummern, fast scheint es, als würde von einer Wandertruppe eine hanebüchene Schmierenkomödie aufgeführt. Doch irgendwann merken die Knall-Chargen, dass heute keine ausgelassene Komödie, sondern das Drama ihres eigenen Untergangs auf dem Programm steht: Die Töne und die Spielweise werden ernster, tiefgründiger, nachdenklicher, bis das Publikum das Lachen im Halse stecken bleibt und Mitleid hat mit all jenen, die nicht mehr gebraucht und auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden.“


Hartmut Krug, nachtkritik.de, 3.3.2013

„Wunderbar […] der Beginn, wenn die Gesellschaft mit den am Bahnhof Abgeholten, der Gutsbesitzerin nebst Bedienten und ihrer Tochter, aus dem Orchestergraben auf die Bühne stürmt. Sigrun Fischer zeigt als Gutsbesitzerin Ranjewskaja eine überschäumende Freude, die ihr nicht nur in die Mimik, sondern auch in den Körper fährt. Sie tobt mit ihrem Bruder Gajew, dessen Geschwätzigkeit Oliver Breite eine elegante Melancholie gibt, durch den riesigen Raum, sie tanzt, umarmt Menschen, geht aus sich heraus.“


Christiane Freitag, Blicklicht, 04/2013

„In diesem ganzen Hin und Her – zwischen der Kirschgarten soll verkauft werden, wird verkauft, ist verkauft worden – tummeln sich nun in einem wunderschönen Bühnenbild (Ausstattung: Thomas Lorenz-Herting) die Schauspieler mal deftig, mal heftig, mal zart, mal hart. […] Klamauk wechselt sich mit Tiefsinn ab und irgendwie kehrt keine Ruhe ein – es ist so wahnsinnig viel los auf der Bühne. Es ist aber auch genau das Tschechow typische, das sich diese Inszenierung (Peter Kupke) damit bewahrt. […] Trotz aller Leichtigkeit, humoresker Darbietung und nervöser Unruhe, besitzt das Treiben um den Kirschgarten dennoch auch diese unterschwellige Bedrücktheit. Permanente Bedrohung gibt der vermeintlichen Fröhlichkeit einen bitteren Beigeschmack – und genau diese Zerrissenheit darzustellen ist Peter Kupke vortrefflich gelungen.“

Bildergalerie

Film

DER KIRSCHGARTEN am Staatstheater Cottbus

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Sonnabend Abend in den „Kirschgarten“. „Sie tun wenig oder nichts, jedenfalls nichts Entscheidendes, …“ (Zitat aus dem Programmheft). Genau dies wurde vom Regieteam ernst genommen, und das 21/2 Stunden lang! …