Deutschland – Wunder und Wunden

Ein Schauspielabend mit den Stücken DAS HIMBEERREICH von Andres Veiel & 
ALLES GOLD WAS GLÄNZT von Mario Salazar

Liebes Publikum, herzlich willkommen in der wunderbaren, bunten Welt des Fernsehens, in der wir das Leben sehen, wie es wirklich ist! Erleben Sie einen Doppelabend mit zwei Stücken, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit einem Thema beschäftigen, das uns alle angeht – Geld! Schauspieldirektor Mario Holetzeck bedient sich hierfür augenzwinkernd der Mittel deutscher Fernsehunterhaltung: Erleben Sie im ersten Teil des Abends in DAS HIMBEERREICH, wie sich knallharte Investmentbanker gegenseitig in die Enge treiben und für ihre „kleinen Flirts mit Mephisto“ rechtfertigen, die bekanntlich 2007/2008 zur weltweiten Finanzkrise geführt hat. Zum Glück wurde die größte Katastrophe in letzter Sekunde durch staatliche Hilfen und durch unsere Steuergelder verhindert … Um zu verstehen, wie es überhaupt zur Finanzkrise kommen konnte, interviewte Autor Andres Veiel, bekannt geworden vor allem durch seine Dokumentarfilme „Blackbox BRD“ oder „Die Spielwütigen“ sowie durch sein Dokumentar-Theaterstück „Der Kick“, anonym mehrere führende Investmentbanker und Vorstandsvorsitzende deutscher Banken. Aus dem entstandenen Material montierte Veiel sein hoch brisantes Theaterstück.   

Im zweiten Teil des Abends sind Sie herzlich eingeladen, in der bissig-komödiantischen Satire ALLES GOLD WAS GLÄNZT des jungen, deutsch-chilenischen Dramatikers Mario Salazar das Leben von Familie Neumann zu verfolgen: Mutter Iris sieht leidenschaftlich gern fern, Vater Walter puzzelt sein Lieblingspuzzel, Töchterchen Marianne liebt Ahmed aus Afghanistan, Sohn Robin lebt im „Krieg der Sterne“-Parallel-Universum und Opa Erich, seines Zeichens Oberst a.D. der NVA, poliert am liebsten seine Orden und trauert gemeinsam mit Nachbar Wiese, einem ehemaligen Sprengstoffexperten, den guten alten Zeiten hinterher, als man noch wusste, wer gut und böse war. Doch jetzt müssen die Neumanns den Gürtel enger schnallen – Walter hat bereits vor einem Jahr seine Arbeit als Straßenbahnfahrer verloren und das Geld ist alle ... Verfolgen Sie in Mario Holetzecks „Sitcom“ über die Neumanns „live“, welche Strategien Ehefrau Iris, die pubertierenden Kinder Marianne und Robin, Opa Erich und Nachbar Wiese entwickeln, um die eigene Haut zu retten, während draußen auf den Straßen ein anarchistischer Aufstand tobt.

PREMIERE Freitag, 21. November 2014

Präsentiert von

Besetzung

RegieMario Holetzeck
Bühne und KostümeMathias Rümmler
VideoSteffen Cieplik
DramaturgieSophia Lungwitz
RegieassistenzMaria Bock
 
DAS HIMBEERREICH
Dr. Brigitte ManzingerAriadne Pabst
Gottfried W. KasteinAmadeus Gollner
Dr. Dr. hc Walter K. von HirschsteinKai Börner
Niki ModersohnJochen Paletschek
Hans Helmut Hinz (Fahrer)Michael Becker
 
ALLES GOLD WAS GLÄNZT
Iris Neumann, MutterSigrun Fischer
Walter Neumann, VaterThomas Harms
Marianne Neumann, TochterLucie Thiede
Robin Neumann, SohnMichael von Bennigsen
Erich Neumann, Großvater, Oberst a.D. der NVAMichael Becker
Wiese, Nachbar, Oberst a.D. der NVAOliver Breite
Ahmed, ein afghanischer EinwandererRahul Chakraborty
Darth Vader/GerichtsvollzieherJonas Hartmann
 
5 Anarchisten und GSG 9 Statisten
Ein Pferd (Ponny) himself

Rezensionen

Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 24.11.2014

„Der Autor [Andreas Veiel] reflektiert in diesem Stück [‚das Himbeerreich‘] über die Folgen der Bankenkrise. Und bedient sich dafür der Sicht der zockenden Investmentbanker. Mario Holetzeck hat das am Staatstheater Cottbus als den ersten Teil eines Schauspielabends inszeniert, der ‚Deutschland – Wunder und Wunden‘ heißt. Danach läuft ‚Alles Gold was glänzt‘, geschrieben von Mario Salazar […] Der Autor [Andreas Veiel] reflektiert in diesem Stück [‚das Himbeerreich‘] über die Folgen der Bankenkrise. Und bedient sich dafür der Sicht der zockenden Investmentbanker. Mario Holetzeck hat das am Staatstheater Cottbus als den ersten Teil eines Schauspielabends inszeniert, der ‚Deutschland – Wunder und Wunden‘ heißt. Danach läuft ‚Alles Gold was glänzt‘, geschrieben von Mario Salazar. In diesem zweiten Teil schwenkt der Blick dann auf die Opfer der großen Geldvernichtung […] Mit den Banken verhält es sich wie mit Goethes Zauberlehrling. Die Geister, die da gerufen wurden, sind nicht mehr beherrschbar. Institute, die Geldmengen bewegen, die die gesamte jährliche Wertschöpfung der Bundesrepublik übersteigen, lassen sich von keinem Staat mehr zähmen. Andererseits wissen sie nun genau, dass die Politik alles tun zu wird, um diese Finanzgiganten zu retten. Das heizt die Risikobereitschaft nun noch weiter an. Die Banker haben gelernt: Im Grunde kann ihnen nichts passieren. Entsprechend selbstbewusst tritt Dr. Brigitte Manzinger auf. Ariadne Pabst spielt sie so abgezockt und eiskalt, dass einem beim Zuschauen friert. Diese Frau Manzinger wirkt, als hätte sich ein Algorithmus in eine Frau verwandelt, die lieber ein Mann geworden wäre. Sie kennt keine Verunsicherung. Ihre drei Kollegen (ebenfalls sehr überzeugend: Kai, Börner, Jochen Paletschek und Amadeus Gollner) schon eher. Der von Gollner gegebene Kastein ist der Skeptiker, der Mahner. Auf die Frage, warum er nicht schon früher den Mund aufgemacht habe, folgt: Schweigen. Und dann setzt Dr. Dr. h.c. von Hirschstein zur Gegenwehr an. Hirschstein mimt den Unschuldigen, ist dabei ein bisschen schmierig und latent komisch. Eine Mischung, die Kai Börner wunderbar beherrscht.“


Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 24.11.2014

„Nach der Pause führt uns der Autor Mario Salazar mit "Alles Gold was glänzt" in die Welt des Prekariats. Weder Geld noch Arbeit hat Familie Neumann. Ihre Welt ist nicht die Realität, sondern das Fernsehen, das bunte Illusionen liefert. Familienvater Walter (wunderbar verdruckst als unterdrückter Ehemann: Thomas Harms) bastelt schon seit einem Jahr zuhause an seinem Straßenbahnwaggon-Puzzle, ohne dass jemand gemerkt hat, dass er seinen Straßenbahnfahrer-Job verloren hat […] Hier ist eine Familie aus der Realität geflüchtet und zugleich in einer "Sit-Com" Darsteller seiner selbst geworden. Auf der Bühne, deren Schachbrett-Muster sich zu Fenstern eines Plattenbaus geöffnet haben, erlebt man ein Spiel mit urkomisch kabarettistischen Typen […] Das Spiel: ein Pointengewitter. Die Figuren: Wie aus der Unwirklichkeit der Realität genommen. Die Inszenierung: ein Spaß. Die Schauspieler: wunderbar. Sigrun Fischer ist eine tolle Familiendomina: Jeder Satz, jede Bewegung wirkt wie ein Befehl, und selbst ihr ständiges Nagelfeilen scheint eine jede Realität verdrängende Herrschaftsgeste.“


Wolfgang Behrens, Nachtkritik.de, 21.11.2014

„Was Salazar da geschrieben hat, ist eine rasante, enorm theaterwirksame Farce, in der die Pointen nur so prasseln, und es ist eine Typenkomödie, in der es nicht unbedingt auf die ganz feinen Zwischentöne ankommt. Und genau so – mit präzise herausgearbeitetem Dialogwitz und hochgehaltenem Tempo – lässt Holetzeck ‚Alles Gold was glänzt‘ auch spielen. Es sind Theatertiere, die da aufeinander losgelassen werden: Sigrun Fischer als resolut nagelfeilende und ebenso resolut ihre Untätigkeit verwaltende Asi-Mutter, deren Leggings so golden glänzen, wie es der Stücktitel verspricht; Thomas Harms als kleinstbürgerlich hilfloser Vater Neumann, der ein Jahr lang seine Arbeitslosigkeit vor der Familie verbergen kann – ohne auch nur aus der Wohnung zu gehen; Lucie Thiede als flippige Tochter Marianne; Michael Becker als Sarkasmen knatternder Ex-Oberst und Oliver Breite als Nachbar Wiese, der mit ein paar Papierschnipseln, einem Föhn und einem überaus treuherzigen Gesicht die schönste Schnee-Atmo zu erzeugen weiß.“

Bildergalerie

Film

»Deutschland - Wunder und Wunden« Trailer (Staatstheater Cottbus)

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