Die Orestie

von Aischylos
Prosaübersetzung von Peter Stein

Der Vater opfert eine Tochter, damit ein ehrgeiziges Kriegsgeschäft ge­lingt. Die Mutter bringt ihn und seine Geliebte dafür bei der siegreicher Rückkehr nach zehn Jahren um. Die übrig gebliebenen beiden Kinder beschließen, dies zu rächen, und so tötet der Sohn die Mutter und deren Liebhaber. Rachegöttinnen der erschlagenen Mutter jagen den Sohn. Der Verzweifelte sucht Beistand und Hilfe bei Göttern, die ihm wohlgesonnen scheinen. Ein Gericht wird einberufen und über seine Tat verhandelt ...

Agamemnon, Klytaimestra, Orestes, Elektra, Kassandra und Aigisthos  – sie alle sind Täter oder Opfer in einer Familiengeschichte, die nicht von Vergebung und Aus­söhnung, sondern von Vergeltung und Mord geprägt ist. Mit dem Schicksal des Sohnes Orestes allerdings wird eine Zäsur gesetzt. Alte und jüngere Götter finden zu einem Dialog. Es besteht die Möglichkeit, dass das Prinzip der Blutrache von dem der Rechtsprechung abgelöst und die Spirale der Gewalt beendet wird.

Aischylos, um 525 v. Chr. geboren, gewann mit der ORESTIE bei der Erstaufführung zu den Dionysien im Jahre 458 v. Chr. in Athen den Siegespreis. Er ist neben Sophokles und Euripides einer der drei großen griechischen Tragödiendichter.

PREMIERE Samstag, 22. Oktober 2011

Präsentiert von

Besetzung

RegieChristian Schlüter
Bühne und KostümeJürgen Höth
Musikalische und chorische KompositionDirk Raulf
ChoreographieGundula Peuthert
DramaturgieBettina Jantzen
RegieassistenzAnniki Nugis
 
Klytaimestra/ErinyeSusann Thiede
HeroldOliver Seidel
Agamemnon/ApollonGunnar Golkowski
Kassandra/AtheneLaura Maria Hänsel
Aigisthos/ErinyeAmadeus Gollner
OrestesArndt Wille
ElektraJohanna-Julia Spitzer
 
Chor/Gruppe Laura Maria Hänsel, Johanna-Julia Spitzer, Susann Thiede,
Gunnar Golkowski, Amadeus Gollner, Oliver Seidel, Arndt Wille

Rezensionen

Frank Dietschreit, Kulturradio vom rbb, 24.10.2011

„‘Die Orestie‘ ist das erste Drama, das in Athen und der damals noch jungen griechischen Demokratie zivilisatorische Grundwerte diskutiert und für Vernunft und Recht plädiert. Das ist von solch zeitloser Aktualität, da muss man keine heutigen Zeitungszeilen zitieren, sondern nur auf den Text von Aischylos hören: Da steht alles schon Schwarz auf Weiß, was uns heute noch bewegt und umtreibt. Das kommt am stärksten im dritten Teil (Die Eumeniden) zum Ausdruck, den Regisseur Schlüter mit viel Humor inszeniert und mit Biss spielen lässt: Das blutige Schlachtfest weitet sich wirklich zur Lehrstunde über Demokratie. […] Alle Nebenfiguren gestrichen, tatsächlich sind nur sieben Schauspieler auf der Bühne, aber die schlüpfen nicht nur in die Rollen von Klytaimnestra (Susann Thiele) und Agamemnon (Gunnar Golkowski), Aigisthos (Amadeus Gollner), Orestes (Arndt Wille), Elektra (Johanna-Julia Spitzer), eines Boten (Oliver Seidel), sie sind auch zugleich der Chor, wechseln im Sekundentakt ihre Haltung, Gestik, Mimik, kommentieren und ironisieren ihr eigenes Spiel: So entstehen eigenartige Momente der Verfremdung und der Beschleunigung, der Musikalität, denn in den chorischen Passagen ist das Sprechen stark rhythmisiert, sind die Bewegungen choreographiert und fast tänzerisch. Durch das Ineinanderfließen der Figuren, das Heraustreten aus den Rollen und die musikalische und chorische Komposition werden die Konflikte geschärft und ins Allgemeingültige transferiert. […] Der Text mag alt sein, doch das Spiel ist ganz heutig und die Inszenierung ist von einer sowohl archaischen wie zeitlosen Kraft, wie man es nur noch selten im Theater erleben kann.“


Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 24.10.2011

„Diese Trilogie ist ein ungeheurer Brocken. […] Die überzeugende Strichfassung von Regisseur Christian Schlüter und Dramaturgin Bettina Jantzen komprimiert das Geschehen auf zweidreiviertel intensive Stunden. […] Die gruppendynamisierten und von Gundula Peuthert choreografisch formalisierten Szenen sind vom siebenköpfigen Körper eines kraftvollen Chores bestimmt, aus dem immer wieder einzelne Figuren heraustreten. […] Trotz punktueller Einwände ist dies eine starke Inszenierung und Ensemblearbeit. Ohne äußerliche Aktualisierung, wie es oft bei diesem Stück passiert, wirkt die ‚Orestie‘ in Cottbus zugleich fremd wie ungemein heutig.“


Matthias Weigel, nachtkritik.de, 23.10.2011

„Kriegsheimkehrer Agamemnon (Gunnar Golkowski) hat für den Sieg über Troja einen hohen Preis gezahlt: Er hat seine eigene Tochter geopfert. Grund genug für Klytaimestra (Susann Thiede), ihren Mann zu hassen, der auch noch so dreist ist, seine exotische Liebhaberin Kassandra mit nach Hause zu bringen. Und die ist immerhin eine Wucht: Neuzugang Laura Maria Hänsel spielt diese unglückliche Seherin, die das Blutbad zwar kommen sieht, sich ihm aber nicht entzieht. Ferngesteuert stakst sie gegen Tische und Stühle, ist ganz Medium und lässt die grausamen Visionen sich aus ihrem Innersten herausfressen, wie kranke Geschwüre an die Oberfläche schäumen, bis sie erschöpft ihrem eigenen Tode entgegengeht.“

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