Die Ratten

Tragikomödie von Gerhart Hauptmann

Gerhart Hauptmanns berühmte Tragikomödie zeigt als erste Premiere zum Schauspielthema „Deutschland – Wunder und Wunden“ verschiedene Menschen, die leidenschaftlich mit der Welt ringen und auf ein besseres Leben hoffen. Im Mittelpunkt steht die kinderlose Frau John, die auf einem Berliner Dachboden den Fundus des ehemaligen Theaterdirektors Harro Hassenreuter in Ordnung hält. Sie kauft der verzweifelten, hochschwangeren Piperkarcka nach einer heimlichen Geburt das Kind ab und präsentiert es als ihr eigenes. Ihr Mann, der in Hamburg arbeitet, freut sich über den Nachwuchs und Direktor Hassenreuter mit Familie kommt zur Gratulation.

Aber das trügerische Glück währt nur kurz. Da streitet Hassenreuter beim Schauspielunterricht mit seinem Schüler Erich Spitta, ob ein einfacher Mensch als Held einer Tragödie tauge, schon läuft eine solche unbemerkt vor ihnen ab. Denn die Piperkarcka bereut alles und fordert ihr Kind zurück. Frau John schiebt ihr einen falschen Säugling unter, hetzt ihr ihren Bruder auf den Hals und verstrickt sich zunehmend im Strudel der Ereignisse. Als die Piperkarcka tot aufgefunden wird, stellt Herr John seine Frau zur Rede und die Hassenreuters erleben ein Finale, das auf die Theaterbühne gehört. – Milena Paulovics inszeniert diesen Großstadtkrimi voller lauernder Geheimnisse im Großen Haus mit starken Gefühlen, feinem Humor und atmosphärischer Spannung.

PREMIERE Samstag, 20. September 2014

Besetzung

RegieMilena Paulovics
BühneJuan León
KostümeSusanne Suhr
DramaturgieBettina Jantzen
RegieassistenzMatthias Grätz
 
Harro HassenreuterAmadeus Gollner
Seine FrauKristin Muthwill
WalburgaAriadne Pabst
Pastor SpittaJochen Paletschek
Erich SpittaMichael von Bennigsen
Alice RütterbuschKristin Muthwill
JohnChristian Dieterle
Frau JohnSusann Thiede
Bruno MechelkeJochen Paletschek
Pauline PiperkarckaLaura Maria Hänsel
Frau Sidonie KnobbeKristin Muthwill
SelmaLaura Maria Hänsel
Quaquaro

Rezensionen

Felix Johannes Enzian, Lausitzer Rundschau, 23.9.2014

In den symbolischen Eröffnungssequenzen zu Beginn des Stücks und nach der Pause laufen die Protagonisten, treppauf, treppab, wie blind aneinander vorbei. Jeder ist, in Leid oder Liebe, nur mit sich selbst beschäftigt. Genau so hat Gerhart Hauptmann seine Tragikomödie "Die Ratten" konstruiert: Komödie und Tragödie spielen darin, blind füreinander, doch geschickt verknüpft, aneinander vorbei. Die Komödie geben die gebildeten Theaterleute. Ex-Theaterdirektor Harro Hassenreuter (Amadeus Gollner) und Erich Spitta (Michael von Bennigsen) theoretisieren. Hassenreuter will im Theater nur hohen Ton und Helden von edlem Geblüt sehen. Er schönredet wortgewandt, fast in schillerschem Versmaß. Sein Kontrahent dagegen vertritt Gerhart Hauptmanns persönliche Position: Er schreit: "Revolution" und will die Schicksale von Friseurinnen und Kellnern auf die Bühne bringen. Für das tatsächliche Drama der Armen und Verzweifelten vor ihren Augen jedoch haben beide Theoretiker keinen Blick: Frau John kauft dem polnischen Dienstmädchen Pauline deren Neugeborenes ab und gibt es als ihr eigenes Baby aus. Als die wahre Mutter das Kind zurückfordert, fliegen diverse Lebenslügen im Rattenhaus auf. Blut fließt, allerdings nur bei den Armen. Das Bürgertum schaut betroffen, zupft sich die zerzauste Frisur und das Einstecktuch wieder zurecht, und zieht sich zurück. Gerettet wird nichts. Das ist die Tragödie. […] Milena Paulovics inszeniert im ursprünglichen hauptmannschen Sinne, also naturalistisch, betont realistätsnah. Das heißt zum Beispiel, dass die Figuren aus der Unterschicht Dialekt sprechen. Dialekt bitterernst zu spielen – ohne Künstlichkeit, Peinlichkeit oder Klamauk – ist vermutlich noch schwerer, als Shakespeare-Verse lebensnah wirken zu lassen. Susann Thiede steht in der emotional komplexen Hauptrolle der Putzfrau mit Kindstodtrauma vor der größten Herausforderung. Deren aggressive, besitzergreifende Seite gibt sie mit eisenhart berlinernder Bravour. […] Der selbstmordnahen Befindlichkeit der Pauline gewinnt Laura Maria Hänsel mit schwerem polnischen Akzent und fehlerhaftem Deutsch bissige Komik ab. Michael Becker ist als Hausmeister Quaquaro mit zynischem Schalk ganz in seinem Element. Jochen Paletschek gelingt es, den Bruno nicht nur düster-brutal, sondern auch mit gebrochener Zartheit zu spielen. Unter den tragischen Figuren ist seine die eindrucksvollste.


Frank Dietschreit, Kulturradio rbb, 21.9.2014

Zwei Schauspieler beherrschen die Szenerie: Susanne Thiede verkörpert ihre Jette John als eine von widersprüchlichen Wünschen zerfressene und von ihren unerfüllten Sehnsüchten zerrüttete Frau. Mal ist sie himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. Mal säuselt sie verständnisvoll, mal wird sie zur aggressiven Furie. Nur Amadeus Gollner kann ihr schauspielerisch das Wasser reichen. Als Theaterdirektor Hassenreuter tänzelt er elegant über alle realen Abgründe hinweg und verscheucht mit seinen idealistischen Gemeinplätzen jeden Versuch, Kunst politisch zu verorten. (…) Beherrscht wird die Bühne von zwei ineinander verwobenen Eisentreppen. Auf ihnen kann man herrlich herumturnen und von einer Welt in die andere wechseln. So können die Figuren sich in einem von dunklen Wänden umstellten Durchgangsraum zwischen Dachboden und Wohnungen treffen und dort aufeinander prallen.

Bildergalerie

Film

»Die Ratten« Trailer (Staatstheater Cottbus)

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