Draußen vor der Tür

Schauspiel von Wolfgang Borchert
Fassung von Katka Schroth und Bettina Jantzen 

In nur wenigen Tagen verfasste der schwerkranke Hamburger Dichter Wolfgang Borchert das Hörspiel DRAUSSEN VOR DER TÜR, welches am 21. November 1947 – zum Theaterstück umgearbeitet – an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt wurde. Einen Tag zuvor starb der 26-jährige Autor und hinterließ neben diesem Stück, das zu einem herausragenden literarischen Ereignis in der Nachkriegszeit wurde, auch zahlreiche Kurzgeschichten und Gedichte. Borchert gilt als einer der wichtigsten Repräsentanten der Trümmerliteratur.

Am Ufer der Elbe begegnen sich zwei Gestalten: der Gott, an den keiner mehr glaubt, und der Tod, der als Beerdigungsunternehmer fett geworden ist. Dieser beobachtet, wie ein Mann ins Wasser springt. Es ist der ehemalige Unteroffizier Beckmann, der aus dem Krieg heimgekehrt ist und der alles nicht mehr aushält. Beckmann will sterben, doch der Fluss spuckt ihn zurück ans Ufer. Ihm steht der Andere gegenüber, der Jasager, der von ihm fordert, sich dem Leben zu stellen. Aber Beckmann kann die Zuwendung eines Mädchens nicht annehmen und scheitert bei den Versuchen, seinem früheren Oberst die Verantwortung zurückzugeben, im Kabarett Arbeit oder bei seinen Eltern Frieden zu finden. Immer wieder steht er draußen vor der Tür. Wie und warum sollte er das Leben bejahen? Er fühlt sich von Gott und der Welt verlassen und träumt sich in einen Todestraum hinein. Die anderen erscheinen ihm als seine Mörder, aber Beckmann entkommt auch seiner eigenen Schuld nicht.

Die Berliner Regisseurin Katka Schroth, die am Staatstheater Cottbus zuletzt Henrik Ibsens NORA ODER EIN PUPPENHAUS inszenierte, nähert sich Borcherts Stück gemeinsam mit dem Bühnenbildner Christoph Ernst und den Schauspielern auf assoziative Weise. In ihrer Inszenierung befinden sich sechs Männer von heute in einer Sinnkrise und phantasieren sich in Beckmanns Geschichte hinein. Für Momente glauben sie, selbst Beckmann zu sein, oder schlüpfen in die Rollen jener Personen, auf die er trifft. So entstehen Konfrontationen, die Fragen erzwingen: nach Verantwortung, nach Schuld und nach dem Sinn des Daseins.

►Das Stück ,,Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert ist als E-Book erschienen.

Das Programmheft zu DRAUSSEN VOR DER TÜR finden Sie nebenstehend als Download.
   Das Programmheft kann bei/vor der Vorstellung in gedruckter Form käuflich erworben werden. 

PREMIERE Samstag, 20. Februar 2016

Besetzung

RegieKatka Schroth
Bühne und KostümeChristoph Ernst
DramaturgieBettina Jantzen
RegieassistenzMatthias Grätz
 
DarstellerOliver Breite, Gunnar Golkowski, Thomas Harms, , Mirco Reseg, Henning Strübbe

Rezensionen

Frank Dietschreit, Kulturradio vom rbb, 27.2.2016

„Um zum Zeitlos-Allgemeinen und Drängend-Aktuellen vorzustoßen wird der alte Text als Steinbruch für eine aufregende Versuchsanordnung benutzt; und die sechs Schauspieler - Oliver Breite, Gunnar Golkowski, Thomas Harms, Johannes Kienast, Mirco Reseg, Henning Strübbe - sind von solch raumfüllender, stimmgewaltiger, wandlungsfähiger Präsenz, dass man sogartig hineingezogen wird in einen Strudel widerstreitender Gefühle und Gedanken. Dieser Beckmann braucht keine Gasmaskenbrille tragen und der Tod muss nicht mit Leichenknochen auf einem Xylophon aus Menschenresten spielen: wenn die sechs Kriegstraumatisierten davon erzählen, sehen wir das auch so vor unseren inneren Auge. Die Inszenierung packt einen, und wenn am Schluss die Beckmänner ermattet und verzweifelt einfach aufhören, weiterzuspielen - und vielleicht weiterzuleben -, schleicht man zutiefst aufgewühlt aus dem Theater."


Esther Slevogt, Nachtkritik, 20.2.2016

„In Cottbus spielt ein starkes und präzises Männerensemble diese Beckmann-Wiedergänger (die man sich heute randalierend vor Flüchtlingsheimen denken könnte): Oliver Breite, der sich am Ende mit Packband noch den Kopf verpackt und zuklebt, Thomas Harms, der den Abend mit der Melancholie des ewigen Losers anreichert, Gunnar Golkowski, Mirco Reseg, Henning Strübbe und Johannes Kienast. Und es ist faszinierend, wie die sechs Männer für Borcherts Text plötzlich ganz andere Lesarten ermöglichen. Die Flut der Toten, die Beckmann fantasiert, sind nicht mehr gefallene Wehrmachtssoldaten, sondern plötzlich die Toten (oder Überlebenden) der neuen Kriege, die nun (in den Wahnvorstellungen dieser Beckmanns) Deutschland überfluten. […] Katka Schroths radikale Inside-Out-Version des Stücks funktioniert nicht durchgängig. Manchmal sperrt es sich gegen diesen Zugriff, und dann entstehen regelrechte Drop-Outs im Fluss des Abends. Aber eine faszinierend neue Lesart dieses Dramas, das sie zum Psychogramm des von der Gegenwart überforderten Deutschen macht, eröffnet sie mit ihrem tollen Ensemble doch.“


Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 22.2.2016

„[…] Dieser Beckmann ist in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus nicht mehr draußen, sondern ganz drinnen bei sich und seiner Verzweiflung. Und der Zuschauer ist mit und bei ihm. Das heißt, bei ihnen. Denn es sind sechs Männer, die den einen Beckmann und alle anderen Figuren von Borcherts Stück spielen. Aber weniger, als dass sie die anderen Figuren wirklich spielen, sondern eher, indem sie diese mit ihren Haltungen herbeizitieren.“

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