Drei Mal Leben

Stück von Yasmina Reza
In der Übersetzung von Eugen Helmlé

Gerade als Sonja und Henri darüber streiten, ob ihr Kind zum Einschlafen Äpfel oder Kekse essen darf, stehen Hubert Finidori und dessen Frau Ines vor der Tür. Jemand hat das Datum verwechselt, weshalb statt des geplanten Abendessens Salzgebäck und Appetithäppchen auf den Tisch kommen. Für den Astrophysiker Henri hängt von diesem Treffen alles ab. Nach drei Jahren plant er wieder eine wissenschaftliche Veröffentlichung und nur Huberts Empfehlung kann seine Karriere voranbringen. Der aber wirft die Information über einen Konkurrenzartikel in die Runde, die Henris Arbeit schlagartig zunichte macht. Er ringt verzweifelt um Fassung, Hubert genießt seine Überlegenheit, Ines bemüht sich um Verständnis, nebenan entwickelt sich das Kind zum Tyrannen und Sonja platzt der Kragen …

Dass dieser Abend auch völlig anders verlaufen kann, zeigt Yasmina Reza durch einen geradezu genialen Kniff: Drei Mal lässt sie die beiden Paare aufeinander treffen und treibt durch feine Veränderungen der Macht­ver­hältnisse das Geschehen in überraschende Richtungen. Wie schon in ihrer Komödie „Kunst“, mit der ihr 1994 der internationale Durchbruch gelang, oder in „Der Gott des Gemetzels“, dessen Verfilmung kürzlich in den Kinos lief, schreibt Yasmina Reza auch in DREI MAL LEBEN brillante Dialoge voller Humor und nimmt mit Feingespür die Probleme einer gutbürgerlichen Mittelschicht aufs Korn. 

PREMIERE Mittwoch, 8. Mai 2013

Präsentiert von

Besetzung

RegieAmadeus Gollner
Bühne und KostümeMathias Rümmler
DramaturgieBettina Jantzen
RegieassistenzMaria Bock
 
HenriOliver Seidel
SonjaLaura Maria Hänsel
Hubert FinidoriGunnar Golkowski
Ines FinidoriSigrun Fischer

Rezensionen

Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 10.5.2013

„Schon wieder viel gelacht in Cottbus. Und wieder auf hohem Niveau. Bei einem tollen Stück mit wunderbaren Schauspielern. […] Alles spielt zwischen Wohnzimmersofa und Kinderzimmer. Sonja arbeitet Akten auf, als Ehemann Henri aus dem Kinderzimmer kommt. Oliver Seidel gibt diesen Henri vom ersten Blick an als einen schlaff verduckten Mann, der den Wunsch des ins Bett gebrachten Sohnes nach einem Keks (nach dem Zähneputzen! Im Bett!) vorträgt wie jemand, dem die ängstliche Erwartung auf den ehefraulichen Widerspruch schon in der Körperhaltung anzusehen ist. Sofort ist klar: Das wird eine größere Sache. Denn Laura Maria Hänsel, als Sonja tough, energisch und genervt von der Nachgiebigkeit ihres Mannes, baut gleich eine Barriere aus Erziehungsregeln auf. […] Es macht deutlich nicht nur dem Publikum, sondern auch den animierten Schauspielern Vergnügen. Wie zum Beispiel Sigrun Fischer aus der leicht spießig topfigen, ‚einfachen‘ Hausfrau und Mutter Ines, die sich gegen die herablassende Ironie ihres Mannes wehrt, nicht nur wegen ihres enormen Weinkonsums mit vollem Körpereinsatz eine Frau mit vielen Facetten macht, ist allein den Abend wert. Oder wenn das Ekel Hubert (Gunnar Golkowski) zur Kumpelei oder Trauer und durch Alkohol zur enthemmten Lockerheit gelangt. Oder wenn Oliver Seidel seinen Henri nun in Selbstbewusstsein und Aufmüpfigkeit überführt. So verwandeln sich die Darsteller immer wieder aufs Neue und bleiben dabei doch in ihrer Rolle. All das ist nicht nur ungemein gelächterträchtig, sondern verschafft dem Zuschauer auch ganz beiläufig Fragen zu und Erkenntnisgewinn über seine eigenen Verhaltensweisen. Es gibt wenige Komödien, die mit so leichter Autorinnenhand so souverän über und unter der Abbild-Oberfläche des mittelständischen Beziehungs(un)wesens auf Forschungsreise gehen. Auch wenn das Stück eine Steilvorlage für Schauspieler ist: Wie die Cottbuser Schauspieler diese aufnehmen, ist schon beeindruckend.“


Jens Pittasch, Blicklicht, Juni 2013

„Wunderbar wandern Spannungsbögen zwischen den jeweiligen Partnern aber auch über Kreuz hin und her, wie zwischen allen Personen gespannten Gitarrensaiten. Und man weiß nicht, welche zuerst reißt, zuerst überdehnt wird und allen um die Ohren fliegt. Großartig wurde auf Details geachtet, Kleinigkeiten, Marotten und Feinheiten der Charaktere […] ‚Drei Mal Leben‘ ist fesselnd, mitreißend, fröhlich, ernstes Schauspiel-Theater, einer Herausforderung und Chance, viermal – nein fünfmal (Regie) perfekt genutzt.“

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Ich hatte das Glück, ein Premierenticket zu bekommen und war von der Inszenierung angetan. Schauspieler, Handlung passten, das Bühnenbild aufs Neue sehr gelungen. Einzig störte mich, dass der Spannungsbogen nach …