Egmont

Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen von Johann Wolfgang Goethe

An und für sich läuft alles gut in den Niederlanden, Egmonts Heimat. Margarete von Parma, von der Spanischen Krone eingesetzt, ist eine umgängliche Landesmutter. Unter ihr heißt es „leben und leben lassen". Der Status quo ist für Egmont, Wilhelm von Oranien, die anderen Fürsten und die Bürger gesichert. Diese schätzen Egmont sehr, „weil man ihm ansieht, dass er uns wohlwill, weil ihm die Fröhlichkeit, das freie Leben, die gute Meinung aus den Augen sieht". Als der Mob in der Provinz für Unruhe sorgt, tritt in Brüssel der strenge Herzog Alba an die Stelle von Margarete. Er sieht in Egmont und Oranien die Spitze einer aufkeimenden Opposition und will an ihnen ein Exempel statuieren. Im Land soll wieder Ordnung herrschen. Das sympathische Chaos, in persona Egmont, muss verschwinden. Egmont unterschätzt Alba, der ihn verhaften und zum Tode verurteilen lässt. Es regt sich kein Widerstand bei den Bürgern, die ihren Egmont vorher noch so sehr verehrten. In dem neuen Geist, der mit Alba einzieht, sehen sie eine Chance zu Aufbruch und Veränderung. Egmont, an dem Goethe mit Unterbrechungen von 1775 bis 1788 schrieb, ist ein Stück, in das die politischen Erfahrungen Goethes einfließen. Zum einen zeigt es deutlich die Wankelmütigkeit des Volkes, zum anderen aber auch die Kräfte, die auf persönlicher Ebene ganze Landesgeschicke formen können - sei es die Rivalität zwischen Alba und Egmont oder die Freundschaft zwischen Egmont und Oranien. Dabei ist gut zu beobachten, wie das Persönliche und das Politische nicht voneinander zu trennen sind.

PREMIERE Samstag, 11. September 2010

Besetzung

RegieBernd Mottl
BühneThomas Gabriel
KostümeNicole von Graevenitz
KlanggestaltungChristoph Kalkowski
DramaturgieGuido Neubert
RegieassistenzAnniki Nugis
Margarete von ParmaJohanna Emil Fülle
Graf EgmontAmadeus Gollner
Wilhelm von OranienGunnar Golkowski
Herzog von AlbaKai Börner
FerdinandChristian Meier
MachiavellBerndt Stichler
RichardOliver Seidel
Klärchen
Klärchens MutterSusanne Szell
BrackenburgRoland Schroll
Soest, KrämerOliver Seidel
Jetter, SchneiderinSusanne Szell
ZimmermannBerndt Stichler
BuyckGunnar Golkowski
RuysumChristian Meier
VansenThomas Harms
 
Egmont (jung), Alba (jung), Volk, Gefolge, Wachen usw. Statisterie

Rezensionen

Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 16.9.2010

„Auch wenn Regisseur Bernd Mottl das Stück energetisch aufgepumpt hat, die Goethe'sche Grazilität hat er nicht zertrümmert. Das wäre mit Schauspielern wie Amadeus Gollner (Egmont), Katharina Victoria Panzer (Klärchen) oder Bernd Stichler (Machiavell, Zimmermann) auch schwer möglich gewesen, die ihre Figuren bis in die hintersten Seelenwinkel ausloten. Gollner spielt den Egmont als Polit-Sunnyboy in goldenen Strumpfhosen, ein Typ, den die Griechen als Liebling der Götter bezeichnet hätten, dem die Herzen zufliegen, der aber durchaus nicht nur ein Tagedieb, ein Leichtfuß und Antigrübler ist. Gollner lässt seinen Egmont wunderbar zwischen Freigeistigkeit, Naivität, Besonnenheit, Impulsivität, Fatalismus und unbedingter Zukunftsgläubigkeit changieren. [...]
Und so spielt diese Inszenierung trotz aller knalligen Effekte, die es zwischendurch gibt, immer auf den Text zu, den sie weder deckelt noch verschluckt noch verunziert. Als Einladung, Goethe wieder oder neu zu entdecken, ist der Cottbuser ‚Egmont' unbedingt zu empfehlen."


Martin Stefke, Märkische Allgemeine, 14.9.2010

„'Egmont' als Schnelldurchlauf, als Feuerwerk - die Premiere des Stückes von Johann Wolfgang von Goethe ging rasant, effektvoll, manchmal lärmig und grell-plakativ über die Bühne des Staatstheaters Cottbus. [...]. Dennoch ist dieser ‚Egmont' eine konzentrierte, ja kunstvolle Aufführung, verdichtet und geschnitten wie ein Film. Thomas Gabriel gelingt mit seiner Bühne aus Tischen und Stühlen, die im tiefen Schwarz des Theaterrunds zu Symbolen der Ordnung und der Macht aufsteigen, ein Meisterstück."


Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 13.9.2010

„Goethes wortgewaltiges, bedächtig-umständliches und zugleich hochfahrendes Stück hat Bernd Mottl in aggressiv aktualisierender Bearbeitung auf die Cottbusser Bühne gebracht. [...] Bernd Mottls Inszenierung setzt insgesamt vor allem auf Eindeutigkeit. Sein Egmont hüpft wie ein überzeichneter und überdrehter Popstar ganz in Weiß aus dem Zuschauerraum auf die Bühne: Über der Fantasieuniform ein ballonartig aufgeplustertes Hosenröckchen und das Goldene Vlies als fette Goldkette prahlerisch und malerisch um den Hals gehängt. Die Inszenierung will diesen in seine politische Rolle hineingeborenen Grafen Egmont als Gegenmodell zu all den rationalen Denkern und Taktikern gesehen wissen, die sich hier vor dem oder für und gegen das Volk abmühen. Also die alte Frage stellen: Welche Art Politiker brauchen oder wollen wir?"


Oliver Kranz, Kulturradio vom rbb, 13.9.2010

„Regisseur Bernd Mottl zeigt Egmont als einen selbstverliebten Exzentriker, der aber durchaus etwas Sympathisches hat. [...] Amadeus Gollner spielt das sehr überzeugend. Er dreht sich in immer neue selbstverliebte Posen, aalt sich förmlich in der Bewunderung, die ihm überall zuteil wird. Als Herzog Alba ihn auflaufen lässt, ist er überrascht, und in Gefangenschaft setzt dann die Wandlung ein. [...] Mottl hat sich von seinem Bühnenbildner Thomas Gabriel eine abstrakte Szenerie aus schwebenden und übereinander gestapelten Tischen und Stühlen entwerfen lassen, die zu immer neuen Räumen zusammengeschoben werden können. Das ermöglicht vielfältige Assoziationen: Man sieht den Befreiungskampf der Niederlande und politische Machtkämpfe von heute. Die Inszenierung ist der intelligente Gegenbeweis zur These, dass im modernen Regietheater Klassiker immer nur verstümmelt oder verkleinert werden."

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Wir möchten danke sagen für den gestrigen Abend (Egmont am 16.10.2010 – Anm. d. Adm.). Eine sehr schöne Ensembleleistung, bei der uns besonders Amadeus Gollner, Kai Börner, Kathrin Panzer und …