König Lear

von William Shakespeare
In einer Fassung von Mario Holetzeck 

Regisseur Mario Holetzeck bringt mit eindringlichen Bildern eine sehr eigene Version dieses großen Shakespeare-Stückes auf die Bühne. Er erzählt von einer Frau an der Macht, die beschließt, ihr Leben zu ändern. Lear, die Königin von Britannien, hat viele Jahre mit strengem Regime regiert. Nun will sie das Reich ihren Kindern überlassen, die zuvor einen Liebesbeweis erbringen sollen. Während sich Tochter Goneril und Sohn Reagan des zugedachten Anteils am Heimatland scheinbar würdig erweisen, zieht Lears Lieblingssohn Cordo durch sein Schweigen den Zorn der Mutter auf sich und wird verbannt. Geknüpft an die Bedingung einer gesicherten Altersversorgung übernehmen nun Goneril und Reagan mit ihren Ehepartnern die Regierung. Aber schon bald steht Lear deren Verrat gegenüber. Im Hause des Grafen Glosters treibt zeitgleich dessen uneheliche Tochter Edmund mit subtilen Intrigen ihren älteren Bruder Edgar in die Flucht und den Vater in die Verzweiflung. Lear und Gloster sehen sich im Folgenden hilflos einer Welt ausgesetzt, in der alle gesicherten Fundamente zerstört werden. Auf unterschiedliche Weise verlieren beide ihre äußere und innere Heimat. Begleitet von treuen Narren oder verkehrten Bettlern müssen sie schmerzhaft die Auswirkungen ihrer Erziehung erleben.

PREMIERE Samstag, 20. November 2010

Besetzung

RegieMario Holetzeck
BühneGundula Martin
KostümeSusanne Suhr
MusikHans Petith
KampfchoreographGunnar Helm
DramaturgieBettina Jantzen
RegieassistenzAnniki Nugis
Lear, Königin von Britannien
Königin von FrankreichGabriele Lohmar, Susann Thiede
Graf von Kent, NarrBerndt Stichler
Herzog von Albany
GonerilJohanna-Julia Spitzer
Oswald
Herzogin von CornwallLaura Maria Hänsel, Ariadne Pabst
ReaganOliver Seidel
CordoRoland Schroll
Graf von GlosterRolf-Jürgen Gebert
EdgarAmadeus Gollner
EdmundJohanna Emil Fülle
Ein NarrAlexander Gehlsdorf
Musiker 1Hans Petith
Musiker 2Tobi Dutschke
Musiker 3Dietrich Petzold
Soldaten Cornwalls Statisterie
Soldaten Lears Statisterie

Rezensionen

Stefan Amzoll, Lausitzer Rundschau, 22.11.2010

„Zu erleben war ein kraftvolles, gedankenreiches, aufregendes Theater, wie es selten ist. Die Rolle der Lady Lear hat eine so unnachahmliche wie großartige Trägerin: Heidrun Bartholomäus. Cottbus kennt sie von früher, als sie noch jünger war, hochbegabt. Älter geworden, bringt sie Lady Lear voller Naivität und Weisheit, voller Elan und Erschütterung. Eine Frau, die zusammenzuhalten sucht, was schon auseinander gesprengt ist, die den Grafen von Kent (Berndt Stichler) verstößt, weil er gemahnt hat, Vorsicht walten zu lassen. Der aber heimlich zu ihr zurückkehrt, als weiblicher Narr verkleidet, fortan ihr Wegbegleiter wird, der ihr vorsingt, was sie nicht hören will, obwohl es ihr doch so gefällt. Ein närrisches, humorvolles Paar noch, als die Königin schon verrückt geworden ist, die eigenen Kinder ihr ihre Streitmacht entrissen haben und untereinander mordsfeindlich sind. Parallel läuft der Strang um den Krieger Graf von Gloster, Rolf-Jürgen Gebert gibt ihm kräftige Kontur. […] Äußerst kunstvoll gestaltet die Rollen seiner zwei Kinder. Tochter Edmund, ein Bastard, von der blonden schlanken großen Johanna Emil Fülle kampfbetont und abgefeimt gespielt, scheint die Verruchteste von allen. […] Amadeus Gollners Edgar, Glosters Sohn, der vom Vater Verstoßene, sieben Jahre durch die Natur Irrende, ist derart eindringlich, derart agil, quirlig, behänd, auch artistisch umgesetzt, dass man seinen Augen und Ohren kaum traut. Nicht minder überwältigend die Kampfszenen. […] Wie dem gesamten Ensemble hohe Anerkennung gebührt, so den drei Musikern im Graben. Was da kam, ist wahrlich selten zu erleben. Sie dürfen klanglich-szenisch über weite Felder gebieten. Fast die ganze Aufführung haben der Percussionist Tobias Dutschke, Dietrich Petzold (Geige, Viola etc.) und der Tastenspieler Hans Petith zu tun. Wie ein Netz spannt sich die vielfarbige, in mannigfachen Funktionen figurierende Musik um die Szenerie.“


Gunnar Decker, Neues Deutschland, 30.11.2010

„Die Bühne von Gundula Martin ist ein bemerkenswertes Konstrukt, gebaut aus Geometrie und greller Farbe – zumeist in Bewegung auf- und abwärts, mitunter einen kaum zu überbietenden Steilhang als Spielfläche darbietend. Durchaus eindrucksvoll fließen die Szenen so vorbei, als ein bunter Bilderstrom.“


Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 4./5.12.2010

„Die ‚unspielbare‘ Tragödie erhält frappierend klare Bildstrukturen durch die Ebenen und Drehungen und Zerstörungen, die Gundula Martin durch ein funktional-lineares Bühnenbild schafft, das Szenen bisweilen ausstellt wie in Bilderrahmen.
Der entscheidende Kunstkniff aber ist das Aufsetzen, ja Aufbürden der mütterlichen, der emanzipierten Ebene. Statt des sicher nur eitel-grausamen Königs ist da die Erfolgsfrau, die sich niemals schonte, verschlissen nun an Körper und Seele. […] Die Herrin und Mutter (Heidrun Bartholomäus) wird nach drei Stunden Spiel vor atemlosem Publikum im Wahnsinn enden, die toten Kinder auf ihrem Schoß. Das Licht in ihrer Irre, der Narr und verstoßene Kent (vornehm gezügelt von Berndt Stichler gegeben), vermag ihr nicht mehr den Weg aus allen tragischen Lebensverstrickungen zu weisen. Statt der drei Töchter eine Schwester und zwei Brüder – auch hierdurch gewinnt die Tragödie spielbare Lebensnähe. […] Ein packender Abend mit sehr viel Beifall!“

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Eine wirklich klasse Inszenierung! Ein großes Lob an Mario Holetzeck für diesen grandiosen Theaterabend! Ich bin ganz begeistert von den Kostümen und dem Bühnenbild und möchte auch gleich meinen Hut …