Meier Müller Schulz oder Nie wieder einsam!

Eine Geiselfarce von Marc Becker 

Herrn Meier fehlt es nicht an Geld, aber wochenlang klingelt keiner an der Tür und das Telefon bleibt stumm. Fernseher und Radio geben Geräusche von sich, doch die Wände seiner Wohnung schweigen beharrlich. Sein Kühlschrank ist kein Gesprächspartner und der  Küchentisch kein Objekt, in das er sich verlieben könnte. Herr Meier spürt jedoch eine Sehnsucht und beschließt, etwas in seinem Leben zu verändern. – Eines Tages kommt er nicht mehr allein, sondern mit Herrn Schulz nach Hause. Der ist Lehrer, verlobt, hat einen Sohn, trägt eine Augenbinde, dazu Handschellen und bewegt sich vor Herrn Meiers gezückter Pistole. Kaum hat Herr Schulz auf dem Sofa Platz genommen und das von Herrn Meier geschmierte Käsebrot gegessen, klingelt es an der Tür. Die Nachbarin Frau Müller hat sich ein Herz gefasst, mit Herrn Meier Kontakt aufzunehmen, denn sie benötigt dringend Nachbarschaftshilfe. Überraschenderweise lernt Frau Müller jetzt auch den sympathischen Herrn Schulz kennen, für dessen ungewöhnliche Lage Herr Meier zunächst einleuchtende Begründungen findet. Aber dank Frau Müller dauert es nicht lange, bis alle drei einander und der tatsächlichen Situation direkt ins Auge sehen: Dies ist eine Geiselnahme! Vermutlich würde die anders verlaufen, kämen sich nicht plötzlich drei Menschen näher, die etwas miteinander verbindet: ihre Einsamkeit. Warum eigentlich nicht das Schicksal in die Hand nehmen, ausbrechen aus dem Gefangensein in der eigenen Existenz? Meier, Müller und Schulz packen es an. Sie werden zu tragikomischen Helden gegen den Wahnsinn, der sich in der Normalität versteckt, und zu ungewollten Vorreitern einer gesellschaftlichen Bewegung.

Der 1969 geborene Autor Marc Becker schreibt und inszeniert u.a. in Heidelberg, Mainz, Groningen und Oldenburg, wo er auch jahrelang als Hausautor und -regisseur engagiert war. Das Schauspiel MEIER MÜLLER SCHULZ entstand 2009 als Auftragsstück für das Oldenburgische Staatstheater. Regisseurin Alexandra Wilke, die sich kürzlich in Cottbus mit IM ABSEITS vorstellte, inszeniert diese komisch-schräge Geiselfarce in der Kammerbühne.

PREMIERE Samstag, 26. September 2015

Präsentiert von

Besetzung

RegieAlexandra Wilke
Bühne und KostümeCleo Niemeyer
DramaturgieBettina Jantzen
Musikalische Beratung Hans Petith
RegieassistenzMatthias Grätz
 
Herr MeierThomas Harms
Herr SchulzHenning Strübbe
Frau MüllerSigrun Fischer

Rezensionen

Lausitzer Rundschau, 28.9.2015, Gabriele Gorgas

„[Bei Sigrun Fischer] ist jeder Moment stimmig und auf den Punkt gebracht. Ihre Frau Müller beherrscht diese spezielle Art des Erzählens und Überraschens, dieses feine Überzeichnen mit Erkennungswert, und sie ist auch ganz wunderbar in der Körpersprache. […] im Gesang, im Zelebrieren des Textes ist das Trio der Einsamen – vereint und getrennt – einfach unschlagbar. Wobei auch die sparsame Bühne, die Kostüme von Cleo Niemeyer diese für das Stück erforderliche Gratwanderung sinnfällig machen – im bewussten Verzichten, durchlässigen Andeuten und Assoziieren, in der Illusion und Tragik. Eine Farce ohne Bosheit und Ausgrenzung, wo letztlich jeder zu den „Siegern" zählen kann. Bei der das Geschehen nur ein Symbol dafür ist, sich selbst am Schopf zu packen, um sich aus dem Sumpf, aus der Tristesse herauszuziehen, Wege zu suchen, Möglichkeiten zu finden. Was ja nicht zwangsläufig zur Obsession führen muss.“


Niederlausitz aktuell, 3.10.2015, Michael Apel

„Regisseurin Alexandra Wilke inszenierte diese Geschichte mit Tempo und Witz, in einem Bühnenraum (Cleo Niemeyer) der ganz bewusst an die Bauweise einer P 2 Wohnung erinnert. Die funktionelle, aber sparsame Ästhetik gibt den Schauspielern ausreichend Raum und konzentriert die Betrachtung auf das Wesentliche. Am besten funktioniert das Ganze dann, wenn die Regie direkt am Text bleibt und den Figuren ihren Lauf lässt. An einigen Stellen steigen diese jedoch aus ihren Rollen aus und wenden sich direkt an das Publikum, wenn etwa Frau Müller die Zuschauer fragt, ob diese denn von jemand vermisst würden. […] Neu im Schauspielensemble des Staatstheaters, hat Henning Strübbe mit der Rolle des Herrn Schulz einen guten Einstand gegeben der neugierig auf Weiteres macht. Die Wendungen dieser Figur echt und nachvollziehbar zu gestalten, stets das richtige Maß zu finden, dass die ganze Geiselnahme auch am Anfang immer komisch bleibt und im weiteren Verlauf eine Sympathie zu seinem Geiselnehmer zu entwickeln, das alles spielt Hennig Strübbe mit einer glaubwürdigen Selbstverständlichkeit. Dazu singen alle drei Schauspieler wunderbar arrangierte Lieder (Hans Petith) die nicht nur inhaltlich gut ins Stück passen, sondern auch für sich selbst genommen kleine Leckerbissen sind.Insgesamt ein herrlicher Theaterabend der bei einer Länge von 1h 30min, plus Pause, genug Zeit lässt im Anschluss bei Bier, Wein oder Tee mit Freunden und Bekannten über Einsamkeit zu sprechen oder über jene Dinge und Personen nachzudenken die einen selbst zur Geisel gemacht haben.“

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