Nora oder Ein Puppenhaus

Schauspiel von Henrik Ibsen
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel

Nora spielt für ihren Ehemann, den frisch berufenen Bankdirektor Torvald Helmer, gern das putzige Eichhörnchen oder tanzt für ihn als Capri-Mädchen eine Tarantella. Perfekt scheint die Welt der Familie Helmer, ihre Ehe, ihr Haus, Kinder und Karriere. Aber dann platzen alte Bekannte herein, Noras Schulfreundin Kristine auf der Suche nach Arbeit und Torvalds ehemaliger Freund Krogstad, der befürchtet, in der Bank seinen Job zu verlieren. Durch sie gerät Nora  unter Druck und offenbart ein Geheimnis: Um ihrem Mann eine Kurreise zu ermöglichen, hatte sie vor acht Jahren ohne dessen Wissen einen Kredit aufgenommen und eine Unterschrift gefälscht. Nur so konnte sie ihm das Leben retten. Was sollte falsch gewesen sein? Jetzt entwickelt sich daraus eine explosive Mischung aus Erpressung, Lügen und subtilen Machtkämpfen, die Nora zwingt einen neuen Blick auf ihr Leben zu werfen. 

Henrik Ibsens 1879 uraufgeführtes Stück zeigt, wie eine Frau gegen alle gesellschaftlichen Konventionen aus ihrem Leben ausbricht. Diese Geschichte einer Emanzipation lassen die Berliner Regisseurin Katka Schroth und ihr Ausstatter Christoph Ernst tatsächlich in einem „Puppenhaus“ spielen, das offenbart, wie alle Figuren in jeweils beklemmenden, geheimnisvollen, verlogenen oder absurden Situationen agieren.

PREMIERE Samstag, 3. Mai 2014

Präsentiert von

Besetzung

RegieKatka Schroth
Bühne und KostümeChristoph Ernst
DramaturgieBettina Jantzen
RegieassistenzMatthias Grätz
 
Advokat HelmerOliver Breite
NoraAriadne Pabst
Doktor RankMichael Becker
Frau LindeLaura Maria Hänsel
Frau Linde
Rechtsanwalt KrogstadJochen Paletschek

Rezensionen

Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 5.5.2014

„Katka Schroths Inszenierung reicht von subtiler Anspielung über sexuelle Dramatik bis hin zur grotesken Übersteigerung. […] Ibsens gemütliches Zimmer mit Kupferstichen und Nippes hat Bühnenbildner Christoph Ernst durch eine offene, zweigeschossige Wohnung mit jeweils vier Zimmern pro Geschoss ersetzt. Kein Naturalismus, auch wenn es so scheint. Ein Zeichensystem eher, in dem jeder um wenigstens seine Existenz kämpft. […] Regisseurin Katka Schroth nimmt Ibsens Stück in Cottbus auseinander und setzt es unordentlich wieder zusammen. Einen direkten Realismus scheut die Regisseurin dabei wie der Teufel das Weihwasser. Was bei Ibsen niedlich und miefig wirkt, wird bei ihr durch groteske Übersteigerung weggewischt. […] In Cottbus wird die Geschichte vom gerade ernannten Bankdirektor Torvald und seiner Frau Nora, deren Ehe auf einer Lüge gut zu stehen scheint, als Kampfspiel inszeniert. Und die Darsteller werfen sich mit deutlicher Lust und vollem Körpereinsatz ins Bedeutungsspiel. […] Ernst nehmen wir alle diese Leute nicht. Aber wir schauen ihnen gerne zu. Weil sie komisch sind. Und dabei darstellerisch artistisch. Und weil sie uns in ihrer scheinbaren Fremdheit so nahe kommen.“


Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 5.5.2014

„In der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus haben sie [Regisseurin Katka Schroth und Ausstatter Christoph Ernst, d. Red.] eine große Puppenstube aufgebaut um darin Henrik Ibsens Drama ‚Nora oder ein Puppenhaus‘ zu zeigen. Vier Stübchen unten, vier oben. Die Zuschauer haben sie die ganze Zeit im Blick. Sie sehen, wer was wo treibt im Hause der Familie Helmer, wo Ibsens Drama als schockierende Farce ohne Pause durchrauscht. Am Ende fühlt man sich wie geohrfeigt von diesem Stück und seltsam betroffen, als hätte man hilflos der Selbstzerfleischung einer Familie beiwohnen müssen, die man kennt und die einem nicht mal unsympathisch ist. […] Die Helmers – das kann jeder sein, so hat Katka Schroth ihre Inszenierung angelegt. Sie zielt auf das ganz Persönliche, und man könnte Wetten eingehen, dass sie damit fast jeden Zuschauer trifft. Also jeden, der sich in einer Zweisamkeit befindet oder befand. Sie wühlt nicht so sehr die große gesellschaftliche Tragik auf, auf die Ibsen einst zielte: Dass Frauen zu seiner Zeit zu Menschen ohne eigenen Willen erzogen wurden, damit ihre gesellschaftliche Rolle fanden und sich selbst verloren. Denn was soll uns diese Anklage heute aufregen, wo wir von einer Frau regiert werden und unserer Armee eine Frau voranmarschiert? Deshalb verzichtet die Regisseurin auf frauenrechtlerische Grundsatzdebatten. Stattdessen fragt sie mit ihrer Nora-Interpretation, wie sieht es denn in euren Beziehungen aus? Lebt ihr oder wohnt ihr nur zusammen? Ist eure Partnerschaft ein Dialog oder eine Wohlstands-, Meinungs-, Geschmacksdiktatur? Ist euer Sex ein Geschäfts-, ein Liebes- oder ein Gewaltakt? Ist Liebe für euch, den anderen so zu nehmen, wie er ist oder wie ihr ihn gern hättet? Seid ihr ehrlich miteinander oder habt ihr euch in Verlogenheit eingerichtet? […] Ariadne Papsts Nora wirft sich hinein in den Willen der anderen. Man spürt, wie das aufreibt, wie das verrückt macht, wie das körperlich und seelisch auszehrt. ‚Ich war nur lustig, nie glücklich‘, sagt sie. Genauso gespalten sind auch die anderen, bis ins Groteske verzerrten Figuren. Der Ehe-Idiot Helmer (Oliver Breite), der mal freundliche, mal aufgegeilte Hausfreund Rank (Michael Becker), der panisch verängstigte und erpresserische Krogstad (Jochen Paletschek) und Noras überreizte Freundin Christine (Laura Maria Hänsel). Auch sie haben sich in der Enge dieses Bühnenbildes die Seele aus dem Leib gespielt. So als ob sich die Zusammenballung in Christoph Ernsts Puppenstube eruptiv entladen musste. Man könnte auch sagen, es war Theater wie ein Vulkanausbruch.“


Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 10.5.2014

„Theater total veranstaltet Katka Schroth in winzigen Zimmerchen voller flimmernder Fernseher eines Puppenhauses (Ausstattung: Christoph Ernst), das zweigeschossig die Bühne des ohnehin engen Kammertheaters füllt. […] Wer wirklich Lust auf Theater hat, geht da hin. Das muss man gesehen haben.“

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