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Kammerbühne
14.05.2017, Sonntag, 19:00 UhrKarten online kaufen

Novecento (Die Legende vom Ozeanpianisten)

Stück von Alessandro Baricco
Aus dem Italienischen von Erika Cristiani

Im Jahr 1900 findet Danny Boodmann, Maschinist des Ozeandampfers „Virginian“, eines Tages einen Säugling, der in einem Pappkarton mit der Aufschrift „T.D. Lemon“ auf dem Klavier zurückgelassen wurde. Boodmann nimmt sich des Waisenkindes an und gibt ihm den klangvollen Namen Danny Boodmann T.D. Lemon Novecento. Auch die Besatzung gewinnt das an Bord aufwachsende Kind über die Jahre lieb und vermisst es schmerzlich, als es nach einem tödlichen Unfall seines Ziehvaters auf mysteriöse Weise verschwindet. Doch dann taucht es Wochen später wieder auf: Es sitzt am Klavier und spielt selbstvergessen eine Melodie. Von nun an wird es das Schiff nie wieder verlassen. 

Jahre später – es sind die goldenen Jahre des Jazz und die „Virginian“ pendelt ununterbrochen zwischen New York und Europa hin und her – stößt der Trompeter Tim Tooney zur Band des Dampfers hinzu, die täglich mehrfach vor den Passagieren der ersten bis dritten Klasse spielt. Er freundet sich mit dem inzwischen legendären Pianisten Novecento an, der die Welt nie gesehen hat, doch auf den 88 Tasten seines Klaviers auf derart einzigartige Weise von ihr erzählt, dass seine Zuhörer zu Tränen gerührt sind und mitunter sogar in Trance verfallen.

Im Monolog NOVECENTO (DIE LEGENDE DES OZEANPIANISTEN) des italienischen Autors Alessandro Baricco erzählt der Trompeter Tim Tooney die Geschichte eines charismatischen Ausnahmemusikers, der auf einem Ozeandampfer zur Welt kam, sein Leben auf ihm verbrachte und in den Wirren des Zweiten Weltkriegs mit ihm unterging. Das Stück wurde 1998 verfilmt und ist eine wunderbare Liebeserklärung an die Improvisationskunst des Jazz sowie an die alle Barrieren überwindende Kraft der Poesie. Die junge Regisseurin Ulrike Müller inszeniert erstmals in Cottbus und nimmt sich dieser Geschichte über eine besondere Männerfreundschaft an, welche sich auf den stürmischen Wogen der Zeit entwickelt und zunehmend an Tiefe gewinnt.

PREMIERE Samstag, 30. April 2016

Besetzung

RegieUlrike Müller
Bühne und KostümeHans-Holger Schmidt
VideoJan Lehmann
SoundkompositionRoman Strack
DramaturgieSophia Lungwitz
RegieassistenzMatthias Grätz, István Farkas
 
DarstellerGunnar Golkowski
 
Novecento als Kind Emil Grunske/Carlos Maziul

Rezensionen

Dr. Frank Dietschreit, Kulturradio vom rbb, 2.5.2016

„[…] Es gibt kein Schiff, keine Jazz-Band, keinen Ballsaal und keine tanzenden Menschen, nur den einsamen Erzähler Tim Tooney, verkörpert in einem furiosen Schauspiel-Solo von Gunnar Golkowski. Er agiert mit sparsamen schauspielerischen Mitteln: er grimassiert nicht ständig, er schlüpft auch nicht in immer neue Kostüme, wenn er paraphrasiert und persifliert, was ein Matrose oder ein Musiker denkt und sagt. Er flaniert einfach durch seine Erinnerungen und spaziert mit leicht akzentuierten Worten durch die schöne und traurige Legende des Ozeanpianisten, die beim Sprechen in seinem Kopf –  und damit auch in unserer Fantasie – entsteht. […] Es ertönen keinerlei Jazz-Klänge: auch vom Jazz wird nur erzählt. […] Dieser Verzicht auf jede Jazz-Nostalgie ist absolut überzeugend, denn die Inszenierung sucht in der Reduktion der Mittel und in der Konzentration auf die Worte den zeitlosen Kern der Geschichte: und der liegt nicht darin, dass wir uns an einem tollen Ragtime erfreuen oder am liebsten das Tanzbein schwingen wollen, sondern darin, dass Kunst Fantasie freisetzt und Welten erschafft, dass wir Bilder sehen, wo keine sind, und Musik hören, wo keine erklingt. Die Legende vom Ozeanpianisten wird in dieser gerade einmal 65-minütigen Inszenierung zu einem poetischen Manifest: Novecento mag sterben, die Kunst wird ewig leben.“


Ingrid Hoberg, Lausitzer Rundschau, 2.5.2016

„Kann das funktionieren? Ein Stück, das die Legende vom Ozeanpianisten erzählt und mit einem einzigen Ton auf dem Klavier auskommt? […] Ulrike Müller (die Regisseurin, d. Red.) hat […] die Musik ‚ausgesperrt‘ in ihrer ersten Inszenierung am Staatstheater Cottbus. Für sie war es eher spannend, […] die Gedankenwelt des Trompeters widerzuspiegeln. Diese gibt der Text von Alessandro Baricco erst einmal nicht vor. Doch wie ein guter Song verschiedene Interpretationen verträgt und gerade dadurch seine Klasse beweist, gilt das auch für einen Stoff wie den Monolog über den Ozeanpianisten. […]“

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