Sechs Tanzstunden in sechs Wochen

Schauspiel von Richard Alfieri
Deutsch von Johan Grumbrecht

Sie ist alt. Er ist jung. Sie trinkt Schonkaffee. Er nimmt „Vitamine". Sie ist die Frau eines engstirnigen Baptistenpredigers und ehemalige Lehrerin. Er, ein unverheirateter Revuetänzer, arbeitet jetzt für die Agentur „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen". Sie nimmt privaten Tanzunterricht, den sie nicht nötig hat. Er erlebt mit ihr als seiner ersten Schülerin seine Tanzlehrer-„Taufe". Sie gibt seit Jahren vor, dass ihr verstorbener Mann noch lebe. Er erfindet eine schwerkranke Ehefrau als Grund für seine finanziellen Probleme. Sie beschimpft ihn als „aufsässiges, unseliges Scheusal". Er bezeichnet sie als „verknöcherte alte Schachtel". Sie hat die Überlebens-technik entwickelt, möglichst viele Tage aneinander zu reihen, so dass sie irgendwann eine Woche und später einen Monat ergeben. Er ist überzeugt, ein Außenseiter in einer von weißen Heteros beherrschten Welt zu sein. Sie geht ungern unter Leute und fühlt sich isoliert von den Menschen. Er glaubt nicht daran, im Leben eine zweite große Liebe zu finden. Sie heißt Lily, er Michael ... Zwischen Swing, Wiener Walzer, Cha-cha-cha, Tango, Foxtrott und modernem Tanz begegnen sich in einer pointenreichen Konfrontation zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und das, was zwischen ihnen entsteht, könnte man als eine der ungewöhnlichsten Liebesbeziehungen bezeichnen!

PREMIERE Samstag, 10. März 2007

Besetzung

RegieMilena Paulovics
AusstattungHans-Holger Schmidt
ChoreographieDieter Fritsche, AnnaLisa Canton
DramaturgieBettina Jantzen
LilyErika Kerner
MichaelGunnar Golkowski

Rezensionen

Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 13.3.2007

„Erika Kerner (seit 1971 in Cottbus) hat mit der Rolle der Lily eine wunderbare Abschiedsrolle bekommen. Die sie mit all der Genauigkeit und sensiblen Zurückhaltung ausfüllt, die diese Darstellerin auszeichnet. Wie Erika Kerner bei dieser scheinbar so zarten Frau aus distanzierter Zurückhaltung Kraft und Energie hervorbrechen lässt, wie sie sich gegenüber dem jungen Michael durchaus zu behaupten weiß, indem sie beiläufig mit kessen Sprüchen kontert, ihn auch einmal als ‚aufsässiges Scheusal' bezeichnet, das nimmt der Figur die harmlose Herzlichkeit, die ihr der Autor auch mitgegeben hat. Während Gunnar Golkowski die Sehnsüchte und Einsamkeit des Michael hinter auftrumpfender körperlicher Lockerheit und schrillem Grob-Humor zu verstecken sucht.
Bei der einen entsteht alles aus der Ruhe, bei dem anderen aus der Überdrehtheit. Wie Regisseurin Milena Paulovics die unterschiedlichen Haltungen der Figuren und die bewusst gegensätzlichen Spielweisen der beiden tollen Schauspieler immer wieder gegeneinander stellt, das prägt die Aufführung und gibt ihr einen schönen Rhythmus. Der natürlich auch bestimmt ist von Swing und Tango, Wiener Walzer und Foxtrott: Denn auch in diesen Tänzen überzeugen die beiden Darsteller. Wunderbar in ihrer Schrägheit oder altmodischen Verstaubtheit sind auch die bei jedem Tanz wechselnden Kostüme (Bühne und Kostüme: Hans-Holger Schmidt).
[...] Ein schöner Theaterabend. Der beiden gut tut: dem Theater und den Zuschauern.


Gerhard Fugmann, Sächsische Zeitung, 12.3.2007

„Dass ‚Sechs Tanzstunden in sechs Wochen' vom Publikum so gefeiert werden, ist zuerst Erika Kerner und Gunnar Golkowski zuzuschreiben. Ihr Charme, ihr Witz, ihre Bewegungen, ihre Art zu streiten, sich zu versöhnen und immer sensibler miteinander umzugehen, nimmt das Publikum für sie ein.
Von der Regie Milena Paulovics ausgefeilt und in Szene gesetzt, entwickelt sich aus der Einsamkeit einer alten Dame (Lily) und der ihres schwulen Tanzlehrers (Michael) eine Freundschaft. Autor Richard Alfieri lotet originell die Gefühlswelt von eben noch anonymen Figuren aus, mit denen sich das Publikum amüsiert ins Verhältnis setzt."


Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 17.3.2007

„'Sechs Tanzstunden in sechs Wochen' [...] nimmt Lily, und Kerner / Golkowski leisten nicht nur die Schritte, sondern auch diesen höchst gehaltvollen Text federleicht. Ergreifende Lebensgeschichten, blättern sich fast beiläufig auf und geben den Figuren Schritt um Schritt Wärme, Charakter, Stärke und eingestandene Schwächen."


Frank Dietschreit, Märkische Allgemeine, 17.3.2007

„Es ist ein Stück über Einsamkeit und Lebenslügen, Verdrängungen und Verletzungen. Und es ist ein gelungener Abend. Denn sowohl Erika Kerner (als Lily) wie auch Gunnar Golkowski (als Tanzlehrer Michael) schaffen den Spagat zwischen Drama und Komik. Sie überzeichnen und überdrehen nicht, sondern stellen ungekünstelte Figuren auf die Bühne. [...] Kerner und Golkowski halten die Balance zwischen psychischer Entblößung und hintersinnigem Witz. Sie können todtraurig und kindlich albern sein, und sie können wunderbar tanzen. Die Inszenierung verzichtet auf alle Mätzchen, kommt unprätentiös daher und will nur intelligent unterhalten.“

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