Shockheaded Peter

Grusical der Band „The Tiger Lillies"
Phelim McDermott & Julian Crouch | Musik: Martyn Jacques
Nach Motiven aus „Der Struwwelpeter” 

Nominiert für den „Weltenbauer Preis 2015“, mit dem die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft jährlich die kreativsten bühnentechnischen Lösungen ehrt.

Bereits 1845 erschien das legendäre Kinderbuch mit dem beeindruckenden Titelbild, das den kammscheuen Struwwelpeter mit seiner
abstehenden Mähne zeigt, und wurde schlagartig ein Riesenerfolg. Bis heute sind die Bilderbogengeschichten des Frankfurter Kinderarztes Heinrich Hoffmann ein Klassiker der Kinderbuchliteratur. Dabei wirken die skurrilen Erzählungen rund um den Daumenlutscher, dem ein listiger Schneider zur Strafe gleich beide Daumen abschneidet, dem unruhigen Zappel-Philipp und dem abenteuerlustigen Robert, der bei Wind und Wetter mit seinem Schirm auf Nimmerwiedersehen davonfliegt, aus heutiger Sicht eher wie abschreckende Beispiele einer tiefschwarzen Pädagogik.

1998 geriet das Kinderbuch in die Hände dreier Engländer: der beiden Theatermacher Phelim McDermott und Julian Crouch sowie des Musikers und Sängers Martyn Jacques. Sie schufen daraus ein Musical, in dem sich Zirkusklänge, Varieté und Kabarett mit Punk und Musik in der Brecht-Weill-Nachfolge zu einer höchst effektvollen Mischung verbinden. Dass sich die Kindergeschichten dabei in Bänkelgesänge für Eltern verwandeln, die schamlos offenbaren, wes Geistes Kind sie sind, verführt Theater seither immer wieder, das abendliche Publikum mit einem Kinderbuch zu unterhalten. Wie erfolgreich sie damit sind, zeigt die sensationelle Aufführungsgeschichte des Musicals.

Die Inszenierung wird ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der Sparkasse Spree-Neiße,
langjähriger Freund und Förderer des Staatstheaters Cottbus.

PREMIERE Samstag, 21. Juni 2014

Präsentiert von

Besetzung

InszenierungMario Holetzeck
Musikalische LeitungHans Petith
BühneJuan León
KostümeSusanne Suhr
MaskenbauWolfgang John
(Maskenbau in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Fachbereich Theaterplastik)
ChoreographieGundula Peuthert
DramaturgieSophia Lungwitz
RegieassistenzMaria Bock
 
TheaterdirektorGunnar Golkowski
Mutter 1Sigrun Fischer
Vater 1Kai Börner
Mutter 2Heidrun Bartholomäus
Vater 2Thomas Harms
Struwwelpeter und andere RollenJohannes Kienast
Gretchen, Paulinchen und andere HosenrollenLucie Thiede
 
Musiker Hans Petith (Akkordeon, Harmonium, Klavier), Dietrich Petzold (Geige), Susanne Paul/Martin Klenk (Cello, Gitarre)
und Tobi Dutschke (Schlagwerk)
 
Surreale Welt Damen und Herren der Statisterie

Rezensionen

Felix Johannes Enzian, Lausitzer Rundschau, 23.6.2014

„Wer nicht hören will, muss fühlen:  Mit ‚Shockheaded Peter‘ hat das Staatstheater Cottbus unter der Regie von Mario Holetzeck aus dem abgründig-altbekannten Struwwelpeter-Kinderbuch ein fröhlich-groteskes Theater des erzieherischen Sadismus gemacht. […] Gunnar Golkowski hat als mephistophelischer Theaterdirektor und somit als Moderator des radikal makaberen Abends eine Glanzrolle erwischt. Er lässt seine Figur schillern und gibt ihr unter der Maske zylindersteifer Würde die bedrohliche körperliche Präsenz eines jederzeit zum Sprung bereiten Raubtiers. […] Weitere Hauptrollen haben Sigrun Fischer, Kai Börner, Heidrun Bartholomäus und Thomas Harms als zwei Elternpaare. Mit viel Freude am Grimassieren und an ungelenker Körperlichkeit spielen sie verklemmt-gefühlsduseliges-autoritäres Biedermeier um 1850, als Heinrich Hoffmann seine berühmten Kindergeschichten über den Struwwelpeter, Hans Guck-in-die-Luft und andere Unartige schrieb. […] Für das ausgezeichnete surreale Bühnenbild und die dazu passenden Kostüme sind Juan León und Susanne Suhr verantwortlich. Gemeinsam mit Studenten der Hochschule für Bildende Künste Dresden hat Kostümplastiker Wolfgang John als sein großartiges letztes Werk für das Staatstheater die Masken gestaltet. […] Zwischen böse und niedlich schwankt auch das sehenswerte Spiel von Johannes Kienast und Lucie Thiede, die die verschiedenen Kinderrollen übernehmen. Ganz besonders in Erinnerung bleibt die aufsässige obszöne Brutalität, mit der Johannes Kienast als böser Friedrich Menschen und Tiere malträtiert. In einer anderen sehr starken Szene schlägt ein ganzes Rudel böser Buben einen hilflosen alten Mann zusammen. Dass dieses Prügelballett der Grausamkeit und andere Momente so großen Eindruck machen, ist natürlich auch das Werk der Choreografin Gundula Peuthert. Im Zusammenwirken mit Hans Petith und seinen Musikern sowie mit der sehr gelungenen Licht-, Nebel- und Wolkenregie gelingen Meisterleistungen. […] Das heitere Kinderquälen wird am Staatstheater Cottbus mit enthusiastischem Klatschen und Bravo-Rufen begrüßt.“


Frank Starke, Märkische Allgemeine, 25.6.2014

„Regisseur Mario Holetzeck schafft mit seiner Truppe etwas, das rar ist hierzulande: Bestes Unterhaltungstheater, abgründig und voller Witz. Die Bilderbögen werden süffisant präsentiert von einem Theaterdirektor (Gunnar Golkowski), der aber zunächst einmal die im Hoffmannschen Original von 1845 unterschlagene Ausgangslage skizziert. […] Das Ganze spielt in einer wundersamen Fantasiewelt, in einem gekippten Raum, einer Art Gruft, in der die Kerzen waagerecht niederbrennen, mit Kostümen, die an das Biedermeier der Entstehungszeit erinnern, dazu Masken und anderer Theaterzauber. Nebenher wird der im besten Sinne kurzweilige Abend, ein Theatervergnügen in Spielfilmlänge, zu einem Gang durch ein Museum der Erziehungsgeschichte, in der der moderierende Theaterdirektor in seiner diabolischen Art Denkweisen aufleben lässt, wie sie auch der Film ‚Das weiße Band‘ aufzeigte – als der Zeigestock mehr als Zuchtmittel denn zur Wissensvermittlung diente. Die Bilder halten sich dicht an dem Kinderbuchklassiker, und die Darsteller offerieren das Ganze singend, spielen und tanzend mit der gehörigen Lust am Skurrilen. Und man staunt über die poetische Dimension, die Holetzeck den doch ziemlich schauerlichen Einzelgeschichten gibt […].“


Jens Pittasch, Blicklicht, Juli/August 2014

„Von der ersten Sekunde an hat sie [die Inszenierung, d. Red.] das Publikum im Griff und das konstant bis zur letzten. Während der Beginn noch an die Rocky-Horror-Show erinnert, entwickelt das Stück im weiteren Fortgang eine skurril-lustige und sarkastisch-makabere Eigenständigkeit. Getragen wird dies zum einen durch das mehr als geniale Bühnenbild (Bühne: Juan León). […] Der weitere Grund des Erfolgs ist die tolle Leistung aller Schauspieler. Nicht nur hören wir sie von einer besonderen musikalischen Seite, schließlich ist Shockheaded Peter ein Grusical in dem entsprechend ‚fürchterlich‘ gesungen wird (Und wie! Der helle Wahnsinn, musikalische Leitung Hans Petith), sondern wir sehen sie mit Gänsehaut in dunkelschwarzhumorigem Spiel. Allen voran Gunnar Golkowski, der in seiner Rolle als Theaterdirektor die einzelnen Episoden erhaben-bestimmt verknüpft, dirigiert und kommentiert – der Conférencier des Grauens. Er zieht einen schlichtweg in seinen Bann mit seiner Darbietung, wie er da steht, mit Jokermaske und lila Dompteurskostüm. […] Doch voll Spielfreude am boshaften Tun mimen und singen, kaum minder beeindruckend, Sigrun Fischer, Kai Börner und Heidrun Bartholomäus. Geradezu zu Operntönen schwingt sich Thomas Harms auf. Die unerzogenen, in schneller Folge dahinsterbenden Gören sind Lucie Thiede und Johannes Kienast. […] Überhaupt gibt es eine Menge Bühnentricks und -zauber und ist diese Inszenierung des Schauspieldirektors Mario Holetzeck einfach zu 100-Prozent Theater. Was für ein wunderbares und vollkommen zu Recht vom Publikum umjubeltes Finale des Premierenreigens dieser Spielzeit im Großen Haus.“

Bildergalerie

Film

»Shockheaded Peter« Trailer (Staatstheater Cottbus)

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Meinungen

Tolles Stück, super Kostüme und Bühnenbild und die Musik bleibt einem im Ohr. Für Groß und Klein was dabei!