Windhunde und Turteltauben

Komödie nach Georges Courteline

Nach mehreren Jahren gemeinsamen Ehelebens wünscht sich Madame Boulingrin nichts sehnlicher, als etwas Leidenschaft. Um die Eifersucht ihres Gatten anzufachen, flirtet sie gern öffentlich mit fremden Männern – doch leider ist ihr Ehemann Claude so ganz und gar kein Mann viriler Taten. Er rächt sich lieber klammheimlich zu Hause im trauten Heim und setzt seiner Angetrauten ihre „Vergehen“ in einem Akt penibelster Bürokratie feinsäuberlich auf die „Rechnung“. – Der Ministerialangestellte Olivier Badin hingegen leidet an der unerträglichen Eintönigkeit seiner Arbeit. Denn im Gegensatz zu seinen Kollegen, die lediglich Zeit und Fleiß in ihre Arbeit investieren, opfert er im Büro täglich sein Leben! Lediglich sein Vorgesetzter scheint dies nicht verstehen zu wollen, geschweige denn als Ausrede für Badins viele Fehlstunden gelten zu lassen. Eine Anstellung bei den Boulingrins scheint schließlich die ersehnte, finanzielle Rettung für den arbeitsscheuen Monsieur Badin zu sein: Doch hat dieser nicht mit der Nerven aufreibenden Beziehung von Claude und Béatrice gerechnet, zwischen deren aufgeladenen Fronten der clevere Pechvogel beinahe zermalmt wird …

Der Romancier und Dramatiker Georges Courteline (1858-1929) machte sich besonders durch seine kurzen, urkomischen Satiren einen Namen, in denen er bürgerliche Beziehungen und vor allem das Beamtentum karikierte, dessen teilweise absurde Lebenswelten er genau beobachtete. 

In Cottbus inszenierte Regisseurin Milena Paulovics zuletzt die Revue WO DIE STERNE LEUCHTEN. In ihrer neuen Arbeit nimmt sie sich den skurrilen Figurenkatalog Georges Courtelines vor und kreiert aus dessen kurzen Einaktern ein aberwitziges Kaleidoskop voll schräger Figuren und grotesker Komik.

PREMIERE Samstag, 23. Februar 2013

Präsentiert von

Besetzung

RegieMilena Paulovics
Bühne und KostümeMathias Rümmler
DramaturgieSophia Lungwitz
RegieassistenzMaria Bock
 
Béatrice Boulingrins/Valérie Floche/Sophie Montand/PolizistinSusann Thiede
Claude Boulingrins/Alain Floche/Edgar Montand/Monsieur MisticGunnar Golkowski
Le Directeur/Le Kommissär/Monsieur Trac/FrancoisRolf-Jürgen Gebert, Jochen Paletschek
Oliver Badin/Monsieur La Brige/Natalie/PolizistMichael von Bennigsen

Rezensionen

Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 25.2.2013

„[…] die alten Konflikte sind so komisch wie (meistens) zeitlos. Oder auch hinreißend absurd. So, wenn ein Kanzleiangestellter zu seinem Direktor gerufen wird, weil er seit vierzehn Tagen das Ministerium nicht mehr betreten hat und auch sonst oft fehlt, weil angeblich unentwegt ein Verwandter stirbt. Wunderbar, wie hier Rolf-Jürgen Geberts Direktor aus seiner Selbstsicherheit fällt, wenn sich ihm sein redegewandter Angestellter (Michael von Bennigsen) nicht reuevoll, sondern als leidvolles Opfer präsentiert. […] Es sind lauter körpersprachliche Slapsticknummern, mit denen die Darsteller die szenischen Absurditätsspiralen hochdrehen. Wenn die famose Susann Thiede als Ehefrau bei der Polizei um Hilfe bittet, weil ihr Mann irre sei, dann tut sie das mit so konzentrierter Ruhe und so wunderbar beherrschter Mimik, dass die Zuschauer ins Lachen und der gemütliche Kommissär (wieder Gebert) fast in den Wahnsinn getrieben werden. Gunnar Golkowski, der diesen Kommissär als Demonstrant heimsucht und bedrängt, vermag mit einer Handbewegung oder leichtem Drehen des Kopfes Gefühle und Haltungen seiner Figur auszudrücken und den grotesken Witz der Szene zu bedienen. Hier gibt es keinen Schenkelklopfwitz, hier wird kaum gezappelt, aber leicht gezuckt. So entsteht das Einfache, was so schwer zu machen ist: abgründige Komik, die aus der Stille entsteht.“


Christiane Freitag, Blicklicht, 04/2013

„[…] Windhunde und Turteltauben [ist] ein witziges, temporeiches und auch spontanes Schauspiel, das mit Situationskomik ebenso überzeugt wie mit großartigen und wandelbaren Schauspielern (Susann Thiede, Rolf-Jürgen Gebert, Gunnar Golkowski, Michael von Bennigsen), die auch ihren Spaß am Treiben auf der Bühne haben – zumindest können sie das ein oder andere Schmunzeln dann doch nicht ganz verbergen. Allen voran gefällt Susann Thiede, die wieder einmal beweist, welch unglaublich komisches Talent in ihr steckt. Aber auch Gunnar Golkwoski, der als geiziger Ehemann, als auch als offenkundig Wahnsinniger so köstlich spleenig ist, Rolf-Jürgen Gebert, der vor allem als Kommissär oder als hilfsbereiter Unfallhelfer so wuinderbar sympathisch-amüsant ist und Michael von Bennigsen, der als arbeitsscheuer Beamter und auch als Frau drollig-skurril ist […]“

Bildergalerie

Film

Windhunde und Turteltauben Komödie nach George Courteline

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