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Wintersonnenwende

Schauspiel von Roland Schimmelpfennig 

Albert, Holocaustforscher mit Weihnachtsbaumallergie, und seine Frau Bettina, Autorin sperriger Filme, sind mehr als gereizt. Wie jedes Jahr kommt Bettinas Mutter Corinna am Vorweihnachtsabend zu Besuch und bleibt womöglich bis nächstes Jahr! Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist angespannt, der Hausherr telefoniert heimlich mit seiner jungen Geliebten, während Konrad, Alberts bester Freund und Maler von „Friktionen“, eine Einladung zum Abendessen ins Haus lockt. Konrad hat gerade seine Liebe zu Bettina entdeckt und sie möglicherweise auch ihre zu ihm. In diese komplizierte Situation platzt Rudolph, eine zufällige Zugbekanntschaft Corinnas. Rudolph ist Arzt, kommt aus Paraguay und weiß die Gemeinschaft durch seine Bildung und exzellentes Klavierspiel zu beeindrucken. Schließlich zaubert er aus seinem Koffer ein Fläschchen Lebenswasser hervor und verwandelt den Vorweihnachtsabend in eine Art Wintersonnenwendefeier. Alle sind fasziniert. Lediglich Albert beschleicht ein ungeheuerlicher Verdacht: Mit dem stimmt doch was nicht!

Roland Schimmelpfennig arbeitet in seiner 2015 in Stockholm uraufgeführten Komödie mit Mitteln des postmodernen Erzähltheaters. Die Spieler sind dabei zugleich handelnde Figuren und Erzähler der gemeinsamen Handlung. Immer wieder gehen sie dabei auf Distanz zu ihren Figuren und stellen sie so zur Disposition.

Regisseurin Katka Schroth inszenierte am Staatstheater Cottbus zuletzt Henrik Ibsens NORA ODER EIN PUPPENHAUS und Wolfgang Borcherts Nachkriegsstück DRAUSSEN VOR DER TÜR. In ihren Arbeiten sucht Katka Schroth nach stückimmanenten, zentralen Aussagen, die sich in der Darstellung in einer eigenen, überspitzen Übersetzung wiederfinden. In der schwarzhumorigen Komödie WINTERSONNENWENDE untersucht Katka Schroth den Zustand unserer bürgerlichen Gesellschaft:  Ist Rudolphs – im vorweihnachtlichen Wohnzimmer geäußertes und an längst überwundene Zeiten erinnerndes – Gedankengut wieder salonfähig? Oder schlimmer noch: Ist der populistische Rechtsruck tatsächlich bereits in unserer akademisch gebildeten Mitte angelangt? Wonach suchen Albert, Bettina und Konrad? Oder kreisen sie nur noch narzisstisch um sich selbst und öffnen reaktionären Ansichten so Haus und Hof?

PREMIERE Samstag, 28. Januar 2017

Präsentiert von

Besetzung

RegieKatka Schroth
Bühne und KostümeCary Gayler
DramaturgieSophia Lungwitz
RegieassistenzJens Dierkes
 
CorinnaHeidrun Bartholomäus
BettinaSigrun Fischer
AlbertKai Börner
KonradMax Hemmersdorfer
RudolphAlexander Höchst

Rezensionen

Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 4.2.2017

Stark gespielt, sehr stark! Das muss man den Akteuren schon lassen, den Gladiatoren, allen fünfen. Sie schinden sich pausenlos ab, als ginge es wirklich um ihr Leben. […] Und jeder gestaltet zwei Rollen: sich in bürgerlich-biederer Bravheit und dann immer wieder abrupt sein ihm selbst unbekanntes, brausendes, inneres Ich, dieses üblicherweise unterdrückte unterbewusst oder auch bewusst gebremste Flimmern, das nur in Ausnahmesituationen zur Oberfläche drängt. Ausbricht. […] Das kommt aus seiner [Anm.: Schimmelpfennigs] Trickkiste, dieses Neben-sich-Treten der Figuren, die erregte Spielrhythmik, die auch mal abbricht und mit dem Zuschauer schwätzt (oder ihm, wie hier, Wodka eingießt), ihn hineinzieht in allen Schlamassel vom großdeutschen Hier bis nach Paraguay, wo alle so winzig klein sind. […] Eigentlich zappelt da eine ganz normale heutige Familie, zu der auch ein immer wieder zitiertes Kind gehört, durch die Psychogramm-Arena, eine etablierte Gruppe, die in den Summen ihrer Alltagsbeschönigungen und oberflächlichen Vollkommenheit selbst faschistoiden Parolen tolerant begegnet. Das große Lachen, das die Leute immer wieder wie ein Filmriss überkommt und heftig schüttelt, könnte auch ein Weinen oder wenigstens ein Schluchzen sein. […] Es wird spannend sein, wie die unterschiedlichen Zuschauergruppen hier in der Lausitz diese vieldeutige Inszenierung aufnehmen."

Bildergalerie

Film

WINTERSONNENWENDE - Staatstheater Cottbus (Trailer)

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