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Ein Brief an das Cottbuser Publikum

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Liebe Cottbuserinnen und Cottbuser,

 

meine zwei Spielzeiten als Intendant, Operndirektor und Geschäftsführender Direktor an diesem, Ihrem Theater gehören mit der letzten Vorstellung am Samstag, dem 11. Juli 2020, der Vergangenheit an. Jetzt ist also für mich wieder einmal die Zeit des Abschieds gekommen.

Gestatten Sie mir einen kleinen Rückblick:
Bis zum 12. März 2020 verlief der Spielbetrieb aus meiner Sicht recht ordentlich. Einige interessante Inszenierungen sind uns gelungen. Dazu gehören in jedem Fall EFFI BRIEST von Siegfried Matthus und der ANTIFAUST von Jo Fabian.

Mit der Corona-Krise kam die Welt, so auch die Theaterwelt, zunächst zum Stillstand.
Nach einigen Panikattacken versuchten wir recht schnell das Beste aus der Misere herauszuholen. Und das ging natürlich nur mit Ihrer Hilfe.

Sie, die Cottbuserinnen und Cottbuser, respektierten sofort all unsere notwendig gewordenen Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus.
Das Ergebnis kennen wir: Die Pandemie hatte in Cottbus keine Chance.

Ich bin, wenn wir bei diesem Thema bleiben, höchst beeindruckt von Ihnen, unseren Zuschauerinnen und Zuschauern.
Wie alle anderen Theater mussten wir das Geld für die ab 13. März 2020 ausgefallenen Vorstellungen erstatten.

Jedoch haben wir noch zwei andere Varianten angeboten:

  • statt Rückerstattung boten wir Ihnen einen Gutschein an und
  • statt Rückerstattung konnte die entsprechende Summe von Ihnen für freischaffende Künstler zur Verfügung gestellt werden.

In zweifacher Hinsicht war ich sehr überrascht – ja sehr gerührt. Über 80% von Ihnen haben die Gutscheinlösung gewählt, andere Bühnen können von so einem Ergebnis nur träumen. Hier zeigt sich deutlich, dass Sie zu unserem, Ihrem Theater stehen.

Ebenso gerührt war ich über Ihre großzügigen Spendenbereitschaft für die plötzlich arbeitslos gewordenen freischaffenden Künstler. Über 25.000 EUR kamen zusammen. Auch das ist überwältigend. Sie können richtig stolz auf sich sein. Ich jedenfalls bin auf die Cottbuserinnen und Cottbuser stolz.

Diese Spielzeit begann vielversprechend und hätte, glaube ich, auch mit guten Ergebnissen in allen Spielstätten geendet. Aber es sollte anders kommen…
Nicht zur Premiere bringen durften wir:

  • OTELLO
  • DER WALD
  • SATYAGRAHA und
  • STRAW!NSKY

 

Nicht zuletzt durch die starke Motivation aller Mitarbeiter konnten wir die künstlerische Arbeit aller Sparten vom Großen Haus am Schillerplatz in das Große Haus im Grünen „übertragen“.

Nur sehr wenigen Bühnen ist es gelungen, sämtliche Facetten ihres Hauses im Freien zu präsentieren. Und der Erfolg war ebenso groß wie Ihr Hunger nach Theater. Jede der 18 Aufführungen konnte durch Ihre tatkräftige Unterstützung zu 100%, nach Corona-Maß gemessen, gefüllt werden.
Und so fand die Spielzeit 2019/2020 doch noch ein gutes Ende – wie im Märchen.

Ich sage Danke für Ihr Vertrauen.
Bleiben Sie gesund und dem Theater jederzeit gewogen.

 

Herzliche Grüße

Ihr
Dr. René Serge Mund

Intendant und
Geschäftsführender Direktor

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