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herzzeit

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ haben wir Teile des Briefwechsels und des dichterischen Schaffens von Ingeborg Bachmann und Paul Celan in einem eigens produzierten Videostream szenisch umgesetzt.

Schauspielerin Barbara Dussler und Dramaturg Patric Seibert rezitieren Gedichte und Briefe, die unter dem Titel „herzzeit“ im Suhrkamp Verlag erschienen sind. Dazu spielt Pianist Frank Bernard Teile der im Konzentrationslager Theresienstadt entstandenen 5. Klaviersonate von Viktor Ullmann.

Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, zwei der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter*innen, ist das Zeugnis zweier Menschen, die sich liebten, die einander brauchten und doch nicht miteinander leben konnten. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Shoah fanden sich die evangelische Kärntnerin aus Klagenfurt und der Jude aus Czernowitz in Wien. In sechs gemeinsamen Wochen verschmolzen ihre Lebenswelten und sie entwickelten einen gemeinsamen Raum für ihre dichterische Sprache. Dann zieht Celan nach Paris, doch das Band bleibt bestehen. Mit Höhen und Tiefen. Beide bringen sich an ihre Grenzen, überschreiten sie teilweise mutwillig – und doch reißt die Verbindung nie wirklich ab. Die Bewältigung der allgegenwärtigen Vergangenheit und das Ringen um Sprache, Form und Ausdruck eint beide – und macht sie teilweise zu erbitterten Gegnern. Beide sind in der Lage, ihre privaten Erfahrungen in Poesie zu übersetzen und ihre Innenwelten zugänglich zu machen. Doch das hilft ihnen bei der Bewältigung des Lebens nur wenig. Paul Celan stürzt sich 1970 in die Seine, Ingeborg Bachmann verstirbt drei Jahre später im Alter von 47 Jahren. Beide hinterlassen mit ihren Texten nicht nur wortgewaltige Monumente der deutschen Sprache, sondern auch Zeugnisse der schonungslosen Konfrontation mit der Geschichte und ihren Abgründen.

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