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Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten

Schauspiel nach dem Drehbuch von Mark Herman
Für die Bühne eingerichtet von Paul Allen

Gut zwanzig Jahre nach Mark Hermans Film „Brassed Off“ hat das Staatstheater Cottbus mit dem Schauspielensemble und dem Blasorchester Cottbus e.V. die Theaterfassung auf die Bühne gebracht – in einer Zeit, in der der politische und ökologische Wille, die Kohleförderung zu beenden, den dort Beschäftigten noch keine Perspektiven aufzeigen kann.

„Brassed Off“ ist eine große Geschichte darüber, was biografischen Brüchen und Unsicherheiten angesichts des angekündigten Strukturwandels entgegenzusetzen ist: Solidarität, Empathie und Kultur.Natürlich kann man die Geschichte der Zechenschließungen, Streiks und Gewerkschaftsproteste im England der 1980er und 90er Jahre nicht mit dem avisierten Ende des Kohlenbergbaus in der Lausitz dieser Tage gleichsetzen. Damals hatte der Stellenabbau in den britischen Bergbauregionen riesige Gräben zwischen den Kumpel und ihren Familien auf der einen und der Politik und den Konzernen auf der anderen Seite gerissen. Und dennoch trifft sie auch den „Zahn“ unserer Zeit.

Regisseur Jörg Steinberg, der nach „Momo“ und „Das Sparschwein“ ein weiteres Mal in Cottbus arbeitet, Bühnenbildner Fred Pommerehn und Kostümbildnerin Stephanie Dorn setzen den Plot aus dem britischen Arbeiterstädtchen Grimley in Bildern mit vielen Anleihen aus der Welt der Maschinen und Fabriken um. Schier endlos drehen sich die Räder – bis eintritt, womit zu rechnen war und wogegen doch so erbittert gestritten wurde: Die Zeche wird geschlossen, den Biografien werden Wunden eingeschrieben, die kaum mehr zu heilen sind.Doch gegen den Stillstand setzen die Kohlekumpel die Musik der zecheneigenen Brass-Band. Während der Konzern, der die Zeche betreibt, den Arbeitern ein unmoralisches Abfindungsangebot macht, versucht Kapellendirigent Danny seine Jungs zu gemeinsamen musikalischen Höchstleistungen zu treiben. Eine Mammutaufgabe angesichts der fremdbestimmten Zerstörung der eigenen Lebensentwürfe. Ein Glück, dass es just in diesem Moment Gloria aus beruflichen Gründen zurück in ihre Heimatstadt verschlägt. Die schöne, junge Frau zieht nicht nur alle Blicke auf sich; gemeinsam mit Danny facht sie in den Herzen der musizierenden Kumpel auch die Glut neu an – während untertage das Licht langsam erlischt.

Die Vorzeichen mögen sich verändert haben – die schicksalsbestimmende Wucht politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen für die Beschäftigten eines ganzen Wirtschaftszweiges ist enorm.Der Überzeugung des Inszenierungsteams folgend, taugt „Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten“ sowohl zur Analogie auf die Kraft des Theaters und der Musik als gesellschaftliches Bindemittel wie auch zur Erzählung über das Zusammenstehen in harten Zeiten – als Gegenpol zur Keile treibenden Hetze von Populisten.

PREMIERE am Samstag, 10. November 2018, 19.30 Uhr, Großes Haus

 

 

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