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Presse

FAUST

von Johann Wolfgang Goethe

Wie sehen wir Faust heute? Als Lichtgestalt, Leitbild oder manischen Egozentriker, der nicht fähig ist zu menschlicher Kommunikation? Die Inszenierung wirft einen kritischen Blick aus der heutigen Zeit ebenso auf das Sprachkunstwerk wie auf uns selbst.

Der hochkarätige Wissenschaftler Faust gibt nach Jahren seine Forschung resigniert auf und wendet sich der prallen Lebenswirklichkeit zu. Ziel seiner neuen Begierde wird mit Teufels Hilfe ein naives, sehr junges Mädchen aus dem Volk.

Ein Leben lang hat Goethe an der „Faust“-Dichtung gearbeitet, davon allein 30 Jahre an diesem ersten Tragödienteil. Schnell wurde der „Faust“ zum Gipfel deutschen Bildungsgutes gekürt und zum Sinnbild nationaler Identität. Kein Kunstwerk wurde so oft ideologisch instrumentalisiert und zum nationalen Eigentum erklärt. Und doch ist der konkrete Text dunkel geblieben und wenig präsent.

Der Regisseur und Schauspieldirektor Jo Fabian macht in seiner Inszenierung den „Faust“ zum Gegenstand einer heutigen theatralischen Versuchsanordnung. Im Bühnenbild von Pascale Arndtz, die auch die Kostüme entwirft, lässt er gemeinsam mit seinem Schauspielensemble lebendige Situationen entstehen, die den Text der Gefahr entziehen, zum toten Kulturgut einer fernen Vergangenheit zu gerinnen. Hans Petith schafft mit seinen Kompositionen und musikalischen Einstudierungen eine weitere Dimension.

Das „Faust“-Projekt setzt Jo Fabian im Frühjahr 2020 mit einem „Antifaust“ fort, der auf den Arbeitsergebnissen dieser „Faust“-Forschung aufbaut, als reflektierender Kommentar und utopische Aussicht zugleich.

Mit: Lara Feith, Ariadne Pabst, Lucie Thiede, Susann Thiede, Lisa Schützenberger; Michael von Bennigsen, Kai Börner, Rolf-Jürgen Gebert, Thomas Harms, David Kramer, Boris Schwiebert, Axel Strothmann und Jörg Trost.

PREMIERE Samstag, 30. November 2019, 19.00 Uhr, Großes Haus

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