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Onkel Wanja

Nominiert für den Theaterpreis DER FAUST 2018

Onkel Wanja
von Anton Tschechow
Deutsch von Angela Schanelec nach einer Übersetzung von Arina Nestieva
Bearbeitung und Fassung von Jo Fabian

Jo Fabian, seit Spielzeitbeginn 2017/18 neuer Schauspieldirektor am Staatstheater Cottbus, zeigt mit „Onkel Wanja“ seine erste Arbeit mit dem Cottbuser Schauspielensemble. Für die Ausstattung zeichnet Pascale Arndtz verantwortlich.

Tschechows Gegenwartsdrama von 1896 erlebte nach mehreren unbedeutenden Provinzinszenierungen seine wirkliche Uraufführung 1899 am jungen Moskauer Künstlertheater und bestätigte Tschechows Ruf als Begründer einer ganz neuen dramatischen Form. Die gesprochenen Texte selbst ergeben selten zuverlässige und eindeutige Informationen über die Personen. Sie verdecken eher die eigentlichen Gemütszustände und Konflikte, die im Innern des Einzelnen und Vereinzelten brodeln. Jo Fabian hat das tragikomische Meisterwerk mit den ihm eigenen bildhaften Mitteln auf die Bühne gebracht.

Russland um 1895: Hart arbeitend verwaltet seit Jahren Onkel Wanja mit seiner Nichte Sonja das Landgut seiner verstorbenen Schwester. Der Ertrag kommt in Petersburg Sonjas Vater zugute, dem berühmten Kunstprofessor Serebrjakow. Nun im Ruhestand hat sich der Professor mit seiner zweiten, um vieles jüngeren Frau aus finanziellen Gründen auf das Landgut zurückgezogen und löst damit eine Krise aus. Onkel Wanja glaubt, die Bedeutungslosigkeit des Professors zu durchschauen und bedauert zutiefst, sein Leben selbstlos dem Professor geopfert zu haben. Er schwärmt für dessen schöne Ehefrau Jelena. Die aber fühlt sich mehr zum Landarzt Astrow hingezogen, einem ökologischen Visionär voller Selbstzweifel. Sonja ist ebenfalls in den Arzt verliebt. Als der Professor das Landgut gewinnbringend verkaufen will, droht eine Katastrophe.

Wie eine Schleppe tragen die Beteiligten ihre Vergangenheit hinter sich her. Sie versuchen, den lähmenden Stillstand der Gegenwart mit sehnsüchtigen Zukunftsentwürfen zu überspringen, und bleiben doch immer wieder in der Zeitschleife hängen.

Die Position des allwissenden, (ver)urteilenden Autors hat Tschechow immer wieder von sich gewiesen und die Verantwortung an die Darsteller und die Zuschauer delegiert. Das kommt dem Theaterverständnis von Jo Fabian sehr entgegen. Er entwickelte ein Geflecht unterschiedlicher Äußerungsformen, die am Ende vom subjektiv wahrnehmenden Zuschauer zu einem eigenen Gesamtkunstwerk zusammengesetzt werden.

PREMIERE Samstag, 4. November 2017, Großes Haus

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