Nach dem Epochenroman von Lew Tolstoi in einer Fassung von Milena Michalek
Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze
Auf dem Schauplatz eines von Umbrüchen geprägten Russland verwebt Tolstoi in „Anna Karenina“ auf berührende Weise die Schicksalsfäden seiner suchenden und zweifelnden, sich in ständigen (Selbst-) Gesprächen verlierenden Figuren:
Der Lebemann Stiwa flüchtet sich aus seiner kinderreichen Ehe mit Dascha in wechselnde Seitensprünge. Um die Ehe ihres Bruders zu retten, eilt Anna nach Moskau. Doch lernt sie auf ihrer Reise Wronski kennen und beginnt mit ihm eine delikate Affäre. Nun ist es Anna, die aus Ehe und Elternschaft flieht, wofür sie als unmoralisch geächtet wird. Ihr Gatte Karenin scheitert hingegen an den eigenen Ansprüchen, ein standhafter Mann zu sein. Gleichzeitig stürzt Kitty, die ebenfalls in Wronski verliebt war, in eine tiefe Sinnkrise, während sich der wiederum von ihr abgelehnte Lewin in die Arbeit flüchtet.
Regisseurin Milena Michalek destilliert in ihrer Inszenierung aus dem üppig ausufernden Textmaterial Tolstois zentrale Fragen nach den sozialen wie individuellen Wünschen. Durch einen überzeitlichen Zugriff auf den Stoff schichtet sich hier Geschichte und zeigt damit die Absurditäten überholter Strukturen auf. Im Mittelpunkt stehen dabei die Zeitlosigkeit menschlichen Verlangens nach Liebe und Glück, die Kontraste persönlicher und allgemeiner Freiheit sowie die unvergängliche Relevanz von Gesellschaft für das Individuum – ein Abend gegen die Einsamkeit.
PREMIERE 25. Febr. 2023 O Großes Haus